«Nie die Chance zu gewinnen»
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Von news.de-Redakteur Ullrich Kroemer
Artikel vom 19.01.2010
Ernüchternder Auftakt bei der Handball-Europameisterschaft: Das deutsche Team musste sich im Prestigeduell gegen Polen mit 25:27 geschlagen geben. Dabei agierte das Team von Bundestrainer Heiner Brand vor allem zu ungeduldig und undiszipliniert.
Heiner Brand hat sich wie immer alle Mühe gegeben. Der schnauzbärtige Mann an der Seitenlinie, der seine Worte normalerweise bedächtig abwägt und mit Brummbass-Stimme vorträgt, hatte sich stimmlich wieder voll verausgabt, um seinen Handballern wichtige Anweisungen mit auf den Weg zu geben. Heiser krächzte Brand bei der letzten zur Verfügung stehenden Auszeit gegen die Musik und die 8200 Zuschauer in der ausverkauften Innsbrucker Arena an: «Denkt bitte mal dran, wir müssen auch mal aus der Bewegung kommen, auch mal kreuzen.»
Beherzigt indes hat seine Mannschaft diesen Ratschlag, den Brand sicher nicht zum ersten Mal vorgetragen hatte, bei ihrem ersten Spiel bei der Europameisterschaft in Österreich lange nicht. Auch, weil die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) zu - Achtung - statisch spielte, ging der EM-Auftakt gegen Polen mit 25:27 verloren.
Die Angriffsquote des Rückraums lag unter 40 Prozent
Nach einem ordentlichen Beginn, als die deutsche Mannschaft gegen die keineswegs übermächtigen Polen lange auf gleicher Augenhöhe agierte, warf sich der WM-Dritte zum Ende der ersten Hälfte zur 12:8-Halbzeitführung. Nur wenige Minuten zuvor hatte es noch 8:8-Unentschieden gestanden. Doch zu ideenlos und nervös hatte sich der deutsche Rückraum im Angriff bewegt, als dass die Führungschancen hätten genutzt werden können. Dass die Polen nicht schon eher deutlich in Führung gehen konnten, lag an der bis dahin starken Abwehrarbeit von Oliver Roggisch & Co. Besonders Torhüter Johannes Bitter konnte sich auszeichnen und verhinderte einen früheren Rückstand.
In der zweiten Halbzeit begann Brands junge Mannschaft ähnlich zerfahren wie in der Schlussphase der ersten Hälfte und lief dem Rückstand lange chancenlos hinterher. Schlüsselfigur war dabei Lars Kaufmann, der zwar mit sieben Toren bester Werfer der deutschen Auswahl war, gleichzeitig aber mit vielen unüberlegten Abschlüssen für Kontermöglichkeiten der Polen sorgte. Auch die Spielmacher Michael Kraus und Michael Haaß überzeugten im Kombinationsspiel nicht. Die Angriffsquote des deutschen Rückraums lag insgesamt bei unter 40 Prozent - viel zu wenig für ein Spitzenteam. Dass die deutsche Sieben den zwischenzeitlichen Sechs-Tore-Rückstand in einer engagierteren Schlussphase noch um vier Treffer verkürzte, spricht zumindest für die Moral der Mannschaft.
Weniger als 24 Stunden bleiben bis zum nächsten Spiel
«Wir müssen den Ball viel besser spielen», sagte Rückraumakteur Holger Glandorf (1 Treffer) nach der Partie. Der Bundestrainer zeigte sich ebenfalls enttäuscht von der Leistung seiner Mannschaft. «Ein bisschen Disziplin im Angriff hätte gereicht, um zumindest ausgeglichen in die Halbzeitpause gehen zu können», sagte Brand. «So hatten wir nie die Chance zu gewinnen.»
Bis zum nächsten Spiel bei der Euro haben die deutschen Handballer nun weniger als 24 Stunden Zeit. Am Mittwochabend (18.30 Uhr) wird das zweite Vorrundenspiel der DHB-Auswahl gegen Außenseiter Slowenien angepfiffen.
Die deutschen Torschützen: Müller (Rhein-Neckar Löwen) 1, Theuerkauf (SC Magdeburg) 1, Glandorf (TBV Lemgo) 2, Sprenger (THW Kiel) 2, Kraus (TBV Lemgo) 3, Haaß (Frisch Auf Göppingen) 3, Jansen (HSV Hamburg) 6/5, Kaufmann (Frisch Auf Göppingen) 7
car/news.de
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