Die Wolf im Schafspelz
Wollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?Wir informieren Sie gerne kostenlos.
Von news.de-Redakteur Michael Heinrich
Artikel vom 18.01.2010
Jenny Wolf ist außerhalb des Eislauf-Ovals eher unscheinbar, auch Starallüren kennt die Berlinerin nicht. Dabei könnte sie es sich vor allen anderen leisten. Ihre Siege können nur noch nüchtern nummeriert werden, denn auf dem Eis legt Wolf ihren Schafspelz ab.
Sieben von zehn Weltcuprennen in dieser Saison gewann sie. Mittlerweile hat sie 46 Weltcupsiege auf dem Konto. Es können auch mehr sein, die Zahl ist wirklich nur Schall und Rauch. Was ihr noch fehlt, ist einzig und allein Olympiagold. «Wenn man es rational betrachtet, kann bei Olympia nichts anderes herauskommen», erklärt die Weltrekordhalterin über 500 Meter. Auf 37,00 Sekunden hat sie ihn im Dezember gedrückt.
Die Reihenfolge des Zieleinlaufs ist fast immer dieselbe, wenn keine Fehler gemacht werden. Eisschnelllauf ist Präzisionssport: Neun, zehn kurze Schritte nach dem Startschuss, dann immer länger werden, ins Gleiten kommen - Kurve, übersetzen - Vollgas auf der Geraden - zweite Gegenkurve, übersetzen - wieder Vollgas, jetzt alles geben. Überraschungen sind eher selten, da nicht taktiert werden kann, sondern in dem einen Lauf alles in die Waagschale geworfen werden muss.
Die Bahn in Richmond Olympic Oval kennt sie bereits, im vergangenen Jahr fanden dort die Weltmeisterschaften statt. Es war der einzige Wettkampf vor den Olympischen Spielen. «Da habe ich gewonnen, von daher habe ich beste Erinnerungen an die Bahn», stellt Wolf fest: «Das Eis ist nicht ganz so schnell.» Doch zumindest nah an ihrem Rekord muss sie heran kommen. Auch die Formkurve der Chinesin Wang Beixing, ihrer schärfsten Konkurrentin, wies zuletzt nach oben.
Bei der Sprint-WM am Wochenende in Obihiro, Japan, untermauerte sie noch einmal ihre Vormachtstellung. Auch wenn am Ende in der Gesamtwertung nur Rang drei raussprang - über 500 Meter gewann sie, trotz strapaziöser Anreise (11.000 Kilometer) und drei schlaflosen Nächten wegen des Jetlags. Olympia (12. bis 28. Februar) kann kommen!
Für eine optimale Vorbereitung fliegt Wolf bereits Anfang Februar nach Kanada. Damit hat sie auch Zeit, sich an die Zeitumstellung zu gewöhnen. Neun Stunden sind keine Kleinigkeit. «Probleme mit dem Jetlag habe ich sonst eher weniger. Man muss nur diszipliniert sein, gegen die Müdigkeit ankämpfen, dann geht es. Außerdem reise ich gerne», sagt sie. Könnte gut sein, dass dies ihre erfolgreichste Reise wird - Weltcupsiege hat sie viele, aber es wäre der erste Olympiasieg.
news.de
Zum Thema
Thema verfolgen »
Artikel kommentieren