Jugendstil 2010
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In der Bundesliga werden selbst tragende Rollen mehr und mehr mit Talenten besetzt. Vielerorts macht sich der Sinneswandel nach dem Motto «Jugend als Tugend» bezahlt: Trotz sinkenden Alters der Profis steigt die Qualität.
Woche für Woche stellt die vermeintlich unreife «Generation Internat» (Süddeutsche Zeitung) um Profis wie Mesut Özil (Werder Bremen), Jerome Boateng (Hamburger SV), Toni Kroos (Bayer Leverkusen) und Thomas Müller (Bayern München) verblüffende Reife unter Beweis. «Von dieser Entwicklung werden wir sowohl in der Bundesliga als auch im Nationalteam profitieren», orakelte DFB-Sportdirektor Matthias Sammer.
Der erste Rückrundenspieltag dokumentierte den Trend eindrucksvoll: 35 von 198 und damit knapp 20 Prozent der eingesetzten Spieler in den Startformationen sind noch für deutsche oder ausländische Junioren-Nationalteams (derzeit Jahrgang 1988 und jünger) spielberechtigt.
Der größte Förderer des Jugendstils ist Borussia Dortmund. Trainer Jürgen Klopp startete beim 1. FC Köln mit sechs Juniorenspielern. Auch der 1. FC Nürnberg und Bayer Leverkusen (je 4) setzen verstärkt auf den Nachwuchs. Nur vier Klubs (Eintracht Frankfurt, VfL Wolfsburg, VfL Bochum und Hannover 96) verzichteten am 18. Spieltag auf junge Spieler in der Startelf.
Aus der Not eine Tugend gemacht
Schwindende Geldquellen und die Erfolge der DFB-Juniorenteams inspirierten viele Klubs zu einer anderen Personalpolitik. In Dortmund machte die durch eine monumentale Finanzkrise entstandene Not erfinderisch. Selbst die wenigen noch vorhandenen Mittel investierte der BVB in Talente.
Über die couragierte Entscheidung, die damals 19 Jahre alten Mats Hummels und Neven Subotic für immerhin knapp zehn Millionen Euro als Manndecker zu verpflichten, lächelt heute niemand mehr. Die erfreuliche Entwicklung der beiden zuletzt Hochgelobten erfüllt Sportdirektor Michael Zorc mit Stolz: «Ich kenne keinen ambitionierten Klub in Europa, der diesen Schritt gewagt hätte.»
Die ersten Titelgewinne der Junioren-Nationalmannschaften nach einer langen Durststrecke wirken sich auch auf die Bundesliga aus. Die international erprobten Jungstars haben sich in den vergangenen Monaten in ihren Vereinen zu Stammkräften entwickelt. Aus dem Kader der U21-Europameister sind mehr als 15 Spieler in ihren Klubs etablierte Kräfte.
Auch eine Reihe von Spielern, die 2008 U19- Europameister wurden, haben den Sprung in die Bundesliga längst geschafft: Dennis Diekmeier, Stefan Reinartz, Lars und Sven Bender sowie Timo Gebhart. Sogar die U17-EM-Sieger von 2009 klopfen schon ans Erstliga-Tor: Dortmunds 17 Jahre alter Mario Götze hat sein Bundesliga-Debüt bereits hinter sich.
Gezielte DFB-Förderung zahlt sich aus
Dabei fallen die Jungstars natürlich nicht vom Himmel. Dahinter steckt eine gezielte und auch teure Förderung. DFB-Sportdirektor Matthias Sammer betonte immer wieder, dass der Erfolg planbar sei. Derzeit investiert der DFB jährlich 16 Millionen Euro in die Talentförderung an 366 Stützpunkten und 44 Leistungszentren sowie 28 Eliteschulen. Zudem geben die 36 Profiklubs pro Saison etwa 70 Millionen Euro für ihre Nachwuchsleistungszentren aus, die seit einigen Jahren Pflicht sind.
Nicht zuletzt deshalb rücken immer mehr junge Spieler aus den Jugendinternaten in die Bundesliga auf. Jüngstes Beispiel ist Borussia Mönchengladbach: Dort debütierten in Fabian Bäcker und Patrick Herrmann gleich zwei Nachwuchsspieler aus dem vereinseigenen Internat. Beide waren auch direkt am Gladbacher 1:2-Anschlusstreffer gegen den VfL Bochum beteiligt. «Ich habe unserem Nachwuchsdirektor gleich gratuliert, dass es schon wieder zwei Jungs aus unserem Stall in die Bundesliga geschafft haben», sagte Borussias Sportdirektor Max Eberl.
oro/mas/nbr/mas.de/dpa
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