So., 12.02.12

Michael Thurk «Vieles richtig gemacht»

Von news.de-Redakteur Oliver Roscher

Artikel vom 20.02.2010

Der FC Augsburg steht im Halbfinale des DFB-Pokal-Halbfinals und ist ernsthafter Aufstiegsaspirant. Maßgeblichen Anteil daran hat Top-Torjäger Michael Thurk. Mit news.de spricht der Stürmer über den Rummel um seine Person und die mögliche WM-Nominierung.

Sie werden im Mai 34 Jahre alt und haben im Fußball schon einiges erlebt. Haben sie tatsächlich auf ihre «alten» Tage nochmal mit einem solchen Rummel um ihre Person gerechnet?

Michael Thurk: Es ist doch schön, wenn sich die Leute für den FC Augsburg und mich interessieren. Das zeigt, dass man vieles richtig gemacht hat in den letzten Wochen und Monaten.

In 22 Spielen haben sie bereits 20 Treffer erzielt – eine unglaubliche Torquote. Wie erklären Sie sich den derzeitigen Lauf?

Thurk: Das liegt unter anderem auch an unserer offensiven Spielweise. Wir erarbeiten uns viele Chancen und meine Mitspieler legen mir viele Bälle auf, die ich nur noch reinmachen muss.

Es könnte das größte Jahr in der Vereinsgeschichte des FC Augsburg werden. Zunächst der Aufstieg und dann vielleicht die Europapokalteilnahme. Inwiefern spielen die Gedanken daran schon eine Rolle und welchen Erfolg würden Sie höher einschätzen?

Thurk: Das spielt bei uns derzeit keine Rolle. Auch wenn es abgedroschen klingt: Wir schauen von Spiel zu Spiel und fangen nicht an zu träumen.

Die Medien berichten über das mangelnde Interesse der Augsburger am FCA. Ist das eigentlich wirklich so oder wird das falsch dargestellt?

Thurk: Wir haben 16.000 Zuschauer im Schnitt in der impuls Arena. Im Pokal gegen Köln war das Stadion ausverkauft. Vor vier Jahren hat der Verein noch vor 1000 bis 2000 Zuschauern in einem alten Stadion gespielt. Diese Entwicklung ist alles andere als schlecht.

Haben Sie schon Kontakt zu Augsburgs Fußball-Legende Helmut Haller gehabt?

Thurk: Helmut Haller habe ich mal auf einer Veranstaltung getroffen. Er ist ja auch öfter mal im Stadion bei unseren Spielen. Außerdem habe ich ihn mal zufällig beim Italiener getroffen.

Nochmals kurz zu ihrer Vergangenheit: Die Trennung mit Mainz im Jahr 2006 lief nicht ganz reibungslos ab. Ist wieder Frieden eingekehrt zwischen Michael Thurk und dem FSV Mainz 05?

Thurk: Ich hatte eine sehr schöne Zeit in Mainz und von meiner Seite gibt es überhaupt keine Probleme oder Unfrieden. Aber das ist auch Vergangenheit, jetzt konzentriere mich voll und ganz auf den FC Augsburg.

Dann kam der Wechsel zu ihrem Lieblingsverein Eintracht Frankfurt. Es kam zusammen, was zusammengehörte und hat doch nicht geklappt. Warum hat es bei der Eintracht nicht funtioniert?

Thurk: Frankfurt ist mein Lieblingsverein. Das stimmt. Es gibt verschiedene Gründe, warum es nicht so gelaufen ist, wie sich das alle vorgestellt haben. Aber wie gesagt, ich bin jetzt beim FCA und meine Familie und ich fühlen uns sehr wohl hier. Daher habe ich meinen Vertrag auch verlängert.

Haben sie sich schon bei Bielefelds Trainer Thomas Gerstner bedankt, wegen seiner Fürsprache, Sie in die Nationalmannschaft zu berufen?

Thurk: Es freut mich natürlich, wenn meine Arbeit bei den Konkurrenten eine solche Wertschätzung erfährt. Er hat damit einen großen Rummel ausgelöst, der nicht hätte sein müssen.

Die Öffentlichkeit würde Sie jedenfalls gerne als Nationalspieler sehen. Sie wären nicht der erste Zweitligaspieler, der mit zu einer WM fährt. Ein echter Strafraumknipser fehlt doch in der Nationalelf. Gab es schon irgendeinen Kontakt zum DFB?

Thurk: Nein, den gab es nicht. Joachim Löw hat dazu ja auch schon Stellung bezogen (Löw wird Thurk nicht nominieren, Anm. d. Red.). Außerdem habe ich immer gesagt, dass es in Deutschland sehr viele gute Stürmer gibt.

Ihr Vater hat italienische Wurzeln, ihre Frau ist Serbin. Eine Nominierung für Italien oder Serbien haben Sie auch nicht ausgeschlossen.

Thurk: Man sollte nicht alles immer so bierernst nehmen.

Gibt es andere Zweitligaspieler, die Ihrer Meinung nach das Zeug zum Nationalspieler hätten?

Thurk: Joachim Löw weiß am besten, wen er nominieren wird. Da muss ich ihm keine Tipps geben.

 

Michael Thurk hat eine wechselvolle Karriere hinter sich. Den FSV Mainz 05 schoss er mit entscheidenden Toren 2004 in die erste Liga, wechselte aber dann nach Cottbus. Nach einem halben Jahr in der Lausitz kehrte er wieder zurück. Von dort aus ging es 2006 für den gebürtigen Frankfurter in seine Heimatstadt zur Eintracht. Dort lief es nicht gut für den Stürmer, der schließlich in der Winterpause der Saison 2007/2008 zum FC Augsburg in die zweite Liga wechselte. In dieser Saison spielt der Klub um den Aufstieg in die Bundesliga und steht im Halbfinale des DFB-Pokals. Michael Thurk führt die Torjägerliste mit 20 Treffern an und hat seinen Vertrag vorzeitig bis 2012 verlängert.

phs/news.de
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