Der Fall Guerrero Kündigung geht nicht mehr

Böser Bube Guerrero: Flugangst und Flaschenwurf (Foto)
Der Flaschenwurf des Hamburgers Paolo Guerrero passt nicht zu seinem Charakter. Bild: dpa

Von news.de-Redakteuren Oliver Roscher und Michael Heinrich
Paolo Guerreros Flaschenwurf hat der Hamburger SV mit einer drakonischen Geldstrafe geahndet. Arbeitsrechtlich ist er so mit einem blauen Auge davongekommen, strafrechtlich droht aber Ungemach. News.de hat sich juristisch schlau gemacht.

Der Hamburger SV hat den Flaschenwurf von Guerrero mit einer vereinsinternen Geldstrafe belegt. Medien kolportieren eine Summe zwischen 50.000 und 100.000 Euro. Weitere Sanktionen seitens des Vereins wird es nicht geben und kann es auch nicht mehr geben. Dies bestätigt  Fachanwalt für Arbeitsrecht, Dr. Ferdinand Brüggehagen von der Kanzlei Brüggehagen + Kramer: «Gemäß des alten juristischen Grundsatzes 'ne bis in idem' (nicht zweimal in derselben Sache), ist der Fall vereinsintern abgeschlossen. Da man nicht zweimal für die gleiche Tat bestraft werden kann, hat sich der Verein des nächst schärferen Mittels, beispielsweise einer Kündigung, beraubt.» Solche Strafen sind die Folge der vertraglichen Unterwerfung eines Profis unter das «vereinsinterne Sanktionswerk», fügt der Jurist hinzu.

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Der Arbeitsrechtler vertritt im Fall Guerrero eine eindeutige Haltung: «Ich persönlich halte das von Guerrero an den Tag gelegte Verhalten für geeignet, eine fristlose Kündigung auszusprechen. Arbeitsrechtlich handelt es sich um eine Tätlichkeit in Ausübung seiner gegenüber dem Verein geschuldeten vertraglichen Tätigkeit gegen einen Kunden des Arbeitgebers.» Milderung könne der Profi nur erfahren, wenn sich herausstellt, dass Guerrero im Vorfeld massiv beschimpft wurde. Dann, so Dr. Brüggehagen, «wäre eine fristgemäße Kündigung auch geeignet».

Justiz ermittelt

Nun ermittelt aber die Staatsanwaltschaft Hamburg gegen den Peruaner. Ihm wird gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Dr. Brüggehagen dazu: «Es wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittlet, weil sie mittels eines gefährlichen Werkzeuges (Getränkeflasche, Anm. d. Red.) verübt wurde.» Der Jurist erklärt den Unterschied zwischen einfacher und gefährlicher Körperverletzung so: «Es ist ja ein Unterschied, ob ich wie Prinz Ernst August mit der flachen Hand ins Gesicht schlage oder ob ich eine Flasche in der Hand habe und zuschlage.»

Vergleiche zwischen dem Verhalten Guerreros und dem einer Kellnerin, die einem unhöflichen Gast eine Tasse Kaffee über die Hose schüttet, oder einem Schauspieler, der einen Stuhl ins Publikum wirft, weil er sich beleidigt fühlt, sind absolut gerechtfertigt, bestätigt Dr. Brüggehagen. Auch im Sport findet sich Vergleichbares: Hätte Zinedine Zidane einen Vertrag beim französischen Verband gehabt, hätte dieser seinen Kapitän nach dessen Kopfstoß 2006 gegen Marco Materazzi fristlos kündigen können. Aber erstens gab es keine Vertrag und zweitens ist Zidane zurückgetreten.

Neuner kennt Beschimpfungen

Es ist erstaunlich, dass man Beispiele von Sportlern, die handgreiflich werden, nur im Fußball findet. Beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), unter dessen Dach alle olympischen Sportarten vereint sind, kann man sich nicht an vergleichbare Verfehlungen von Athleten, etwa bei Olympischen Spielen, erinnern.

Einen Strafenkatalog für schlechtes Benehmen oder gar Tätlichkeiten von Sportlern, die bei Großereignissen schließlich Deutschland repräsentieren, existiert nicht. Es gibt keinen Bedarf. «Über disziplinarische Maßnahmen würde, gesetzt den Fall, Delegations- und Mannschaftsleitung entscheiden», erklärt Christian Klaue, Leiter der Abteilung Kommunikation des DOSB.

Dabei sind auch Leichtathleten, Schwimmer oder Skilangläufer nicht vor Beleidigungen von Zuschauern gefeit. Sogar Biathlon-Liebling Magdalena Neuner kennt dieses Phänomen. Bei den Winterspielen in Vancouver berichtete sie, was sie in ihrer Krisensaison 2008/09 von Fans zu hören bekam und dass sie danach sogar ans Aufhören dachte. Ihr Gewehr richtete sie dennoch nie gegen Zuschauer.

reu/news.de

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