Prosecco statt Bier zum Fußball
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Von news.de-Redakteurin Mara Schneider
Artikel vom 06.04.2010
Immer mehr Frauen entdecken Fußball für sich. Bundesligist Hertha BSC hat den Trend erkannt und ein Portal von und für Frauen ins Leben gerufen. Ob heiße Foto-Shootings oder die Kicker privat. Bei der Herthafreundin kommen weibliche Fans voll auf ihre Kosten.
Fußball ist längst keine Männerdomäne mehr. Nicht nur auf dem Platz, auch in den Stadien und vor den heimischen Fernsehern hat die Zahl der weiblichen Anhänger in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen. Noch 1991 hat es lediglich 5,9 Millionen Frauen zu Bundesligaspielen auf die Tribünen getrieben. Einer Studie der Marktforschungsagentur Sport+Markt zufolge hat sich diese Zahl mittlerweile mehr als verdoppelt. Mit 13,7 Millionen weiblichen Stadiongängern machen die Frauen mittlerweile 23 Prozent aller Besucher bei Bundesligaspielen aus.
Die Tendenz ist steigend. Der jüngste Boom war nach der Fußball-WM 2006 im eigenen Land zu verzeichnen. Beim Bundesligisten Hertha BSC hat man den Trend erkannt und reagiert. Im Februar 2007 rief der Verein ein neues Online-Portal ins Leben. Seitdem bietet die Herthafreundin einmal monatlich in Magazinform Fußballthemen von und für Frauen.
«Bei der WM 2006 waren verdammt viele Frauen unterwegs. Im Stadion, beim Public Viewing - die Begeisterung kannte keine Grenzen», erinnert sich Mitarbeiterin Lena Lange. «Daraufhin hat der Leiter unserer Internetabteilung alle Frauen der Hertha-Geschäftsstelle zusammengerufen und gemeint, da müssten wir unbedingt was draus machen.» So entstand die Idee einer neuen Webseite, die zusätzlich zum Internetauftritt der Hertha «all jene Informationen liefert, die Frauen interessieren und die im normalen Fußballgeschäft untergehen», erklärt Lange.
Boateng im Kraftraum, Chahed in der Dusche
Dass Frauen Fußball anders konsumieren, sich für andere Blickwinkel interessieren, steht für die Herthanerin außer Frage. «Für Frauen ist das Erlebnis Fußball mehr als nur das Spiel. Für sie zählt das Drumherum, die Gesellschaft. Sie nehmen alles ganz anders wahr.» Männer hingegen seien meist voll und ganz auf das Spiel konzentriert. Was um sie herum geschieht, spielt da keine Rolle.
Diese Unterschiede machen sich die Mitarbeiterinnen der Herthafreundin - es sind tatsächlich ausschließlich Frauen - zunutze. Sie haben ein Angebot geschaffen, das die Zielgruppe weibliche Fans zufriedenstellt. Die Nutzer(innen) erfahren hier vor allem interessante Details aus dem Privatleben der Hertha-Kicker, deren Vorlieben und Hobbys. Mit der monatlichen Aktualisierung der Seite, angelehnt an die Tradition von Print-Magazinen, gibt außerdem TV-Moderatorin und Autorin Miriam Pielhau in der Kolumne «Schiri Miri» ihren Senf zum aktuellen Fußballgeschehen dazu.
Als besonderen Leckerbissen gibt es Monat für Monat ein exklusives Foto-Shooting mit einem der Bundesliga-Profis. Ob Kevin-Prince Boateng im Kraftraum, Kapitän Arne Friedrich mit seiner Wein-Sammlung oder Sofian Chahed in der Dusche. Bisher hat noch kein Kicker die Zusammenarbeit mit Fotografin Shirley Karnowski verweigert. «Es hängt natürlich immer davon ab, wie die Spieler drauf sind. Aber in der Regel ist die Resonanz auf die Herthafreundin positiv», freut sich Lena Lange. Für die April-Ausgabe hat sich Adrian Ramos im Hotel ablichten lassen.
Bereicherung statt Konkurrenz
Noch ist die Herthafreundin allein auf weiter Flur. «Es gibt in der 1. Liga nichts Vergleichbares», erklärt Lange. Dabei wird das Angebot gut angenommen - und zwar nicht nur von Frauen. Am monatlichen Gewinnspiel nehmen mittlerweile mehrere hundert Frauen und Männer aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und sogar aus den Niederlanden teil. «Manche machen immer mit, aber es sind auch immer wieder neue dabei. Daran kann man so ein bisschen unseren Erfolg messen», sagt die Herthanerin.
In Klickzahlen wird bei der Herthafreundin nicht gerechnet. Die Macher betrachten sich ohnehin nicht als Konkurrenz etwa zur hauseigenen Webseite herthabsc.de. «Wir sehen uns als Bereicherung, und wir sind zufrieden», sagt Lange. Im April kann außerdem erstmals ein Feedback zum Internetauftritt abgegeben werden. Davon erhoffen sich die Schreiberlinge neue Impulse für ihre Arbeit.
Bis dahin wird es auch noch die eine oder andere gemeinsame Aktion geben, schließlich halten die Frauen zusammen. «Wir sind schon mal auswärts zu einem Spiel der Hertha mitgefahren, 50 Frauen in einem Bus. Da gab es dann Prosecco statt Bier. Das war schon ein Bild, als wir auf dem Parkplatz ausgestiegen sind», erinnert sich Lena Lange. Man sei aber positiv empfangen worden.
Ans Aufgeben denkt keiner
Vielleicht bekommen die Herthaner dieses Bild noch öfter zu sehen. Zunächst aber gilt es in Berlin, den Klassenerhalt zu schaffen. Dafür drücken auch die Herthafreundinnen ganz fest die Daumen. «Es wird verdammt schwer und verdammt eng. Wir brauchen sicher sehr viel Glück, um das zu schaffen», zeigt sich Lange realistisch.
Doch Aufgeben kommt nicht in Frage. «Wer die letzten Spiele gesehen hat, der weiß, dass die Jungs vernünftigen Fußball spielen», sagt sie und hofft auf einen erfolgreichen Endspurt. An den Abstieg verschwendet sie keinen Gedanken. Und auch mit der Herthafreundin soll es auf jeden Fall weitergehen.
oro/reu/news.de
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