Mythos «Monte» - Nachts fällt die Entscheidung
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Von news.de-Redakteur Oliver Roscher
Artikel vom 20.01.2010
Die Rallye Monte Carlo fasziniert die Rennsportfans weltweit. Sie ist die Mutter aller Rallyes. Wer die «Monte» gewinnt, findet Aufnahme in den Olymp des Motorsports. News.de widmet sich dem legendären Serpentinen-Rennen in den französischen Seealpen.
Der viermalige «Monte»-Sieger Walter Röhrl sagte einmal, dass ihm seine Siege bei der Monte Carlo mehr bedeuten als seine zwei Weltmeisterschaftstitel. Es ist eben bei allen Mythen umrankten Sportereignissen gleich - ein Sieg macht den Sportler zur Legende. Das gilt für Wimbledon, den Nürburgring, das Wembley-Stadion und eben auch für die Rallye Monte Carlo.
Die Entstehung der Rallye Monte Carlo entspringt aus der Rivalität zwischen den Mittelmeerstädten Nizza und Monte Carlo. Mit attraktiven Veranstaltungen wollten die Metropolen mehr Touristen anlocken. Während Nizza den Karneval für sich entdeckte und damit hauptsächlich auf die reiche Klientel zielte, konterte Monte Carlo mit einer automobilen Sternfahrt.
Aus verschiedenen europäischen Städten machten sich 1911 die ersten Teilnehmer auf den Weg nach Monte Carlo – die Rallye war geboren. Eine gemütliche Urlaubsreise war das jedoch nicht, denn die «Anreise» gehörte schon zur Wertung. Bei der Ankunft in Monte Carlo durfte ein festgelegter Zeitrahmen nicht überschritten werden. Im Fürstentum fiel schließlich auf den Schlussetappen die Entscheidung.
Die «Nacht der langen Messer»
Zu mythischen Ehren gelangt die «Monte» aber hauptsächlich wegen einer Etappe – der sogenannten «Nacht der langen Messer». Eine nächtliche Überfahrt, vor der selbst erfahrene Rallyefahrer größten Respekt haben. Die sagenumwobene Prüfung führt über den legendären Berg Col de Turini und wird nicht selten von extremen Wetterbedingungen begleitet. Im Januar wüten in den französischen Seealpen regelmäßig schwere Winterstürme. Trotzdem säumen tausende Zuschauer die Strecke. Die «Nacht der langen Messer» zeichnet sich durch Dunkelheit, Winterstürme, frenetische Zuschauer und eine schwierige Strecke aus – mehr geht im Rallye-Sport nicht.
Wer sie trotzdem bezwingt und schließlich auch noch die Rallye gewinnt, dessen Name bleibt unvergessen. Wie der von Walter Röhrl beispielsweise. Der «Lange» aus Regensburg gewann mit seinem Beifahrer Christian Geistdörfer die «Monte» viermal (1980, '82, '83, '84) in vier verschiedenen Autos - ein unglaublicher Rekord. Damit belegt er in der ewigen Bestenliste Platz zwei. Rekordsieger ist übrigens die fahrende französische Rallye-Legende Sébastien Loeb. Er gewann das Rennen fünfmal, zuletzt im Jahr 2008. In diesem Jahr geht er jedoch nicht an den Start. Legendär auch die Siegesserie der Mini Cooper in den sechziger Jahren. Der kleine Brite war 1964, '66 und '67 das Siegerauto. Die Serpentinen waren ideal für die kompakte Rallye-Version des Stadtflitzers.
Zurück in die Zukunft
In den letzten Jahren jedoch verlor die Asphalt-Rallye zunehmend an Ausstrahlung und Renommee. Die strengen Vorschriften des Internationalen Automobilverbandes Fia und eine zunehmende Verkürzung der Etappen in fernsehgerechte Happen hatten der Mutter aller Rallyes den Zahn gezogen. Im letzten Jahr erfolgte dann aber ein erster Schritt zur Renaissance der Rallye Monte Carlo.
2009 hat sich die Monte aus der World Rally Championchips (WRC) zurückgezogen und ist Bestandteil der Intercontinental Rally Challenge (IRC). Ein kluger Schritt zurück in die Zukunft. Denn als IRC-Rennen deklariert, haben die Organisatoren etwas mehr Freiraum bei der Gestaltung der Rallye. Die «Nacht der langen Messer» findet zwar auch in der diesjährigen Auflage nicht wirklich nachts statt, aber doch zumindest im Dunkeln, denn die Etappe über den Col de Turini ist für Freitag abend anberaumt.
Für den Gesamtsieg in diesem Jahr kommen neben Vorjahressieger Sébastien Ogier (Beifahrer Julien Ingrassia) im Peugeot 207 S2000, noch der Brite Kris Meeke (ebenfalls Peugeot 207 S2000 mit Beifahrer Paul Nagle) und Mirko Hirvonen (Ford Fiesta S2000 mit Beifahrer Jarmo Lehtinen) in Frage. Zum illustren Fahrerfeld aus Rallyeprofis und Amateuren hat sich auch Renault Formel-1-Fahrer Robert Kubica gesellt. Der Pole hat zwar keinerlei Siegchancen in seinem Renault Clio C3, lässt sich den Spaß einer Teilnahme aber nicht nehmen. Ex-Formel-1-Kollege Kimi Räikkönen hat es gleich ganz in die Rallye-Welt verschlagen. Er startet in dieser Saison allerdings nicht in der IRC - und damit auch nicht in Monte Carlo - ist aber offizieller Fahrer in der World Rallye Championchips für Citroën.
Insgesamt gilt es drei Etappen inklusive acht Sektionen zu bezwingen. Mit 400 Wertungskilometern ist die Rallye an der französischen Riviera die längste im Kalender der IRC. Der Zieleinlauf findet Freitagnacht wieder in Monaco statt. Der Mythos «Monte» lebt.
kru/news.de
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