Mit zwei Gesichtern zum Remis
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Von news.de-Redakteur Ullrich Kroemer
Artikel vom 20.01.2010
Ein kleines EM-Wunder: Die deutsche Mannschaft kämpfte sich gegen Slowenien zurück ins Spiel. Nach schier aussichtslosem Rückstand erzielte das DHB-Team in einer dramatischen Schlussphase noch den Ausgleichstreffer und hat nun weiter alle Chancen.
Zu gern hätte Heiner Brand dieses Spiel noch einmal von vorn beginnen lassen. Und da waren erst achteinhalb Minuten gespielt. «Wir fangen jetzt noch einmal ganz neu an», hatte der Bundestrainer seinen Spielern in einer frühen Auszeit mit auf den Weg gegeben. Zu diesem Zeitpunkt führten die Slowenen im zweiten Gruppenspiel bereits mit 4:0 und die deutsche Mannschaft machte nicht den Eindruck, als ob es ihr an diesem Abend noch gelingen würde, ein Tor zu erzielen. Dass es am Ende noch 34 wurden und die DHB-Auswahl den starken Slowenen noch ein Remis abtrotzen würde, war zu diesem Zeitpunkt genauso wenig zu erahnen wie in der gesamten ersten Hälfte.
Denn erst nach neun Minuten konnte sich Holger Glandorf das erste Mal gegen die robuste slowenische Deckung zum 1:4 durchsetzen. Zuvor hatte das deutsche Team neun Minuten lang agiert, als habe das Spiel noch gar nicht begonnen. Wie in Schockstarre schauten Kraus, Glandorf & Co. dem Ansturm der Slowenen staunend zu und produzierten statt Toren Fehler am Fließband. «Es war teilweise schlimm, was wir gemacht haben. Dass wir die Bälle so schnell aus der Hand gegeben haben, war unglaublich», sagte Brand in der Analyse der ersten Hälfte.
Der Fünf-Tore-Rückstand zur Hälfte war noch geschmeichelt
Und auch nach dem erlösenden ersten Treffer war einfach kein Fluss im deutschen Spiel zu erkennen. Während Slowenien an Selbstvertrauen gewann, schoss der deutsche Rückraum den slowenischen Keeper Gorazd Skof zu Bestform. Genau wie im ersten Spiel gegen die Polen agierte die deutsche Mannschaft ohne Selbstvertrauen und taktisches Geschick. Wieder war das Spiel zu eindimensional, besonders die Außen wurden vom fahrig wirkenden Regisseur Michael Kraus und dem lange blassen Michael Haaß erneut kaum eingesetzt, die Wurfeffektivität ließ ebenfalls stark zu wünschen übrig.
Immer wieder kamen die Slowenen so zu einfachen Gegenstoßtoren. Lange betrug der Rückstand der deutschen Sieben sieben Tore. Zur Halbzeit konnte die DHB-Auswahl mit dem Fünf-Tore-Rückstand beim 11:16 noch zufrieden sein.
Zu Beginn der zweiten Hälfte begannen die deutschen Spieler zwar auf gleicher Augenhöhe und ließen den Rückstand zumindest nicht noch weiter anwachsen. Doch dass sie sich letztlich noch einmal herankämpfen würden, war lange nicht zu ahnen. Noch gut zehn Minuten vor Schluss lagen die Slowenen mit 29:24 in Front.
Doch besonders die starke Offensivleistung der eingewechselten Christoph Theuerkauf am Kreis und Michael Müller im rechten Rückraum sowie die Paraden von Torhüter «Jogi» Bitter brachten das deutsche Team noch einmal zurück ins Spiel. Mit unglaublicher Leidenschaft und Kampfkraft warf sich die Brandsche Auswahl in den Schlussminuten Tor für Tor an die Slowenen heran. Nachdem das von Zvonimir Serdarusic betreute Team das gesamte Spiel über geführt hatte, markierte der überragende Theuerkauf eine halbe Minute vor Schluss mit seinem siebten Tor den Ausgleichstreffer zum 34:34.
Gegen Schweden beginnt das Turnier noch einmal von vorn
«Es ist ein kleines Wunder, dass wir uns heute ein Unentschieden erkämpft haben», sagte der Bundestrainer nach der dramatischen zweiten Hälfte. «Wir haben heute wieder zwei Gesichter gezeigt», analysierte Abwehrungeheuer Oliver Roggisch. «Wenn wir die Leistung der zweiten Hälfte mal über 60 Minuten zeigen würden, wäre es ganz schwer, uns zu schlagen.» Und Bitter ergänzte: «Bei der Tour de France gibt es ein Trikot für den kämpferischsten Fahrer. Wenn es diese Wertung auch im Handball gäbe, dann hätten wir dieses Trikot heute verdient gehabt.»
Nun hat die deutsche Mannschaft mit einem Sieg im abschließenden Gruppenspiel gegen Schweden alle Möglichkeiten, die Hauptrunde zu erreichen. Am Freitag geht das Spiel also wirklich noch einmal ganz von vorn los.
Die Torschützen der deutschen Mannschaft:
Theuerkauf (SC Magdeburg) 7, Kaufmann (Frisch Auf Göppingen) 6, Müller (Rhein-Neckar Löwen) 5, Glandorf (TBV Lemgo) 4, Jansen (HSV Hamburg) 4/2, Sprenger (THW Kiel) 3, Haaß (Frisch Auf Göppingen) 3, Späth (Frisch Auf Göppingen) 1, Kraus (TBV Lemgo) 1
car/ivb/news.de
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