Dass Olympiasieger ihre Medaillen verkaufen, ist ein Tabu. Dennoch gibt es einiges Edelmetall auf dem Markt. «Die Verkäufer wollen anonym bleiben», sagt Händler Heinrich Winter. Doch das Gold ist Geld wert - bis zu 101.500 US-Dollar sind schon gezahlt worden.
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Wenn man als Spitzensportler in Rente geht, muss man charakterlich schon sehr gefestigt sein. Die, die es nicht sind, hängen aber immer noch mehr an ihrer Existenz als die Medaille an ihnen.
Die Medaillen sind weg. Wenn ein Porträt über Matti Nykänen geschrieben wird, Finnlands einstigen Wunder-Skispringer, dann ist von Alkoholsucht die Rede, von seinem verzweifelten Drang nach Anerkennung, von seinem Job als Stripper – und von den verkauften Medaillen. Aus finanzieller Not heraus versilberte Nykänen die Symbole seiner Triumphe, vier Goldmedaillen und eine silberne.
Wenn ein Sportler die Trophäen seiner Siege zu Geld macht, ist das ein Aufreger – gerade, wenn es sich um olympische Medaillen handelt. Bis auf den skandalumwitterten Nykänen ist deshalb von kaum einem früheren Sportler bekannt, dass er seine Siegermedaillen verkauft hat. Zu haben sind auf dem Markt dennoch genug.
«Manche schämen sich dafür»
Heinrich Winter verkauft sie. Der Düsseldorfer Münz- und Medaillenhändler veranstaltet im Jahr ein bis zwei Auktionen, bei denen ausschließlich originale Sammlungsstücke von Olympischen Spielen verkauft werden – auch olympische Siegermedaillen. Viele ältere Stücke bekommt Winter von anderen Händlern oder in Nachlässen angeboten. «Bei mir standen aber auch schon Olympiasieger im Geschäft, die ihre Medaillen verkaufen wollten», erzählt Winter. «Das tut mir dann schon ein wenig leid, aber die Sportler haben sich zu diesem Schritt entschieden und ich helfe ihnen dabei.»
Die Namen der Verkäufer der wertvollen Sammelstücke kann Winter nicht verraten. «Gerade prominente Sportler, die sich von ihren Trophäen trennen wollen, möchten anonym bleiben», sagt Winter. «Wenn ein Sportler zu mir kommt, gibt er mir in der Regel deutlich zu verstehen, dass er nicht daran interessiert ist, dass die Öffentlichkeit davon erfährt.» Und auch Thomas Schmidtkonz, der Herausgeber der Webseiten sammler.com und sammlernet.de, will keine Namen verraten, sagt aber: «Gerade heute eher unbekannte Medaillengewinner aus DDR-Zeiten – speziell, nicht so populärer Sportarten, sind davon durchaus mal betroffen. Manche schämen sich deswegen sogar.»
Doch ein Verkauf lohnt sich. Neben Medaillen aus den letzten Jahrzehnten, die etwa 3000 bis 5000 Euro Wert sind, hat Olympia-Spezialist Winter auch deutlich ältere Stücke im Angebot. So erzielte eine Goldmedaille von den Olympischen Spielen in Garmisch-Partenkirchen 1936 bei der Versteigerung im vergangenen Jahr 25.000 Euro – Rekord bei Winters Olympia-Auktionen. Noch deutlich höhere Werte werden bei Auktionen für den guten Zweck erzielt. 2005 versteigerte die polnische Schwimmerin Otylia Jedrzejczak ihre Goldmedaille für ein polnisches Kinderkrankenhaus für stolze 101.500 US-Dollar. Auch das Olympia-Gold der deutschen Langlauf-Olympiasiegerin Claudia Nystad erhielt für den guten Zweck den Zuschlag, immerhin 22.000 Euro.
Nur sechs Gramm reines Gold
«Im allgemeinen», sagt Winter, «sind Goldmedaillen natürlich gefragter als Silber und Bronze». Dazu seien Einzelsportarten beliebter als Mannschaftssportarten. «Besonders begehrt sind Medaillen, welche sich einem namentlich bekannten und berühmten Athleten zuordnen lassen.»
Übrigens: Mit den aktuell hohen Goldpreisen hat der Wert einer Olympia-Siegermedaille nicht viel zu tun. «Die modernen Olympia-Goldmedaillen bestehen nur zu höchstens sechs Gramm aus reinem Gold», sagt Schmidtkonz. Der Rest ist ein schwerer Silberkern. «Der Metallwert ist also trotz der hohen Goldpreise deutlich niedriger als der Sammelwert.»
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