Der wohl härteste Marathonlauf Deutschlands: In Leipzig machten sich 129 Läufer bei Schneematsch und Eisglätte auf den Weg über die 42,195-Kilometer-Distanz. Eine Reportage.
16.01.2010
Meine Meinung
Normal ist das nicht, oder?

Video: news.de
Der Clara-Zetkin-Park in Leipzig ist tief verschneit an diesem Vormittag. Es ist kalt - und still. Ein Rabe krächzt, Kinder rodeln lachend einen Hügel hinunter. Sonst schluckt der Schnee die Geräusche der Stadt. Doch hinter einer Brücke, die über das Elsterflutbett führt, kommt Bewegung in die idyllische Szenerie.
Menschen in hautengen Leggings, bunten Leibchen, Stirnbändern und Mützen laufen eilig auf ein paar aufgebaute Pavillions zu. Andere dehnen sich am Brückengeländer oder drehen ein paar Runden zur Erwärmung. Marc Klemer und seine Frau Janice sind ebenfalls in diese Richtung. Beide kommen aus Schottland und sind erst am Vortag in Leipzig gelandet. Ihre Mission: den 1. Leipziger Team-Wintermarathon zu bewältigen.
Gemeinsam mit 127 anderen Unerschrockenen wollen Marc und Janice – beide um die 40 – wissen, ob sie die 42,195 Kilometer auch unter erschwerten Umständen, bei Kälte, Schneematsch und Glätte, hinter sich bringen können. «Wir haben uns ganz gut an die Bedingungen gewöhnen können», sagt Marc. «In Schottland waren die Verhältnisse zuletzt ähnlich eisig und matschig.»
Richtig vorbereiten konnte er sich auf den Lauf jedoch kaum. Erst vor wenigen Wochen fragte ihn sein Bruder Kai, ob er und Janice nicht mit ihm im Team laufen wollten. «Ich habe nur vier mal trainieren können», sagt Marc. Und einen Marathon ist er noch nie gelaufen.
Hamburger bestreitet seinen 1667. Marathonlauf
Anders liegen die Dinge bei Horst Preisler. Wenige Minuten vor dem Start tigert der 75-Jährige vor dem Zeitnehmertisch auf und ab. Dabei bräuchte der Hamburger, der hier bekannt ist wie ein Lokalmatador, eigentlich nicht mehr nervös zu sein. Der Sprecher begrüßt ihn als Weltrekordhalter: Unglaubliche 1666 Marathonläufe (oder länger) hat Preisler bereits beendet und ist damit fast zweimal um die Erde gelaufen. Warum er sich das antut? «Warum nicht», entgegnet der Rentner. «Dazu muss man wohl ein wenig verrückt sein. Doch was wäre die Welt ohne Verrückte?»
Pünktlich um elf Uhr wird der Lauf gestartet. Aus den Boxen dröhnt Asias Heat of the Moment. Und obwohl es im Moment ganz und gar nicht heiß, sondern vielmehr minus drei Grad kalt ist, passt der Song ganz gut. Insgesamt starten 43 Teams à drei Läufern. Vor allem erfahrenere Marathonis sind dabei, junge Gesichter sieht man seltener. Viele tragen Thermo-Kleidung, auch wasserdichte Socken, um der Witterung zu trotzen. Besonderes Schuhwerk sieht man erstaunlicherweise bei den meisten nicht. Nur einige haben sich Spike-Sohlen unter die Laufschuhe geschnallt.
Zuschauer, die die Leistung der mutigen Sportler beklatschen könnten, trudeln erst nach und nach an der Strecke ein. Einige Spaziergänger, die ihren Hund ausführen oder ein Stück mit dem Kinderwagen gehen, bleiben staunend stehend. «Ich könnte das nicht», spricht einer aus, was fast alle denken.
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