Hannover beweist Größe
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Von news.de-Redakteurin Mara Schneider
Artikel vom 13.01.2010
Der Selbstmord von Torhüter Robert Enke hat das Tagesgeschäft bei Hannover 96 mächtig durcheinandergerüttelt. Nach der Tragödie bemühten sich Klub und Spieler, zur Normalität zurückzukehren – allein der sportliche Erfolg blieb ihnen verwehrt.
Das Team: Für Hannover 96 war die Hinrunde geprägt von Turbulenzen und Tragödien. Schon nach zwei Spieltagen trennte sich die Vereinsführung von ihrem langjährigen Trainer Dieter Hecking. Im Herbst wurden zahlreiche Spieler mit Verdacht auf Schweinegrippe unter Quarantäne gestellt und Vereinspräsident Martin Kind sorgt weiterhin für Unruhe in der Liga, weil er vehement für die Abschaffung der «50+1-Regel» kämpft. Ein gelungener Saisonstart sieht anders aus, doch diese Nicklichkeiten verblassten vor dem, was noch kommen sollte.
Die Mannschaft unter Hecking-Nachfolger Andreas Bergmann hatte in der Hinrunde den wohl schwersten Schicksalsschlag der Vereinsgeschichte zu verkraften. Nach dem Selbstmord von Torhüter Robert Enke im November war die Leinestadt im Ausnahmezustand, der Weg zurück in die Normalität hatte oberste Priorität. Seitdem haben die 96er allerdings kein Spiel mehr gewonnen. Größe bewiesen sie dennoch, als sie Spitzenreiter Leverkusen vor heimischem Publikum ein torloses Unentschieden abtrotzten.
Ob sich der sportliche Erfolg nach der Winterpause wieder einstellt, bleibt abzuwarten. Ein Punkt aus den letzten fünf Spielen ist zu wenig, um den Anschluss zur oberen Tabellenhälfte zu halten. Zurzeit ist Hannover nur einen Punkt vom Relegationsplatz entfernt, ganze sieben sind es zum gesicherten Mittelfeld.
Die Torhüter: Als klare Nummer eins zwischen den Pfosten war zu Saisonbeginn Nationaltorhüter Robert Enke gesetzt. Doch der 32-Jährige stand letztlich nur an sechs Spieltagen im Tor der Hannoveraner. Zunächst musste Enke laut offizieller Begründung wegen einer bakteriellen Infektion rund zwei Monate pausieren. In seiner Abwesenheit rückte der elf Jahre jüngere Florian Fromlowitz vorübergehend in die Startelf.
Am elften Spieltag feierte Robert Enke sein Comeback im 96-Trikot. Doch die Freude währte nicht lange. Am 10. November warf sich der Keeper nahe Hannover vor einen Zug und nahm sich das Leben. Erst dann wurde bekannt, dass der 32-Jährige jahrelang an schweren Depressionen gelitten hatte. Der Selbstmord erschütterte ganz Fußball-Deutschland.
Fromlowitz stand daraufhin vor der wohl größten Herausforderung seiner noch jungen Karriere. Doch der 23-Jährige trat das Erbe von Robert Enke in Würde an – und kann sich am Ende der Hinrunde mit einer Durchschnittsnote von 3,0 auf eine Stufe mit Frank Rost (Hamburger SV), Timo Hildebrand (TSG Hoffenheim) und Diego Benaglio (VfL Wolfsburg) stellen. Das Trio erhielt ebenfalls die Note 3 und schaffte damit den Sprung unter die Top Ten der besten Torhüter der Liga.
Die Abwehr: Die 96er-Hintermannschaft sorgte vor allem am vorletzten Spieltag der Hinrunde für Aufsehen. An der 3:5-Auswärtsschlappe bei Borussia Mönchengladbach hatten vor allem Constant Djakpa und Karim Haggui großen Anteil: Beide überwanden bei ihren Abwehrversuchen jeweils den eigenen Torwart. Als besonders treffsicher entpuppte sich Haggui (Note: 3,79), der in dem Spiel gleich zwei Eigentore schoss. Damit ging Hannover in die Annalen der Bundesliga-Geschichte ein, denn bisher erzielte ein Erstligist noch nie drei Eigentore in einer einzigen Partie.
