So., 12.02.12

Fußball «Schalke kann Meister werden»

Von news.de-Redakteur Michael Kraft, Leipzig

Artikel vom 20.03.2010

Gemeinsam mit Otto Rehhagel hat Willi Lemke den SV Werder Bremen im europäischen Fußball etabliert. Heute ist er für die Uno unterwegs. Mit news.de sprach der Ex-Manager über das Meisterrennen, das Modell Magath und die Bedeutung der Fußball-WM.

04.02.2010
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Werder Bremen ist gerade durch ein dramatisches 4:4 gegen Valencia aus der Europa-League ausgeschieden. Wie haben Sie das erlebt?

Lemke: Ich war diesmal leider nicht im Stadion. Sonst bin ich bei 70 Prozent der Heimspiele vor Ort, aber diesmal hatte mir der Arzt davon abgeraten, weil ich eine Kehlkopfentzündung habe. Er hat gesagt: Sie können entweder ins Stadion oder zur Buchmesse. Und da habe ich mich gegen das Spiel entschieden. Das war auch besser so, sonst könnte ich jetzt nicht mit Ihnen sprechen. Denn gebrüllt hätte ich bei diesem Spielverlauf definitiv.

Auf europäischer Bühne kam damit das Aus im Achtelfinale. In der Bundesliga steht Werder auf Platz sechs. Ist es schon jetzt eine schwache Saison?

Lemke: Nein. International kann man zufrieden sein. Das Ausscheiden ist nicht so dramatisch, zumal nach zwei so starken Spielen gegen einen wirklich guten Gegner. Das ist keine Katastrophe. Auch, weil man in der Europa-League bei weitem nicht so hohe Einnahmen erzielen kann wie in der Champions League.

Aber wenn Werder wie im Vorjahr des Endspiel erreicht hätte, würde das sicher auch die Position bei anstehenden Vertragsverhandlungen stärken, beispielsweise mit Nationalspieler Mesut Özil.

Lemke: Das glaube ich nicht. Ob wir das Viertelfinale erreichen oder das Finale, spielt dabei keine entscheidende Rolle. Letztlich geht es da ums Geld, ganz einfach.

Wie sehen Sie die Chancen, dass Özil in Bremen bleibt?

Lemke: Ich denke, sie stehen 50:50.

Und was ist für Werder in der Bundesliga noch drin?

Lemke: Platz fünf ist realistisch. Da haben wir gute Chancen, zumal wir am letzten Spieltag gegen den direkten Konkurrenten Hamburg ein Heimspiel haben. Und außerdem sind wir ja auch im Pokal noch gut im Rennen. Die Karten für das Endspiel in Berlin habe ich schon reserviert.

Mit Felix Magath von Schalke 04 mischt ein Trainer ganz oben mit, der auch die Manager-Aufgaben im Verein übernimmt und damit zum Vorbild für andere Klubs geworden ist. Was halten Sie als Ex-Manager von diesem Modell?

Lemke: Dass der Trainer für alle sportlichen Belange verantwortlich ist, und dazu zählen beispielsweise auch die Transfers, ist auf jeden Fall richtig. Er muss das Sagen haben. Das war in Bremen zu Zeiten von Otto Rehhagel auch nicht anders. Aber alles, was darüber hinaus geht, finde ich fragwürdig. Wieso soll der Trainer über das Marketing entscheiden oder über die Besetzung der Geschäftsstelle? Felix Magath ist ein intelligenter Mann, er kann das. Aber für viele Trainer sind diese Aufgaben viel zu komplex. Es fehlt der kaufmännische Sachverstand. Dann wächst die Gefahr, dass sie mit den Aufgaben überfordert sind. Und es gibt noch ein Problem: Diese Leute haben eine riesige Machtfülle. Wenn sie irgendwann gehen, hat der Verein ein Problem.

Kann Magath mit Schalke auch Meister werden?

