So weit die Füße tragen
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Insgesamt acht Runden à fünf Kilometer und eine kleine, genau 2,195 Kilometer lange Extrarunde, müssen die Freizeitsportler zurücklegen. Es geht an der zu dieser Jahreszeit verlassenen Rennbahn vorbei und einem Waldstück namens Nonne. Dieser Kurs feiert in diesem Jahr genau wie das Rennen in Leipzig überhaupt seine Premiere. Zuvor fand der Wintermarathon bereits 31 mal in Berlin statt.
«Es gab Probleme mit der Location», erklärt Pressesprecher Holger Strubberg. Als der langjährige Veranstalter vom SCC Berlin, der auch den Berlin-Marathon ausrichtet, aufgab, fanden sich einige enthusiastische Leipziger Läufer von der Laufgemeinschaft Exa zusammen und übernahmen die Ausrichtung des Wintermarathons. Mit insgesamt 40 Helfern aus der gesamten Leipziger Laufszene haben die Organisatoren um Chef Carsten Paul die Strecke präpariert.
Auch während des Laufs stehen an jeder Kurve, wo der Schnee schnell furchig und matschig wird, mit Schaufeln und Besen bewaffnete Helfer in Warnwesten, die immer wieder versuchen, das Geläuf zu ebnen. Doch obwohl sie an einigen Stellen den ganzen Mittag schippen, schaufeln und kehren, wird der Boden gerade in den Kurven immer tiefer. Teilweise ist der lockere Schnee knöcheltief.
Doch die Läufer nehmen die Verhältnisse locker – auf genau das haben sich schließlich viele eingestellt. Manche unterhalten sich sogar während dieser Extremherausforderung. Nur in den Kurven müssen alle hochkonzentriert sein. Manch einer kommt immer wieder ins Schlingern, einige stürzen, rappeln sich aber wieder auf und laufen weiter. Zu einer ernsthaften Verletzung, das bestätigen Streckenposten und Sanitäter am Ende des Laufs, ist es wundersamerweise nicht gekommen.
Das Hochgefühl kommt später
Nach drei Stunden und acht Minuten kommt das erste Team komplett ins Ziel. Die Sieger nehmen schnell ein Heißgetränk zu sich und verschwinden zum Duschen. Nach und nach laufen die weiteren im Vorderfeld platzierten Dreier-Gruppen über die Ziellinie. «Ich bin froh, dass ich es geschafft habe», sagt Christian aus Dresden. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern Ulf und Thilo - alle zwischen 35 und 40 - hat er das Rennen als siebtbestes Team beendet.
Ab Kilometer 25, berichtet Christian, sei das Rennen anstrengend geworden. Seine Spikes haben ihm ab der Halbzeit bei dem aufgewühlten Schnee nicht mehr viel gebracht. «Es war schon sehr anstrengend», sagt er. Ein richtiges Hochgefühl will sich bei allen dreien noch nicht so richtig einstellen. «Das kommt später», sagen sie. Ob das Team im nächsten Jahr wieder beim wohl härtesten Marathon Deutschlands dabei ist, will direkt nach dem Rennen keiner versichern.
Immer wieder hört man im Zieleinlauf: «Das waren gefühlte 50 Kilometer». Der 60 Jahre alte Werner aus Berlin sagt: «Wir sind echt fertig.» Gemeinsam mit seinen Kollegen Jan und Michael - zusammen sind sie 163 Jahre alt - ist auch er unter vier Stunden geblieben und hat damit wohl in der Ü150-Wertung (Alter des Teams insgesamt) gewonnen.
«Das macht keinen Sinn, sondern einfach nur Spaß»
Viel ermüdender als ein Marathon bei normalen Umständen ohnehin schon ist, sei dieser Lauf gewesen. Bleibt noch immer die Frage nach dem «warum». «Ein Bergsteiger, der den Kilimandscharo besteigt, würde darauf antworten: Weil es den Berg gibt», sagt Werner. «Genauso ist das bei uns. Das macht keinen Sinn, sondern einfach nur Spaß»
Horst Preisler und Marc und Janice Klemer bleibt jetzt noch eineinhalb Stunden Zeit. Bis 16.30 Uhr, fünfeinhalb Stunden nach dem Start, müssen alle Läufer im Ziel sein. Janice und ihr Schwager Kai kommen noch in der Zeit an. Für Marc waren vier Trainingseinheiten zu wenig – er musste aussteigen.
Ganz zum Schluss, als es längst dämmert im Clara-Zetkin-Park und gerade die Siegerehrung beginnt, kommt Horst Preisler ins Ziel. Sein Laufstil ist unrund, sein Oberkörper zur Seite geneigt. Aber er hat es auch bei Extrembedingungen wieder geschafft, ins Ziel zu kommen. Es war sein 1667. Marathonlauf.
mas/news.de
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