So., 12.02.12

Handball-EM Keine Psycho-Tricks

Artikel vom 21.01.2010

Mit der Besinnung auf die eigenen Stärken will die deutsche Nationalmannschaft den drohenden Absturz aus Europas Handball-Elite verhindern. «Die Spieler müssen sich da selbst rausziehen. Dann wird alles klarer», fordert Trainer Heiner Brand.

Vor dem «Finale» gegen Schweden um den Einzug in die Hauptrunde wird Bundestrainer Heiner Brand daher auch keinen Mentalcoach für seine verunsicherten Profis zur EM nach Innsbruck einfliegen lassen. «Auch bei Psychologen gibt es keine Wunder», sagte der Gummersbacher im Team-Quartier Hotel Grauer Bär.

Nach der Auftakt-Niederlage gegen Polen und dem ebenso glücklichen wie leidenschaftlich erkämpften 34:34 gegen Slowenien geht es für die deutsche Mannschaft um Alles oder Nichts. «Wir müssen gewinnen und dann sind wir weiter. Keiner will zu einer Mannschaft gehören, die in der Vorrunde ausscheidet», sagte Spielmacher Michael Haaß. Bei einer Niederlage gegen die Skandinavier wäre das Turnier für die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) beendet.

Doch über das erste Vorrunden-Aus bei einer EM will im deutschen Lager niemand nachdenken, die mögliche Blamage ist kein Thema. «Dann bräuchten wir gar nicht erst in die Halle zu gehen. Wir beschäftigen uns damit, was passiert, wenn wir gewinnen», sagte der bislang glänzend aufgelegte Torhüter Johannes Bitter. Auch Brand glaubt fest an einen Sieg, weil «die Kampfkraft und der unbedingte Siegeswillen für die deutsche Mannschaft sprechen».

Ein Unentscheiden genügt dem deutschen Team, um die bislang punktlosen Schweden hinter sich zu lassen und mit 1:3 Zählern als Gruppendritter Polen und Slowenien in die zweite Runde zu folgen. Dann wäre die Ausgangslage wie bei der EM 2004, als das DHB-Team nach anschließend fünf Siegen noch Europameister wurde. «Von so was sollten wir nicht träumen nach den bisherigen Leistungen», bekannte Haaß.

Der Glaube ans eigene Können ist im deutschen Team noch nicht versiegt, doch das Selbstvertrauen hat gelitten. «Das Wichtigste für Schweden ist, dass wir das Selbstvertrauen wiedergewinnen», meinte der Göppinger Haaß. Bitter schlug ähnliche Töne an. «Wir können nicht die ganze Mannschaft austauschen. Wir dürfen uns nicht verrückt machen, denn wir wissen, dass wir es können», erklärte der Schlussmann.

Doch die Blockade in den Köpfen, die sich in zahllosen leichten Fehlern dokumentierte, können auch sie nicht wegdiskutieren. «Solche Fehler sind haarsträubend. Keiner weiß, woher sie kommen», klagte Haaß. Und Rückraumspieler Holger Glandorf meinte: «Manchmal ist eben der Wurm drin.» Dies hatte sogar den Bundestrainer beim Spiel gegen Slowenien zur Verzweiflung getrieben. «Die Anzahl der Fehler war so groß, dass ich den Überblick verloren habe. Ich habe ein bisschen hilflos dagestanden und überlegt, was man machen kann», bekannte er.

Dennoch wollen Brand und seine Spieler ohne Psychologen-Hilfe auskommen, nachdem sie bereits in der EM-Vorbereitung - im Gegensatz zu vorangegangenen Turnieren - aus Zeitgründen auf die Zusammenarbeit mit Mentaltrainer Jörg Löhr verzichtet haben. «Wir haben lauter gestandene Spieler, die in der Bundesliga Woche für Woche zeigen, wie stark sie mental sind», erklärte Regisseur Haaß, der damit Zustimmung von Holger Glandorf erntete: «Die Mannschaft ist intakt und darum geht es ja auch bei Jörg Löhr.»

hem/ivb/news.de/dpa
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