Der Beste: Constant Djakpa, 15 Spiele, Note: 3,57 (Kicker: 3,73; Sportal: 3,4)
Der Schlechteste: Sofian Chahed, 7 Spiele, Note: 4,18 (Kicker: 4,21; Sportal: 4,14)
Das Mittelfeld: Im defensiven Mittelfeld machte Hanno Balitsch so manchem Gegenspieler das Leben schwer. Wie eine Klette klebte er beispielsweise an Werders Shootingstar Mesut Özil und steuerte zudem einen Treffer zur Torbilanz der Hannoveraner bei. Auch Jan Rosenthal, Arnold Bruggink und Sergio Pinto trafen je einmal für 96 und zeigten auf dem Feld jeweils bessere Leistungen als Neuling Valdet Rama. Der noch torlose Beidfüßer war im Sommer vom Zweitliga-Absteiger FC Ingolstadt gekommen, kam in der Bewertung im Durchschnitt aber noch nicht über eine glatte 4 hinaus.
Der Beste: Hanno Balitsch, 17 Spiele, Note: 3,35 (Kicker: 3,31; Sportal: 3,38)
Der Schlechteste: Valdet Rama, 6 Spiele, Note: 4 (Kicker: 4,25; Sportal: 3,83)
Der Sturm: Im Angriff setzte 96-Coach Andreas Bergmann fast ausnahmslos auf Routinier Jiri Stajner und Neuzugang Didier Ya Konan. Sie erzielten zusammen elf der bisher 21 Tore für Hannover. Damit kann das Duo zwar von den Treffern her mit den besten Stürmern der Liga mithalten, ihre Noten aber lassen bisweilen noch zu wünschen übrig. Jan Schlaudraff (zwei Tore), Jaroslaw Lindner und Mike Hanke kamen aufgrund ihrer geringen Einsatzzeiten gar nicht erst in die Wertung. Der langzeitverletzte Mikael Forssell, der in der vergangenen Saison sieben Tore in 30 Spielen erzielt hatte, steht den 96ern erst in der Rückrunde wieder vollständig zur Verfügung.
Der Beste: Didier Ya Konan, 15 Spiele, Note: 3,62 (Kicker: 3,77; Sportal: 3,47)
Der Schlechteste: Jiri Stajner, 16 Spiele, Note: 3,83 (Kicker: 4,03; Sportal: 3,63)
Die Neuen: Große Namen hat Hannover 96 in der Sommerpause nicht verpflichtet. Von den insgesamt acht Neuzugängen haben sich in erster Linie die beiden Ivorer Djakpa (ausgeliehen vom Ligakonkurrenten Bayer Leverkusen) und Ya Konan bezahlt gemacht. Ya Konan, der für rund eine halbe Million Euro vom norwegischen Erstligisten Rosenborg BK gekommen war, führt mit sechs Treffern die interne Torschützenliste an. Auch Pechvogel Haggui hat sich einen Platz in der Startelf gesichert, kam als einer von wenigen in allen 17 Spielen zum Einsatz.
Der Beste: Constant Djakpa, 15 Spiele, Note: 3,57 (Kicker: 3,73; Sportal: 3,4)
Der Schlechteste: Sofian Chahed, 7 Spiele, Note: 4,18 (Kicker: 4,21; Sportal: 4,14)
Für den Teamcheck hat news.de die Daten von mehr als 400 Spielern ausgewertet, die an den ersten 17 Spieltagen der Fußball-Bundesliga eingesetzt wurden. Zugrunde liegt die Benotung im Fachmagazin Kicker und auf der Internetseite www.sportal.de. Errechnet wurde der Durchschnitt aller Noten, Kicker und Sportal wurden dabei gleich gewichtet, Tore und Vorlagen spielten keine Rolle. Für die Rubrik «Der Beste/Der Schlechteste» wurden nur Spieler berücksichtigt, die mindestens auf vier benotete Einsätze kamen.
phs/mas/news.de
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