Skilanglauf Das Wunder von Whistler

XXI. Olympische Winterspiele (Foto)
Tim Tscharnke (rechts) und Axel Teichmann jubeln über ihre Silbermedaillen. Bild: ddp

Acht Jahre nach dem Staffel-Triumph von Salt Lake City wachsen die «Grand-Damen» des Langlaufs noch einmal über sich hinaus. Auch die deutschen Mänenr stehen kaum zurück. Vom Krankenbett lief Axel Teichmann mit Tim Tscharnke zu Silber.

Nach den Medaillengewinnen der deutschen Skilangläufer im Teamsprint gönnten sich die Olympiasiegerinnen Claudia Nystad und Evi Sachenbacher-Stehle sowie die mit Silber dekorierten Axel Teichmann und Tim Tscharnke im Deutschen Haus in Whistler nicht mal ein Gläschen Sekt. Der Fokus richtete sich auf die Staffel-Wettbewerbe am Mittwoch (Herren) und Donnerstag (Damen). «Wir haben noch einiges vor uns, da ist jetzt nicht der Zeitpunkt, um groß zu feiern», erklärte Claudia Nystad.

Als Motivationsspritze wollten aber alle vier ihre Leistungen verstanden wissen. «Jetzt ist auch in der Staffel einiges drin. Aber es muss alles passen», meinte Evi Sachenbacher-Stehle, die gemeinsam mit Nystad das Wunder von Whistler vollbrachte und nach dem Team-Gold von 2002 zum zweiten Mal einen Olympiasieg bejubeln konnte.

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Als Glücksbringer hatten sie sich wie damals die legendären Zöpfchen gebunden. «Wir haben schon immer gut harmoniert und verstehen uns super gut. Erfolge schweißen halt zusammen», sagte Sachenbacher-Stehle über ihre Teamkollegin, die bei der Entscheidung erneut ihre Sprintqualitäten unter Beweis stellte. «Die Zielgerade ist mit 400 Metern unendlich lang. Da war mir klar, dass es zu meinen Gunsten ausgeht, auch wenn ich dann richtig, richtig müde war», meinte Claudia Nystad.

Vor allem die taktische Meisterleistung hatte dabei überrascht. «Es ist alles aufgegangen, was wir uns vorgenommen haben. Evi war der Motor im Rennen, ich war für das Finish zuständig», meinte Nystad. Als einen wichtigen Aspekt für den Sensationserfolg bezeichnete die Oberwiesenthalerin ihr Verhältnis zu Sachenbacher-Stehle. «Ich habe blindes Vertrauen zu ihr», erklärte die Sächsin.

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Behle ist begeistert

Selbst der mit harscher Kritik an den Leistungen der Damen nie hinter dem Berg haltende Bundestrainer Jochen Behle ließ seinen Gefühlen freien Lauf. Hinterm Ziel hob er Evi Sachenbacher-Stehle hoch und flötete ihr ins Ohr: «Super gemacht. Wir haben heute gesehen, wo unsere Stärken liegen. Im Distanzbereich können wir derzeit nicht mithalten, auf den kurzen Strecken aber ist alles möglich», sagte der Trainer, ohne etwas von seiner Generalkritik der vergangenen Tage zurücknehmen zu wollen und zu müssen.

Sachenbacher-Stehle ficht das schon lange nicht mehr an. «Solche Kritik kommt ja immer vor einem Höhepunkt, da warte ich schon drauf. Wenn es seine Meinung ist, dann soll er sie auch vertreten. Bei mir kommt sie nicht mehr an. Aber ich habe kein Problem mit Jochen, wir verstehen uns gut», meinte die Athletin aus Reit im Winkl. Einen Streit wollte sie im Moment des Triumphes nicht vom Zaun brechen.

Realisiert hatte das «Seniorinnen-Duo» den Erfolg auch Stunden danach noch nicht. «Dafür war keine Zeit. Es gab ja auf einmal ganz viele offizielle Termine wahrzunehmen», erzählte Sachenbacher-Stehle. Die Medaillenzeremonie auf der Medals Plaza in Whistler genossen beide dann in vollen Zügen. Die Bayerin sang die deutsche Hymne inbrünstig mit, Nystad genoss das Spektakel mit strahlenden Augen.

Zimmerkollegen und Erfolgsduo

Erstmals in den Genuss einer olympischen Medaillenzeremonie waren Teichmann und Tscharnke gekommen. Der Youngster hatte sich während des Wettkampfes ganz für den Routinier eingesetzt. «Es war so gut, an der Seite von Axel zu laufen. Ich wollte unbedingt, dass er die Medaille bekommt, nachdem er bei Olympia so viel Pech hatte», erzählte der Bieberauer. Mit einer unerwarteten Attacke am letzten Berg hatte er das Feld gesprengt.

Der 20-Jährige hatte sich nach seiner überraschenden Nominierung nur eines vorgenommen: «Ich wollte ausschließlich für Axel arbeiten. Ich habe in dieser Woche Abfahrten geübt und an der Intensitätsschraube gedreht», erzählte er. Anders als bei seinem frühen Aus in der Qualifikation zum olympischen Sprint wirkte er diesmal gelassener und überlegter. Aber auch nur, weil sein Freund, Zimmerkollege und Mentor Teichmann ihn noch am Sonntag beruhigt hatte. «Er war total nervös und bekam nichts auf die Reihe. Ich habe ihm schon beim Training erklärt, wie er was anzugehen hat», berichtete Teichmann und lobte den Youngster: «Er hat mich heute mitgerissen. Deshalb durfte ich ihn nicht enttäuschen.»

Aber auch sich selbst wollte Teichmann etwas beweisen. «Eine olympische Medaille ist das Höchste, was man erreichen kann, wenn man zur Weltspitze gehört. Deshalb ist dieses Silber für mich wertvoller als die zwei WM-Titel», sagte der Thüringer. Wegen einer Erkältung wollte er den Teamsprint ursprünglich gar nicht laufen. «Meine Hauptrennen waren die 15 Kilometer und die Doppelverfolgung. Da ich den einen vergeigt hatte und beim anderen krank zusehen musste, kam halt dieses Rennen dran», sagte der 31-Jährige.

hem/mat/reu/news.de/dpa

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