Staffel ohne Neuner «Olympia für mich beendet»

Magdalena Neuner (Foto)
Siegerin Magdalena Neuner posiert mit ihrer Goldmedaille im Deutschen Haus. Bild: ddp

Mit zweimal Gold und einmal Silber ist Biathletin Magdalena Neuner bisher die beste deutsche Teilnehmerin in Vancouver. Völlig überraschend verzichtet die 23-Jährige nun auf die Staffel- und kritisiert zudem die kanadischen Organisatoren.

Mit der letzten Antwort sorgte Doppel-Olympiasiegerin Magdalena Neuner am Sonntagabend (Ortszeit) für eine faustdicke Überraschung. «Für mich sind die Olympischen Spiele heute beendet. Ich werde die Staffel nicht laufen», sagte Neuner bei der Pressekonferenz im Deutschen Haus in Whistler. Ungläubiges Staunen bei allen Beobachtern - mit diesem Verzicht hatte niemand gerechnet. «Es war meine Entscheidung, Bundestrainer Uwe Müssiggang hat es mir überlassen. Ich habe gemerkt, dass ich vom Kopf her doch ziemlich fertig bin. Jetzt hoffe ich, dass die anderen Vier ein gutes Rennen machen und ihre Medaille holen», erklärte die 23-Jährige.

Wenige Stunden zuvor hatte das deutsche Glamour-Girl im Massenstart seine zweite Goldmedaille gewonnen und sich damit endgültig zur bisherigen Königin der Winterspiele aufgeschwungen. Doch in den stressigen Stunden nach dem zweiten Olympiasieg reifte in der bayerischen Frohnatur anscheinend der Entschluss, die Spiele ab sofort aus der Zuschauerperspektive genießen und sich etwas aus dem Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit zurückziehen zu wollen.

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«Mehr, als ich mir erträumt hatte»

«Wir haben hier fünf Topathletinnen, die alle eine Medaille holen können. Ich habe jetzt zweimal Gold und einmal Silber gewonnen. Das ist mehr, als ich mir erträumt hatte», sagte die Wallgauerin. «Für mich geht es nicht mehr toller.» Damit ist auch ein Start Neuners in der Langlaufstaffel zum Ende der Spiele ausgeschlossen, über den immer mal wieder spekuliert worden war. «Natürlich möchte ich in jedem Wettkampf mein Bestes geben. Und ich weiß einfach nicht, ob ich das noch kann. Ich habe unheimlich stressige Tage hinter mir. Ich bin glücklich und zufrieden. Von daher ist Olympia für mich perfekt», begründete die sechsfache Weltmeisterin ihre Entscheidung.

«Es war Lenas Entschluss. Sie hat mir damit natürlich eine schwere Entscheidung abgenommen», sagte Bundestrainer Uwe Müssiggang. Im letzten Biathlon-Rennen der deutschen Frauen werden nun am Dienstag Kati Wilhelm (Zella-Mehlis), Andrea Henkel (Großbreitenbach), Simone Hauswald (Goßheim) und Martina Beck (Mittenwald) die deutschen Farben vertreten. Neuner wird das deutsche Quartett als Zuschauerin nach vorne treiben. «Ich bleibe bis zum Schluss, bis zum bitteren Ende. Ich werde sicherlich an der Strecke sein und die Mädels mit anfeuern und unterstützen», sagte sie.

«Ich kann ihre Entscheidung verstehen», meinte Hauswald, am Sonntag Bronzemedaillen-Gewinnerin über die 12,5 Kilometer. «Ich persönlich freue mich jetzt natürlich, dass ich einen Staffeleinsatz bekomme und hoffe natürlich, dass wir mit den Mädels eine Medaille holen», sagte die 30-Jährige.

«Schlimmer als ein Schaf, das zum Schlachten geführt wird»

Gleichzeitig übte Neuner aber auch heftige Kritik an den Umgangsformen der kanadischen Veranstalter mit den Sportlern im Ziel. «Da wird phasenweise wirklich Gewalt angewandt», sagte Neuner. «Man wird schlimmer behandelt als ein Schaf, das zum Schlachten geführt wird», schimpfte die 23-Jährige. «Sobald du ins Ziel kommst, sind gleich vier oder fünf Leute um dich herum, die an dir herumzerren und die auf dich einreden. Das finde ich unmöglich», kritisierte Deutschlands Biathlon-Star.

«Man wird gleich angeschrien. Es fällt ein bischen schwer, sich zu freuen, wenn man gleich links und rechts am Arm gezogen wird», sagte Neuner. «Die Leute hier sind leider sehr unflexibel, halten sich nur an ihre Regeln und vergessen dabei die Sportler.» Auch Bronzemedaillen-Gewinnerin Simone Hauswald war von den Ruppigkeiten der Veranstalter im Ziel überrascht. «Wir werden da teilweise schon nicht mehr als Menschen behandelt», meinte die Biathletin aus Gosheim.

Rückendeckung für ihre Schelte erhielt Neuner auch von Bob-Olympiasieger André Lange. «Ich kann der Lena nur absolut recht geben. Das kann nicht sein», sagte der 36-Jährige, der zusammen mit Neuner für einen «goldenen» Sonntag aus deutscher Sicht gesorgt hatte.

phs/tno/san/reu/news.de/dpa

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Reinhard Ott
  • Kommentar 2
  • 23.02.2010 18:46

Bei aller Hochachtung für die vorangegangenen Leistungen Magdalena Neuners,sehe ich die Staffelabsage gegenüber ihren Sportkameradinnen als Afront. Sie hat ihre Medaillen,die sie gut vermarkten kann. Ich hätte von ihr erwartet,daß sie durch ihre starke Leistung der Staffel und somit ihren Mitstreiterinnen eben- falls zu Medaillen verhilft. Das ist ein kompletter Rückzug aus der Verantwortung,den ich nicht gut heißen kann.

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  • friese
  • Kommentar 1
  • 22.02.2010 12:14

Ist doch für das Mädel O.K. hat doch für sich und Deutschland alles getan. Hochachtung vor solch einer Sportlerin. Sollten sich die Männer mal ein Beispiel dran nehmen.

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