So., 12.02.12
Südafrika 2010

Verpatzter WM-Test «Uns hat der Mut gefehlt»

Artikel vom 04.03.2010

Es war die erste Niederlage für die DFB-Elf seit mehr als einem Jahr. Joachim Löw setzt nun ganz auf die unmittelbare WM-Vorbereitung im Mai. Der Bundestrainer gibt nach dem 0:1 gegen Argentinien im Interview zu, dass es «die eine oder andere Baustelle» gebe.

Welche Erkenntnisse nehmen Sie aus dem 0:1 gegen Argentinien in die unmittelbare WM-Vorbereitung mit?

Löw: Das Spiel war sehr stark von der Taktik geprägt. In der Defensive haben wir es schon relativ ordentlich gemacht. Die gesamte Mannschaft hat gegen starke Argentinier nicht viele Chancen zugelassen. Was wir nicht gut gemacht haben: Wir haben es nicht geschafft, Druck aufzubauen, die Argentinier zu Fehlern zu zwingen, in der Offensive klare Akzente zu setzen. Es hat uns der Mut gefehlt, aus der Kompaktheit mehr nach vorne zu machen.

Welche Defizite nehmen Sie noch mit in die nächsten Wochen?

Löw: Es gibt immer Dinge, an denen man arbeiten muss. Beispielsweise in der Detailabstimmung in jedem Mannschaftsteil. Erst als Cacau ins Spiel kam, kam nach vorne mehr Leben rein. Mit Özil, Podolski, Müller und Klose hatten wir schon ganz offensive Spieler auf dem Platz. Daran lag es nicht. Wir brauchen mehr Selbstbewusstsein. Natürlich müssen wir in der Vorbereitung darauf hinarbeiten, dass wir mehr Druck erzeugen, mutiger nach vorne spielen, den Gegner zu Fehlern zwingen.

Wie haben Sie die Neulinge Thomas Müller und Toni Kroos gesehen?

Löw: Sie haben ihre Sache ordentlich gemacht. Für Toni Kroos war es sehr schwer, in dieser Phase ins Spiel reinzukommen. Aber er hat sich angeboten, wollte etwas nach vorn machen. Bei Thomas Müller hatte ich nicht das Gefühl, dass er nervös ist. Man hat gegen einen starken Gegner gesehen, dass beide gutes Potenzial haben.

Bleibt jetzt Bastian Schweinsteiger neben Kapitän Michael Ballack im zentralen defensiven Mittelfeld?

Löw: Schweinsteiger und Ballack können schon zusammen spielen. Es hängt viel von der WM-Vorbereitung ab, da muss einiges eingespielt werden mit den drei Zentralen Schweinsteiger, Özil und Ballack. Ich möchte da ballsichere, fußballerisch gute Spieler. In der Vorbereitung wird es sich herauskristallisieren. Ich glaube schon, dass Müller das Potenzial hat, auf Dauer rechts zu spielen.

Wie sehen sie das Gegentor, so passiert das ja nicht oft?    

Löw: Das war nicht so überraschend. Wenn so ein Ballverlust passiert und ein Argentinier ist im Mittelfeld frei, da kann man die Sekunden zählen, bis sie vor das Tor kommen. Ein Klassepass, eine 1:1-Situation reichte. Es ist richtig, wenn wir so weit vorne sind, dass René Adler da rauskommt. Wir haben ein paar Fehler mehr gemacht als Argentinien, das wird auf dem Niveau bestraft.

Wo steht die Mannschaft denn 100 Tage vor dem WM-Auftakt?

Löw: Das Gerüst steht. Selbstverständlich spüre ich, es gibt die eine oder andere Baustelle. Wenn wir dann vier Wochen zusammen sind, können wir konsequent an diesen Dingen arbeiten.

Was erwarten Sie von Spielern wie Lukas Podolski oder Miroslav Klose, die bei ihren Klubs nicht so zum Zuge kommen, bis dahin?

Löw: Sie müssen enorm hochtourig, hochintensiv trainieren, jede Möglichkeit nutzen. Wenn Miro etwas weniger spielt, müssen wir das akzeptieren. Bayern hat einen Lauf, dann gibt es nicht so viele Gründe zu wechseln. Nach wie vor, und das hat nichts mit dem Spiel gegen Argentinien zu tun, bin ich von den Spielern absolut überzeugt. Natürlich müssen sie jetzt im März und April weiter alles tun, damit sie in Form kommen.

phs/oro/ivb/news.de/dpa
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Leserkommentare (4)
  • Kommentar: 4
  • 05.03.2010 10:19
von
Dieter Eilts

Tatsache ist, daß von den Spielern, die bei Löw herumrennen, maximal 2 bis 3 beim FC Bayern München in der Startelf vorstellbar sind. Das sagt eigentlich schon alles. Löws Traum von "ballsichern, fußballerisch guten Spielern" ist eine Fatamorgana. Apropos Löw: der hat bisher ganze 2 Profimannschaften trainiert, eine in Deutschland und eine in der Türkei. Von beiden Clubs wurde er nach ein paar erfolglosen Monaten vom Hof gejagt. Auch das sagt alles. Ich möchte da ballsichere, fußballerisch gute Spieler.

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  • Kommentar: 3
  • 05.03.2010 09:23
von
RAGNAROEKR

Fußball war ein Kampfsport. RAGNAROEKR kann daher die Feststellung des Bundestrainer´s - uns fehlte der Mut zur Offensive - nur so verstehen, dass jetzt Hasenfüße ein Balltreterecht haben. Bei einem Freundschaftsspiel, gegen einen guten Gegner und einem Tauglichkeitstest für die bevorstehende WM spielen die Deutschen vor heimischem Publikum Angsthasenfußball. Löw`s Meinung muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. RAGNAROEKR fragt sich, ob Fußball noch als Männersport aufgefasst werden kann. Vielleicht ist dies jedoch allzu vordergründig gedacht.

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  • Kommentar: 2
  • 04.03.2010 15:40
von
Reiner Karneboge

Unverständlicher Respekt der Spieler aus der deutschen Na-tionaleft, auch in der Mannschaftsaufstellung von Jogi Löw, gegenüber der argentienischen Nationalelf glaubte ich Leihenesperte während der Übertragung erkannt zu ha-ben. Oliver Kahn, Ex-Deutscher-Nationaltorhüter, war der Auffassung, die zwei Sechserpositionen mit Schweinsteiger und Ballak nicht zu offensiv eingestellt sondern ein Stür-mer zuwenig auf den Platz war. Die Tugend der deutschen Spieler ist das Kampfspiel: Es fehlte an Schnelligkeit, Flanken- und Ballsicherheit, welche vor und während des WM-Tounier sicher kommen wird.

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  • Kommentar: 1
  • 04.03.2010 13:44
von
Martin Schulten

Als ob es das wichtigste wäre hinter überbezahlten Fussballern herzulaufen... Es wäre viel wichtiger einen Mindestlohn und andersrum gleichzeitig einen Maximallohn einzufordern. Dann be käme auch der Sport wieder sein normales Bild turück. Aus Spass an der Freud, und nicht nur wegen aussergewöhnlichen Verdienstmöglichkeiten! Das führt nur zu Doping. Wie das vor sich gehen kann ist uns allen bekannt. Ich erinnere nur mal an die Zahnpasta, in der Dopingmittel gesteckt haben sollen... Wer es damals schon geglaubt hat wird selig. Aber heute ist es noch viel schlimmer, auch wenn alle angeblich so sauber sein sollen

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