WM-Test Ohne Spickzettel gegen die Gauchos

Mit großer Spannung wird das Duell zwischen Deutschland und Argentinien erwartet. Bei der WM 2006 war die Begegnung eines der besten Spiele des Turniers. Deutschland gewann das Viertelfinale im Elfmeterschießen. Der Held des Spiels ist diesmal nicht dabei.

Jubel (Foto)
Jens Lehmann (r.) hielt bei der WM 2006 zwei Elfmeter gegen die Gauchos. Bild: dpa

Die deutsche Nationalmannschaft als dreifacher Weltmeister bestreitet in München (ab 20.15 Uhr im ZDF) gegen den zweimaligen Weltmeister Argentinien ihr wichtigstes Testspiel vor der Weltmeisterschaft in Südafrika.

Das letzte Aufeinandertreffen der beiden Teams liegt vier Jahre zurück. Bei der WM 2006 in Deutschland gewann die DFB-Elf mit 5:3 nach Elfmeterschießen. Der Held von damals ist nicht mehr dabei. Jens Lehmann hielt dank seines legendären Spickzettels zwei Elfmeter und brachte Deutschland damit ins Halbfinale. Dort scheiterte man bekanntlich am späteren Weltmeister Italien.

Wenn man sich die Statistik der vergangenen Härtetests zu Gemüte führt, sieht es für die DFB-Elf aber nicht gut aus. Denn missglückte Generalproben vor großen Turnieren haben durchaus eine gewisse Tradition. Zuletzt gab es ein 1:4 vor der Heim-WM 2006 gegen Italien. Gegen Argentinien verlor die deutsche Mannschaft zuletzt vor der WM 2002 in Stuttgart mit 0:1. Vor den letzten fünf WM-Turnieren gelang überhaupt nur ein Sieg gegen einen großen Gegner (1994 mit 2:1 gegen Italien).

Die Hand Gottes: Mythos Maradona

«Das ist ein Test, den wir sehr, sehr ernst nehmen», sagte Löw, der das 1:4 in Italien vor der WM 2006 und die anschließenden Nachwehen natürlich noch im Kopf hat. «Wir wissen alle, für die WM-Stimmung und Vorfreude ist es auch wichtig, dass wir ein gutes Ergebnis erzielen und vor allem ein gutes Spiel zeigen», sagte der Freiburger.

Löw: «Ich traue mich alles»

Dennoch sprüht das DFB-Team und auch Jogi Löw vor Selbstvertrauen. Mit taktischer Finesse und einem Schuss Risiko will der Bundestrainer «Zigarren-Diego» Maradona Dampf machen. Bei der Pressekonferenz vor dem Spiel nahm er seinen Trainerkollegen auf die Schippe, indem er eine Zigarre mitbrachte und Pressesprecher Harald Stenger um Feuer und Aschenbecher bat. Am Tag zuvor hatte Maradona während des Trainings lässig am Seitenrand gestanden und gepafft. 

«Ich traue mich alles», erklärte Löw auch zur möglichen risikovollen Variante, im Spiel gegen Superstar Lionel Messi und Co. gleich die Neulinge Thomas Müller und Toni Kroos mit ins kalte Wasser zu werfen. In so einem Test 100 Tage vor dem WM-Turnier sei er als Trainer durchaus bereit, «das eine oder andere Risiko zu gehen», betonte Löw. Allerdings ließ er sich bei der Startaufstellung nicht in die Karten blicken. Zugleich bleibt offen, ob der Münchner Müller und der Leverkusener Kroos schon von Beginn an eine Chance bekommen oder erst später eingewechselt werden. Denn gerade auf der rechten Seite erwartet das DFB-Team durch Barcelonas Weltfußballer Messi eine besonders schwere Aufgabe.

