Insider packt in TV-Doku aus
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Von news.de-Redakteur Philip Seiler
Artikel vom 08.02.2010
Der ARD-Film Geheimsache Doping - Eiskalter Betrug macht keine Lust auf Vancouver. Ein Top-Athlet und Olympiateilnehmer verrät Erstaunliches aus der Welt des Dopings.
«Hinter den Kulissen schaut der Sport nur ungern» - mit diesen Worten beginnt die 30-minütige Reportage Geheimsache Doping – Eiskalter Betrug, die in der Nacht in der ARD (0.15 Uhr) zu sehen sein wird.
Dopingexperte Hajo Seppelt und die Co-Autoren Robert Kempe und Jochen Leufgens blicken sehr genau hinter den Vorhang und zeigen die insgesamt noch sauber wirkende Welt des Wintersports von einer anderen Seite. Im Nachfolger des ersten Teils über die Drahtzieher des Doping-Skandals in der Leichtathletik 2009 werden diesmal schockierende Fakten, neue Erkenntnisse zu den deutschen Athleten und Aussagen von Athleten und Hintermännern des Wintersports präsentiert.
«Erst vor zwei Wochen hatten wir genügend Material für den Film», sagte MDR-Projektleiter Roman Biela, bevor er das neue Werk für die angereiste Journalistenschar startete. Denn erst nach langem Hin und Her und zahlreichen Vorgesprächen hat sich ein mitteleuropäischer Top-Athlet aus dem nordischen Skisport, laut den Autoren einer der besten der Welt und zugleich WM- und Olympiateilnehmer, bereit erklärt, auszupacken. Auch wenn der Sportler aus Angst vor Repressalien und Angst um seine Familie anonym blieb, er bricht damit ein Tabu und spricht als Erster über Doping im Wintersport.
Vermummt in schwarzem Kapuzenpulli schildert er in der Reportage die Dopingpraktiken und rückt den Wintersport in ein anderes Licht: «In Ausdauersportarten zählen Sekunden. Vor allem im Skilanglauf habe ich mitbekommen, dass in der Weltspitze massiv gedopt wird. Gerade auf den längeren Distanzen ist es unmöglich, ohne Epo oder Blutdoping vorne mitzulaufen.»
Doping kostet «ein paar Tausend Euro»
Der Athlet gesteht zudem, dass er bei Olympia gedopt war. «Keiner hat es gemerkt. Erwischt werden auch in Vancouver nur die, die nicht wissen, wie Doping wirklich funktioniert.» Ein schlechtes Gefühl habe er nicht gehabt. Man habe es machen müssen, um international zu bestehen. «Genauso wie Training, wie Essen, wie Schlafen hat es einfach dazugehört. Der ganze Vorgang hat vielleicht 40, 45 Minuten gedauert, für mehrere Abnahmen waren ein paar Tausend Euro in bar fällig, das war's», schildert er die Prozedur des Eigenblutdopings.
Seppelts Film bringt aber auch neue Erkenntnisse zu den deutschen Athleten ans Licht. Der ehemalige Vorsitzende des Disziplinarausschusses des Österreichischen Ski-Verbandes, Arnold Riebenbauer, nennt im Film erstmals deutsche Wintersportler im Zusammenhang mit der Wiener Blutbank Humanplasma, in deren Kundenkartei auch die österreichischen Langläufer des Olympia-Skandals 2006 geführt wurden. «Es gab Hinweise auf Sportler aus Deutschland. Aber keine konkreten Namen», sagt Riebenbauer. Der Pressesprecher des Deutschen Ski-Verbandes, Stefan Schwarzbach, will weiterhin nur auf den Fakt hinweisen, dass eine Beteiligung von deutschen Athleten bisher von allen Organisationen ausgeschlossen wurde.
Neben Riebenbauer kommt im Film überraschend noch ein anderer Österreicher zu Wort. Nach mehreren Treffen in der Steiermark bekamen Seppelt und Co. auch Walter Mayer, den ehemaligen Teamchef der österreichischen Langläufer und mutmaßlichen Drahtzieher des Dopingskandals der Winterspiele in Turin 2006, vors Mikrofon. «Im Hochleistungssport ohne Doping mitzuhalten, ist unmöglich. Alles was nicht verboten ist, ist erlaubt», sagt er in Anspielung auf neuere Substanzen und Dopingpraktiken. Würde man die Urinproben von Turin nachtesten, so würden laut Mayer einige Medaillengewinner in einem anderen Licht erscheinen. Dennoch bestreitet der Österreicher weiterhin, eine Blutbank jemals von innen gesehen zu haben.
Eine der neuen Substanzen ist laut Seppelt das sogenannte S107, ein Mittel gegen Herzleiden, mit welchem eine 20-prozentige Leistungssteigerung möglich sein soll. Noch steht das Medikament allerdings nicht auf der Dopingliste, weil es laut der Internationalen Dopingagentur Wada noch nicht im Umlauf sei. Seppelt und Co. beweisen jedoch mit Einfallsreichtum und ein wenig krimineller Energie, wie man schnell an das Medikament kommt. Sie bestellen es als Scheinfirma bei einem Chemikaliengroßhändler und konfrontieren die Wada anschließend damit.
TV-Team kauft verdeckt Dopingmittel
Und auch beim Thema Blutdoping bleiben die Autoren nicht untätig und kommen zu erstaunlichen Ergebnissen. Mit versteckter Kamera marschieren sie in eine Klinik mit Blutplasma-Spendedienst im weißrussischen Minsk und geben sich als Langlauftrainer aus. Bei der Frage nach möglichem Eigenblutdoping für ihre Athleten werden sie dort freundlich an ein anderes Krankenhaus verwiesen, dass für diese Dienste zuständig ist. Es geht soweit, dass die Reporter in einem Fitnessstudio im Stadtzentrum landen und dort Dopingmittel für mehr als eine ganze Mannschaft kaufen. Der Besitzer des Studios erzählt ihnen freundlich: «Wir machen das hier seit zehn Jahren. Die weißrussischen Leichtathleten kommen oft vorbei, aber auch Sportler aus Lettland und Litauen.»
Der Sport blickt auch weiterhin nicht gern hinter die Kulissen. Nach dem 30-minütigem Film von Hajo Seppelt hat der Zuschauer jedenfalls einen ziemlich genauen Einblick und kann sich selbst ein Bild machen. Die Reportage Geheimsache Doping – Eiskalter Betrug ist nach dem Sendetermin noch sieben Tage in der ARD-Mediathek zu sehen.
oro/news.de
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