Löw lässt Dampf ab
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Joachim Löw wehrt sich nach der gescheiterten Vertragsverlängerung gegen die DFB-Spitze. Das Angebot sei nicht verhandelbar gewesen. Außerdem seien «viele Unwahrheiten» in Umlauf geraten.
Der Präsident genoss den «Enkel-Tag», der Bundestrainer fühlte sich am Nerv getroffen. «Von unserer Seite wurde ein verhandelbarer Vorschlag vorgelegt, uns dagegen wurde ein nicht-verhandelbares Angebot zugestellt» erklärte Joachim Löw. Über das Angebot hätte innerhalb von 48 Stunden entschieden werden müssen, ergänzte der DFB-Cheftrainer einen Tag nach den gescheiterten Vertragsverhandlungen mit dem DFB.
Die sportliche Leitung der deutschen Nationalmannschaft habe sich in den vergangenen Wochen «ganz bewusst» nicht konkret zur Vertragssituation geäußert, betonte Löw. «Umso verwunderter sind wir über die plötzlich in der Öffentlichkeit diskutierten angeblichen Vertragsdetails. Dadurch sind viele Unwahrheiten in Umlauf gekommen.»
Löw trifft Zwanziger in Polen wieder
Zwar werden sich DFB-Boss Theo Zwanziger und Löw in Warschau wieder in gemeinsamer Sache - am 7. Februar wird in der polnischen Hauptstadt die Qualifikation zur WM 2012 ausgelost - treffen. Nach den großen Diskrepanzen rund um das Nationalteam scheint eine schnelle Annäherung allerdings fast ausgeschlossen. Zu den verbreiteten Unwahrheiten würde auch die veröffentlichte Meinung von DFB-Chef Zwanziger zählen, der im Dezember des Vorjahres schon von einer Einigung berichtet hatte. «Einen Handschlag-Vertrag hat es zum Beispiel nicht gegeben», stellte Löw unmissverständlich fest.
«Aktuell ist sicher die Atmosphäre ein Stück belastet», räumte selbst DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach ein und forderte alle Beteiligten zu Professionalität und Loyalität auf: «Es sind alle aufgerufen, mit der Situation jetzt souverän umzugehen.» Die DFB-Spitze weiß natürlich um die Gefahr, die aus dem gestörten Vertrauensverhältnis zwischen Trainer- und Funktionärs-Lager in Richtung WM in Südafrika erwachsen könnte.
Verbrannte Erde nach Vertragspoker
Der Poker um die neuen Verträge für den 50 Jahre alten Chefcoach, dessen Assistenten Hansi Flick und Andreas Köpke sowie Teammanager Oliver Bierhoff hat eine Menge verbrannte Erde hinterlassen. Als Gewinner darf sich niemand sehen - im Gegenteil. Die gescheiterten internen Verhandlungen offenbaren ein gestörtes Innenleben. Das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) fühlte sich von Verhandlungsführer Bierhoff überrumpelt. Die sportliche Leitung ist vier Monate vor dem ersten WM-Spiel beschädigt worden, auch weil Verhandlungsinhalte in die Öffentlichkeit gelangten. Löw muss das ohnehin äußerst schwierige Unternehmen «Titelgewinn 2010» in Südafrika ohne Garantie auf Weiterbeschäftigung angehen.
«Wir werden das für uns jetzt in der Arbeit ausblenden», versprach Bierhoff dennoch. «Unsere ganze Konzentration gilt seit sechs Jahren dem Erfolg der Nationalmannschaft - auch im Sinne der Entwicklung und Reputation des deutschen Fußballs. Dabei stehen Teamwork, Loyalität und Respekt an erster Stelle für mich», sagte Löw und versicherte ebenfalls: «In diesem Sinne werden wir uns in den nächsten Wochen intensiv auf die WM in Südafrika vorbereiten.»
Niersbach verteidigt harte DFB-Linie
Schon in Warschau, wo 51 Länder in neun Gruppen für die Qualifikation zur EM 2012 gelost werden, steht das professionelle Nebeneinander erstmals auf dem Prüfstand. Der kompromisslose DFB-Chef Zwanziger reist wie Löw, Bierhoff und Niersbach in die polnische Hauptstadt. Dass die Differenzen dort ohne Wirkungen bleiben, ist kaum anzunehmen. «Aber wir sind total überzeugt, dass Richtung WM alles professionell und loyal abläuft. Dazu kenne ich die handelnden Personen zu gut. Ich schätze sie fachlich und menschlich sehr», bemerkte Niersbach, der noch immer bedauert, «dass wir nicht zu klaren Verhältnissen vor der WM gekommen sind.»
Niersbach verteidigte nochmals die harte DFB-Linie: «Entscheidend war aus meiner Sicht, dass wir von einer unkomplizierten Verlängerung schon gut ausformulierter Verträge ausgegangen sind, stattdessen aber Entwürfe mit bisher nicht gekannten Elementen vorgelegt wurden.» Die sportliche Führung dagegen fühlte sich von einem kurzfristigen Gegenangebot zu sehr unter Druck gesetzt.
So kommt es jetzt im altehrwürdigen Kulturpalast in Warschau zu der pikanten Situation, dass sich Löw und Bierhoff nach der Auslosung zu EM-Qualifikationsgegnern äußern sollen, die sie selbst von September an gar nicht mehr als Verantwortliche erleben könnten. Doch auch hier setzt Niersbach auf Normalität: «Wir werden dann unsere Gruppen-Gegner schnell nach Frankfurt einladen. Das läuft natürlich alles mit dem Manager und dem Bundestrainer. Niemand käme auf die Idee zu sagen, sie haben für diese Zeit dann gar keinen Vertrag mehr. Ganz klar: Auch die Planung über die WM 2010 hinaus bleibt ihr Job.»
phs/oro/news.de/dpa
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