Als eines der wichtigsten Experimente will Löw den Münchner Bastian Schweinsteiger wie bei den Bayern in die Mittelfeld-Zentrale versetzen, auch wenn Michael Ballack damit nicht ganz glücklich scheint. Der Kapitän wollte vor der versammelten Weltpresse nicht darüber reden, «wie es sein wird», falls er im defensiven Mittelfeld die noch defensivere Rolle besetzen muss. Auch Löw ging auf das neue Problem nur wenig ein: «Michael ist stark, wenn er aus der Defensive kommt.» Die sogenannten «Sechser» müssten ohnehin «in Abstimmung Akzente nach vorn setzen», unterstrich der Bundestrainer seinen Anspruch.

Maradona will von Revanche nichts wissen

Sein Trainerkollege Diego Maradona will unterdessen nichts von einer Revanche fürs argentinische WM-Aus 2006 wissen. Die «Hand Gottes» hat Größeres vor und blickt vor dem Härtetest gegen die deutsche Nationalmannschaft schon voraus: «Ich glaube, dass wir die Geschichte von 1986 mit neuen Helden wiederholen können.»

Das Funkeln in den Augen seiner Fußballer habe er schon wahrgenommen, 80 Prozent seines Kaders stehen fest. Das Duell dürfte nach der nur mühsam geschafften WM-Qualifikation gleichwohl die Nagelprobe für den umstrittenen Coach und sein Team sein. «Deutschland will gewinnen, wir wollen gewinnen - das wird ein spektakuläres Spiel», prophezeite Maradona.

Ein ganz eigenes Spektakel war die Pressekonferenz im noblen Teamhotel der Argentinier. Nachdem Maradona mit Zigarre beim ersten morgendlichen Training gesichtet worden war, ließ er die große Medienschar am Montag erstmal warten. «Ich muss mich entschuldigen, dass es später geworden ist, wir sind später vom Training zurückgekommen und ich habe erst noch geduscht», erklärte Maradona.

Gaucho-Coach fordert neue Helden

Glanz will der Weltmeister-Kicker von 1986 mit seinen legendären Auftritten («Hand-Gottes-Tor» und Sensationssolo gegen England) dem argentinischen Fußball wieder verleihen. «Ich will neue Helden, ich möchte nach 24 Jahren den Pokal wieder mit nach Argentinien bringen», betonte Maradona, der einen gut aufgelegten Eindruck machte und sich zum ein oder anderen Scherz hinreißen ließ.

Gegen Deutschland wird es in der Allianz-Arena aber ernst. Genaue Einblicke gab der 49-Jährige nicht. Immerhin deutete er an, dass er ohne Gonzalo Higuain im Sturm anfangen könnte. Der Angreifer, der sich zuletzt beim 5:1-Sieg von Real Madrid auf Teneriffa mit zwei Toren warmgeschossen hatte, ist angeschlagen. Für ihn könnte Diego Milito von Inter Mailand neben Weltfußballer Lionel Messi das Sturmduo bilden.

«Ich kann nichts Genaues sagen», antwortete Maradona auf die Frage, ob er mit zwei oder drei Stürmern in die Partie gehen werde. Die Stärken des Gegners sieht er in den «deutschen Tugenden». Man müsse Respekt haben, «sie kämpfen bis zur letzten Minute». Michael Ballack und Lukas Podolski nannte er namentlich. Und die Schwächen? «Werden wir während des Spiels feststellen», erklärte Maradona.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Deutschland: Adler (Bayer Leverkusen) - Boateng (Hamburger SV), Mertesacker (Werder Bremen), Tasci (VfB Stuttgart), Lahm (Bayern München) - Schweinsteiger (Bayern München), Ballack (FC Chelsea) - Trochowski (Hamburger SV), Özil (Werder Bremen), Podolski (1. FC Köln) - Klose (Bayern München)

Argentinien: Romero (AZ Alkmaar) - Rodriguez (Estudiantes de la Plata), Demichelis (Bayern München), Samuel (Inter Mailand), Heinze (Olympique Marseille) - Mascherano (FC Liverpool) - Veron (Estudiantes de la Plata) - Gutierrez (Newcastle United), di Maria (Benfica Lissabon) - Messi (FC Barcelona), Milito (Inter Mailand)

phs/oro/ivb/news.de/dpa

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