Ein großer Kämpfer ist gegangen
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Von news.de-Redakteur Timo Nowack
Artikel vom 23.01.2010
Er wollte sich und seinen geliebten Sport nie aufgeben: Handball-Nationalspieler Oleg Velyky hat seiner Krebserkrankung lange Zeit getrotzt. Nun ist er gestorben. Ein Nachruf.
Als Kämpfer gelten im Profisport Athleten, die einen hohen Rückstand aufholen, trotz Verletzung weiterspielen oder in Unterzahl gewinnen. Doch manchmal endet der Kampf nicht am Spielfeldrand. Vergangene Nacht ist in Kiew Handballnationalspieler Oleg Velyky im Alter von 32 Jahren an Hautkrebs gestorben - und er hatte gekämpft wie kein Zweiter.
Ein Rückblick: 2004 nimmt der gebürtige Ukrainer Velyky die deutsche Staatsbürgerschaft an, debütiert schon im folgenden Jahr in der Nationalmannschaft. Doch zur Europameisterschaft 2006 ist er verletzt - ein Kreuzbandriss hindert ihn an der Teilnahme. Beim WM-Triumph der Deutschen 2007 gehört er sogar zum Kader, kann wegen einer Fußverletzung aber wieder nur Zuschauen. Zwei Jahre später will Velyky bei der EM dann endlich im Nationaltrikot auf Titeljagd gehen. Im Auftaktspiel gegen Weißrussland zeigt er vier starke erste Minuten, drückt der Partie seinen Stempel auf. Doch dann sinkt er bei einem Zweikampf zu Boden, greift sich ans Knie - ein Kreuzbandriss beendet erneut Velykys Traum von einem Titel.
Aber die Rückschläge treffen den torgefährlichen Spielmacher, der in der Bundesliga von den Rhein-Neckar Löwen zum HSV Hamburg wechselt, nicht nur auf dem Handballfeld. Knapp anderthalb Monate nach der Verletzung bei der EM diagnostizieren Ärzte erneut Hautkrebs bei Velyky, nachdem er deshalb bereits 2003 behandelt worden war. Es folgen Operationen und Chemotherapie.
«Keine Kraft mehr zum Telefonieren oder Laufen»
Dieses Schicksal, über das die meisten anderen den Profisport wohl längst aufgegeben hätten, bringt Velyky nicht dazu, seine Karriere zu beenden oder zu verzweifeln. Der Kämpfer ist nicht unterzukriegen. «Es hilft nicht, zu jammern. Ich sehe das Leben positiv und schaue immer optimistisch in die Zukunft», sagt er nach seiner Krebsdiagnose und betont: «Ich komme wieder.» Und tatsächlich, Velyky schafft das Unglaubliche: Im Mai 2009, 14 Monate nach seiner zweiten Krebsdiagnose, steht er wieder im HSV-Trikot in der Halle, durch die Chemotherapie noch ohne Haare. Im Spiel gegen Balingen macht er zwei Tore und die Fans feiern ihn mit Sprechchören. Nach dem Spiel sagt er: «Das war wie Geburtstag heute.»
Auch als das Handball-Magazin ihn im Juli nach seinen Beschwerden fragt, sagt Velyky noch: «Ach, irgendwelche Probleme hat doch jeder Mensch. Meine mögen zurzeit ein wenig größer sein, aber ich komme mit meiner Krankheit ganz gut klar.» Den Handball kann er nicht aufgeben. Neben seiner Frau und seinem sechsjährigen Sohn ist der Sport das Wichtigste in Velykys Leben. «Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, nach mehreren Therapien zurückzukommen, den Ball in die Hand zu nehmen, diese Spannung wieder zu spüren und zu wissen, dass ich es irgendwann packen werde», sagt er, und bekräftigt sein Ziel, mit dem HSV einen Titel zu gewinnen.
Im August erhält er dann jedoch die Diagnose, dass es erneut Auffälligkeiten bei seiner Krebserkrankung gibt. Seitdem geht es ihm immer schlechter. «Er war zuletzt nur noch schwer zu erreichen. Er hatte keine Kraft mehr zum Telefonieren oder Laufen», erzählte HSV-Spieler Pascal Hens heute über seinen verstorbenen Mannschaftskollegen. «Das ist für uns alle ein großer Schock, obwohl wir wussten, wie es um ihn stand und dass er sterben wird». Es sei sehr beeindruckend gewesen, wie Velyky mit der Krankheit umgegangen sei: «Er war ein Kämpfer.»
iwe/oro/news.de/dpa
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