Jutta Müller «Mitgezittert, mitgefühlt, mitgelitten»

Jutta Müller (Foto)
Jutta Müller vor fünf Jahren. Bild: ddp

Von news.de-Redakteur Michael Heinrich
Die erfolgreichste Eiskunstlauftrainerin der Welt ließ es sich nicht nehmen, die Entscheidung im Paarlauf zu früher Stunde zu verfolgen. Im Interview mit news.de erklärt sie, warum Aljona Savchenko sich nicht über Bronze freuen kann.

Frau Müller, Sie kennen Aljona Savchenko und Robin Szolkowy gut. Wie haben Sie ihre Kür erlebt?

Müller: Ich habe mitgezittert, ganz logisch. Am Ende habe ich dann mitgefühlt und auch mitgelitten.

Wann war Ihnen klar, dass es für das Paar nicht zu Gold reichen würde?

Müller: Als sie vom Eis gegangen sind. Es war einfach ein Fehler zuviel. Den Anfang, als Aljona nicht dreifach gedreht hat, hätte man vielleicht noch kompensieren können. Aber mit dem schweren Fehler zur Hälfte konnte es einfach nicht mehr mit Gold klappen. Robin hatte sogar Mühe, wieder auf die Beine zu kommen.

Ihr Schützling Katarina Witt hat kommentiert, dass das Paar am Druck zerbrochen sei. Sehen Sie das auch so?

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Müller: Ich weiß es nicht. Druck macht man sich selbst. Ja, vielleicht war es zuviel. Sie haben immer betont, dass sie Gold holen wollen, andererseits sagen das andere Sportler auch.

Wie war das bei Ihnen und Katarina Witt 1988, als sie in Calgary Olympiasieger geworden ist?

Müller: Wir haben vorher nicht so laut posaunt, dass wir Gold wollen. Aber es war auch eine andere Zeit, heute rauscht der Blätterwald viel lauter.

Ich kann mir trotzdem vorstellen, dass der Druck immens war ...

Müller: Sicher, Kati war ja in Cincinnati 1987 Weltmeisterin und als Star gefeiert worden. Vor dem Wettkampf mussten wir uns einer Pressekonferenz mit 600 Journalisten stellen, aber Kati hat das locker bewältigt.

Was haben Sie im Vorfeld des Wettkampfs noch getan, um Katarina Witt zu helfen, so ruhig zu sein?

Müller: Wir haben uns die Konkurrenz genau angeschaut. Vor allem wollten wir sehen, was Debi Thomas zeigen wird, die wir als Hauptkonkurrentin ausgemacht hatten. Wir haben es mit uns verglichen und fanden uns besser - vom Programm und dem künstlerischen Ausdruck. Wir waren sozusagen von uns überzeugt. Das hat zusätzlich Selbstbewusstsein gegeben.

Macht es einen Unterschied, dass Szolkowy und Savchenko eben ein Paar sind?

Müller: Es ist natürlich auch etwas anderes, ob man allein, oder als Paar läuft. So ist jeder für den anderen verantwortlich.

Die Enttäuschung stand Savchenko/Szolkowy ins Gesicht geschrieben. Glauben Sie, dass die beiden sich irgendwann über Bronze freuen können?

Müller: Ich glaube, dass das nicht so einfach ist. Robin wird sich wohl später freuen können, aber Aljona ist aus einem anderen Holz geschnitzt. Sie ist super ehrgeizig. Ich erlebe sie ja oft beim Training. Wenn bei ihr etwas nicht klappt, probiert sie es fünfmal bis es sitzt.

kru/ivb/news.de

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