So., 12.02.12

Zoff beim DFB Eine goldene Brücke für Löw

Artikel vom 06.02.2010

Harte Worte wurden in den vergangenen Tagen zwischen Bundestrainer Joachim Löw und den Funktionären des Deutschen Fußball-Bundes gewechselt. Nun scheinen sich beide Seiten wieder anzunähern - und Oliver Bierhoff wird zum neuen Buhmann.

Trotz der zugespitzten Differenzen bauen die DFB-Chefs dem Bundestrainer eine goldene Brücke. Noch vor dem Abflug nach Warschau trafen sich Joachim Löw und DFB-Präsident Theo Zwanziger in Frankfurt am Main zu einem «Gedankenaustausch über die aktuelle Situation», wie es der Deutsche Fußball-Bund am Abend formulierte.

«Ich habe gespürt, dass dem Präsidenten daran liegt, die WM-Vorbereitung in dem engen Vertrauensverhältnis fortzuführen, das uns seit Jahren verbindet. Auch, wenn es jetzt nicht zu der beabsichtigten Vertragsverlängerung über die WM 2010 hinaus gekommen ist», erklärte Löw nach DFB-Angaben.

Zwanziger hatte seinen Flug extra vorverlegt, um gemeinsam mit Löw nach Warschau reisen zu können und am Abend das Uefa-Bankett anlässlich der Auslosung der EM-Qualifikationsgruppen zu besuchen. Schon vor dem brisanten Zusammentreffen hatte der DFB-Chef seine Strategie offengelegt, mit der die Situation rund um die deutsche Nationalmannschaft möglichst schnell entspannt werden soll. «Ich will ihn behalten. Wenn wir die WM erfolgreich spielen, werde ich mit Löw sprechen. Und wenn wir sie nicht so erfolgreich spielen, dann auch. Er wird immer mein erster Ansprechpartner sein», übermittelte er via Süddeutsche Zeitung seinem wichtigsten Angestellten.

Löw rudert zurück

Selbst auf den heftigen Vorwurf, Unwahrheiten verbreitet zu haben, reagierte Zwanziger mit Zuckerbrot statt Peitsche: «Als großen Knall würde ich das nicht bewerten», sagte der DFB-Boss zu den Querelen um die geplatzten Verlängerungen für Löw, die Assistenten Hansi Flick und Andreas Köpke sowie Teammanager Bierhoff. «Ich sehe das nicht als Vertrauensbruch», bemerkte er zu Löws Standpunkt und ergänzte: «Wir sind Freunde, wir sind keine Feinde. Wir arbeiten an einem gemeinsamen Projekt.»

Löw hatte nach dem gescheiterten Poker Vorwürfe gegen die DFB-Spitze erhoben und darauf verwiesen, dass es die von Zwanziger verkündete «Handschlag-Verlängerung» gar nicht gebe. Der Präsident blieb auch in dem Punkt zurückhaltend: «Natürlich haben wir uns die Hand gegeben - wir sind ja höfliche Menschen. Wir waren uns einig, das hat der Bundestrainer doch auch selbst gesagt.»

Löw versuchte heute, seine Aussagen etwas zu relativieren. Er habe «auch gespürt, dass meine Stellungnahme vom Freitag bei Dr. Zwanziger große Irritationen ausgelöst hat, weil dadurch in der Öffentlichkeit die Diskussion aufgekommen ist, er habe Unwahrheiten verbreitet oder sei daran beteiligt gewesen. Dies war von mir zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt», erklärte der 50-Jährige.

Bierhoff fühlt sich in die Ecke gedrängt

Die offene, zum Teil aber auch versteckte Kritik der Verbands-Funktionäre richtet sich nun immer deutlicher gegen Oliver Bierhoff, der die Situation offenbar falsch eingeschätzt hat und mit seinen Forderungen das Fass zum Überlaufen brachte. «Die großen Unterschiede gab es erst, als Oliver Bierhoff in einem Gespräch Mitte Januar neue Fakten geschaffen hat», berichtete Zwanziger von der Wende im Vertragspoker und ergänzte: «Da ist eine ganz andere Dimension entstanden.» Neben den aufgestockten finanziellen Forderungen hat vor allem Bierhoffs Ansinnen, noch mehr Macht bei der Bestimmung eines möglichen neuen Bundestrainers zu bekommen, für große Verstimmung beim DFB gesorgt.

Der Gescholtene wehrte sich nach der Ankunft in Warschau. «Viele Zahlen, die genannt wurden, sind überhaupt nicht richtig und viele Dinge sind dadurch durcheinandergeworfen worden», sagte Bierhoff. Zu der Kritik an seiner Person meinte der ehemalige Nationalspieler: «Ich bin es ja aus der Vergangenheit gewohnt, dass man versucht, mich in die Ecke zu drängen.»

«Ja wollen die denn den DFB übernehmen?», äußerte Franz Beckenbauer im DSF und verkündete in einem Bild-Interview: «Der Übernahme-Versuch ist gescheitert.» Auch in Zukunft dürfe nur das DFB-Präsidium über den Bundestrainer entscheiden und nicht ein Nationalelf-Manager. «Ein Vetorecht war nicht akzeptabel», sagte Beckenbauer. Zwanziger gestand Bierhoff zwar zu, dass ein Teammanager auch «kantig und ein bisschen umstritten sein» müsse. Doch ein Nationalteam als eigenständige Elite-Formation werde er nicht dulden.

Beckenbauer: «Niemand ist unentbehrlich»

Die sportliche Leitung der Nationalelf warf Zwanziger & Co. dagegen vor, mit einem 48-Stunden-Ultimatum gegen das Fairplay in den Vertragsverhandlungen verstoßen zu haben. Löw sprach von einem «nicht-verhandelbaren Angebot». Zudem gehen der Bundestrainer und seine Fraktion stark davon aus, dass Verhandlungsdetails wie eine geforderte Bonus-Zahlung durch Indiskretionen im DFB an die Öffentlichkeit gekommen sind. «Vom DFB hat niemand etwas rausgegeben», versicherte Zwanziger, «so etwas ist nicht unser Stil.»

Beckenbauer sieht trotz der verhärteten Fronten sogar noch eine kleine Chance, den Vertrag mit Löw vor der WM in Südafrika zu verlängern. Falls die Situation weiter eskaliere, hält der Kaiser auch eine radikale Lösung für möglich: «Keiner ist unentbehrlich. Es gibt auch noch andere, die es können.»

mas/phs/news.de/dpa
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