Lemke: Ja, auf jeden Fall. Alle drei Teams, die jetzt oben stehen, haben das Zeug dazu. Es geht jetzt darum: Wer patzt? Wer hat die besseren Nerven und das nötige Glück? Ein Ausrutscher wie der von Leverkusen in Nürnberg kann schon entscheidend sein. Aber auch der FC Bayern wird noch Punkte lassen.

Blicken wir auf den Sommer: Als UN-Sonderbotschafter werben Sie immer wieder dafür, dass Sport helfen kann, um Frieden zu schaffen. Auch in ihrem Buch schreiben Sie darüber. Gilt das auch für die WM in Südafrika?

Lemke: Auf jeden Fall. Die WM ist für Südafrika und für den ganzen Kontinent unendlich wichtig. Alle, von Marokko bis Simbabwe, fiebern dem Turnier entgegen. Das wird eine außergewöhnliche WM: grell, bunt und laut.

Beim Confed-Cup hatten einige Europäer damit so ihre Probleme, beispielsweise mit den Vuvuzelas. Droht so etwas wieder?

Lemke: Wer sich darüber beschwert, hat nichts verstanden. Wenn ich nach Südafrika fahre, muss ich wissen, dass das nicht der Timmendorfer Strand ist. Afrika ist ein riesiger Kontinent, mit ganz vielen Kulturen und Sprachen und eben auch einer eigenen Fankultur. Das ist ja das Spannende an der WM.

Kann die WM dem Land auch politisch helfen? Viele hoffen auf einen Effekt wie in Frankreich 1998, als das Turnier das Ansehen und Selbstbewusstsein von Migranten enorm gesteigert hat.

Lemke: Ja. Auch bei der WM in Deutschland gab es so etwas: türkischstämmige Fans, die plötzlich mit der schwarz-rot-goldenen Fahne gejubelt haben. Da zeigt sich, welche Kraft so ein Turnier haben kann. Für Südafrika wird das wichtig, denn das Land ist noch keine Nation. Es fehlt der innere Zusammenhalt, und der kann durch die WM wachsen. Auch der Blick von außen ist wichtig: Wenn Touristen und Investoren Vertrauen in das Land gewinnen, hätte das eine Sogwirkung auch für andere Staaten. Die WM ist eine riesige Chance für uns alle, damit wir erkennen: Afrika ist viel mehr als Aids und Hunger.

Willi Lemke war 19 Jahre lang Manager von Werder Bremen und ist heute Vorsitzender des Aufsichtsrats beim Fußball-Bundesligisten. Von 1999 bis 2007 war er Bildungssenator in Bremen. Der SPD-Politiker arbeitet heute als UN-Sonderbeauftragter für Sport und Entwicklung. Über seine Erlebnisse an der Elfenbeinküste hat er das gerade erschienene Buch «Ein Bolzplatz für Bouaké» geschrieben.

oro/news.de
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Leserkommentare (2)
  • Kommentar: 2
  • 21.03.2010 13:39
von
RAGNAROEKR

Von Lemke wäre mehr zu erwarten gewesen, da er über den Tellerrand hinaus blicken kann. Es kommt gar nicht darauf an, dass Bremen einen europäischen Erfolg hatte, sondern darauf, dass die gesamte Bundesliga im europäischen Mittelmaß verweilt. Und eine Perspektive nach oben gibt es nicht. D.h. die Fußballstruktur in der Bundesliga verschlechtert sich. Das ist nicht nur eine Frage von Geld. Wenn der Nachwuchs von Barca den VfB-Nachwuchs 5 : 0 abserviert, dann hat Barca die bessere Fußballstruktur auf seiner Seite und nicht nur mehr Geld. RAGNAROEKR spricht von Heulsusen-Mentalität - überall!

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  • Kommentar: 1
  • 20.03.2010 14:24
von
Friese

Wie gesagt: Ehe geht ein Kamel durchs Nadelöhr als das Schalke Deutscher Fussballmeister wird und warum auch nur weil dort der Felix der Trainer ist und Schalke soviel Schulden hat ? Wer glaubt denn nun wirklich daran, möchte ich gerne mal wissen. Habe wirklich nichts gegen Schalke aber das mus denn nun doch nicht sein.

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