Fall Kuranyi Löw vertagt Entscheidung

Löw: Kuranyi-Entscheidung bis Ende April (Foto)
Bundestrainer Joachim Löw gibt Kevin Kuranyi bei der EM 2008 Instruktionen. Bild: dpa

Von Jens Mende und Klaus Bergmann
Fußballbundestrainer Joachim Löw will die Entscheidung über eine mögliche Aufnahme des Schalker Stürmers Kevin Kuranyi in seinen WM-Kader bis Ende April bekanntgeben. Dies sagte er zum Abschluss einer Klausurtagung mit seinem Trainerstab.

«Wir werden uns zu diesem Thema äußern bis Ende April», kündigte Bundestrainer Joachim Löw am Mittwoch nach dem Ende einer dreitägigen Sitzung mit seinem Stab im Schwarzwald an. «Natürlich» sei auf der Klausur auch über das Thema Kuranyi gesprochen worden, berichtete Löw am Mittwoch im Internet-TV des Deutschen Fußball-Bundes, schloss aber auch deutlich an: «Wir lassen uns von dem öffentlichen Druck nicht treiben.»

Löw steht wenige Wochen vor seiner ersten Fußball-WM als verantwortlicher Bundestrainer nicht nur im «Fall» Kuranyi vor kniffligen Entscheidungen, die für heiße Diskussionen sorgen dürften. «Ich bin mir meiner Verantwortung als Bundestrainer absolut bewusst», betonte der 50-Jährige, dessen Vertrag nach der WM in Südafrika ausläuft. Bis zum 6. Mai muss der Chef des Unternehmens «WM-Titel 2010» trotz vieler Fragezeichen einen Kader zusammenbasteln, der vom 13. Juni an mit dem ersten Gruppenspiel in Südafrika gegen Australien eine erfolgreiche Mission verspricht.

Brisante Rauswürfe
Wenn Fußballer ihre Koffer packen müssen

Löws Favoritenliste ist geheim, aber noch scheinen mehr als 30 Spieler im Rennen, die er mit seinem Betreuerstab im Saison-Endspurt nochmals einer eingehenden Beobachtung unterziehen will. Dazu gehört auch der nach seiner Stadionflucht bisher aus der Nationalmannschaft noch verbannte Kuranyi, der in der Bundesliga aber wiedererstarkt ist. Er habe Verständnis für die vielen öffentlichen Debatten, meinte Löw, ergänzte aber unmissverständlich: «Wir haben klare Vorstellungen und eine ganz klare konzeptionelle Vorgehensweise.»

Sein Kader-Puzzle enthält noch zu viele Unbekannte vom verletzten U 21-Europameister Sami Khedira über die derzeit in ihren Vereinen zu Ersatzleuten degradierten Thomas Hitzlsperger und Miroslav Klose bis hin zu dem in Köln völlig außer Tritt geratenen Lukas Podolski. Dazu kommt die gestiegene Verletzungsgefahr in der heißen Saison-Endphase. «Wir werden die nächsten Spiele insgesamt nochmals beobachten», kündigte Löw ein intensives Scouting an.

Im Schwarzwald-Örtchen Baiersbronn tüftelten der Bundestrainer und seine engen Vertrauten Hansi Flick, Andreas Köpke und Urs Siegenthaler an allen Details: Von individuellen Trainingsplänen über genaue zeitliche Abläufe und Logistik bis hin zu Personalfragen. Dabei wurde auch über England-Legionär Robert Huth gesprochen, der bei Stoke Ciy in der Premier League regelmäßig spielt. «Ich stehe im Kontakt mit seinem Trainer», hatte Löw verraten.

Fest steht, dass der Bundestrainer am 6. Mai (12 Uhr) im Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart mehr als die 23 Spieler benennen muss, die dann genau einen Monat später in den Sonderflieger nach Südafrika steigen dürfen. «Wir müssen in den Wochen bis zur WM einen Spagat schaffen», erklärte Löw und stufte dieses Unternehmen angesichts des Zeit- und Personalfaktors schon jetzt als «problematisch» ein.

