«Lucky Luke» muss treffen
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Auf dem 1,99-Meter-Hünen lastet große Verantwortung: Lars Kaufmann muss nach dem Ausfall von Pascal Hens die Tore auf der Königsposition im linken Rückraum werfen. Dem Sachsen eilt der Ruf voraus, schneller zu schießen als sein Schatten.
«So geht der Hammer», tönte es aus den Lautsprechern. Wieder einmal hat Lars Kaufmann einen Ball mit Urgewalt im gegnerischen Tor versenkt. 113 Kilometer pro Stunde zeigte der Geschwindigkeitsmesser an, und der launige Song von Mickie Krause ist dafür zur Begleitmelodie geworden.
Doch Kaufmann kann mehr als hart werfen. Das hat ihn bei der bevorstehenden Handball-EM in Österreich in Abwesenheit von Pascal Hens zur Nummer eins auf der Königsposition im linken Rückraum gemacht. «Es belastet mich auch ein bisschen. Aber ich gehe da positiv ran und will eine gute EM spielen», sagte der gebürtige Göppinger.
Kaufmann ist das, was man im Handball einen Shooter nennt. Mit Tempo 130 schlagen seine Bälle bisweilen im Tornetz ein. «Lucky Luke» wird er deswegen genannt, in Anlehnung an den Comic-Cowboy, der schneller schießt als sein Schatten. Inzwischen aber hat der Weltmeister von 2007 dazugelernt. «Er hat zuletzt sehr gut geworfen, aber auch seine Mitspieler gut in Szene gesetzt», lobte Bundestrainer Heiner Brand und fügte an: «Mit seiner Entwicklung bin ich sehr zufrieden, ohne ihn mit Pascal vergleichen zu wollen. Er macht sich immer Gedanken, und es macht Spaß, mit ihm zu arbeiten.»
«Wir brauchen nicht mit eingezogenem Schwanz aufzulaufen»
Das war nicht immer so. Brand, der zugab, dass er anfangs belächelt wurde, als er Kaufmann in die Nationalmannschaft holte, musterte den 1,99 Meter großen gebürtigen Sachsen nach der EM 2008 vorübergehend aus. Mangelnde Einstellung hatte ihm der Bundestrainer seinerzeit vorgeworfen. Das hat sich geändert. «Lars ist einer, der im Training immer alles gibt», berichtete Brand nun.
Einen enormen Leistungsschub verschaffte Kaufmann sein Wechsel vor dieser Saison vom TBV Lemgo zu Frisch Auf Göppingen. Unter Trainer Velimir Petkovic ist der 27-jährige BWL-Student richtig aufgeblüht. Mit 124 Treffern ist er bester Torschütze der Bundesliga. Dank seiner Treffsicherheit rangieren die Schwaben hinter den übermachtigen HSV Hamburg und THW Kiel auf Platz drei, der zur Champions-League-Teilnahme berechtigt. «Ich habe neu beginnen wollen. Und da war Göppingen eine super Entscheidung. Es macht Spaß mit der Mannschaft», berichtet Kaufmann.
Nachdem es in Lemgo auch aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht so gut gelaufen war, ist Kaufmann nun sowohl in Göppingen als auch in der Nationalmannschaft Stammspieler. Das hat sein Selbstbewusstsein gestärkt, das er nun auch bei der EM in Österreich unter Beweis stellen will. «Wir brauchen nicht mit eingezogenem Schwanz aufzulaufen», verkündete der Sachse. Schließlich weiß er, wie das mit dem Hammer geht.
kru/mas/news.de/dpa
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