Einige seiner Pflegefälle verpassen wegen ihrer Verpflichtungen im Club nicht nur den für den 12. Mai angesetzten Fitnesstest in Düsseldorf und das erste WM-Vorbereitungsspiel einen Tag später in Aachen gegen Malta, sondern steigen auch in das erste Trainingslager auf Sizilien verspätet ein. Erst nach den Halbfinals in Champions- und Europa League mit Beteiligung des FC Bayern und des Hamburger SV wird die sportliche Leitung weitere Details festlegen.

Die Entscheidung pro oder kontra Kuranyi, der nach seiner Disziplinlosigkeit vor 18 Monaten von Löw aus dem DFB-Team verbannt worden war, wird auf jeden Fall in Zusammenhang mit der gesamten Personal-Zusammenstellung fallen. Die wahrscheinlich zehn Defensivkräfte stellen sich fast von allein auf. Für die Offensive hat der Bundestrainer reichlich Auswahl. Nicht nur die beim jüngsten 0:1 gegen Argentinien debütierenden Thomas Müller (FC Bayern) und Toni Kroos (Leverkusen) drängen in den Kader. In dem von Löw bevorzugten 4-2-3-1-Spielsystem ist nur Platz für einen zentralen Stürmer, Anwärter gibt es gleich ein halbes Dutzend.

Für die so wichtige Position neben Kapitän Michael Ballack in der Mittelfeld-Zentrale scheint sich Löw bereits auf den Münchner Bastian Schweinsteiger festgelegt zu haben. Zumal der Leverkusener Simon Rolfes nach erneuter Knie-OP die WM abschreiben muss, der Stuttgarter Khedira nach einem Kreuzband-Anriss erst wieder um den Anschluss ringt, der Bremer Torsten Frings aussortiert wurde und Hitzlsperger bei Lazio Rom zuletzt nicht mal im Kader stand. Löw würde Ballack und Schweinsteiger bis zum WM-Start am liebsten in Watte packen, denn der Ausfall von einem der beiden Leistungsträger wäre wohl eine seiner größten Horror-Vorstellungen.

Der mögliche deutsche WM-Kader (23):

   Tor (3): Adler, Neuer, Wiese

   Abwehr innen (4): Mertesacker, Westermann, Tasci, Friedrich - (Huth)

   Abwehr außen (3): Lahm, Boateng, Schäfer - (Beck, Castro)

   Mittelfeld defensiv (4): Ballack, Schweinsteiger, Träsch, Gentner - (Hitzlsperger, Khedira*)

   Mittelfeld offensiv (5): Özil, Podolski, Marin, Müller, Kroos - (Trochowski, Hunt, Jansen*)

   Angriff (4): Klose, Gomez, Kießling, Cacau - (Kuranyi)

* derzeit verletzt und deshalb nicht einplanbar

cvd/ivb/news.de/dpa

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Norbert Franz
  • Kommentar 2
  • 15.04.2010 13:46

Den Herrn Klose kann auch auch während des Spiels Bier holen schicken, das fällt überhaupt nicht auf. Wenn es um die Nationalelf geht, müssen die besten Stürmer ins Team und die heisser derzeit Kurany und Kießling. Alles andere ist dummes Zeug, es sei denn Herr Löw möchte die Vorrunde nicht überstehen.

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  • Dieter Brungs
  • Kommentar 1
  • 15.04.2010 11:28

Herr Löw gibt nicht gerne nach, er ist und bleibt ein "Wichtigtuer", genau wie sein Mitläufer Bierhoff. Anstatt den zur Zeit besten Stürmer aufzustellen, verschanzt er sich jetzt hinter der Aussage, Kuranyi passe nicht ins Konzept. Recht so Herr Löw, nehmen Sie ruhig Herrn Klose mit, der macht auch keinen Stress.

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