Ernst Middendorp
«WM und Afrika-Cup trennen Welten»

Er arbeitet mit Unterbrechungen seit 1999 in Afrika und kennt sich sowohl in Sicherheitsfragen als auch im afrikanischen Fußball bestens aus: Trainer-Globetrotter Ernst Middendorp über den Anschlag in Angola und die WM in Südafrika.

Weltenbummler und Trainer: Afrika-Kenner Ernst Middendorp. Bild: dpa

Herr Middendorp, wie sind die Reaktionen in Südafrika auf den Anschlag von Angola ausgefallen?

Ernst Middendorp: Das Thema wird hier sehr stark diskutiert. Aber man ist sich eben bewusst, dass man sich bei der WM auf einem anderen Level bewegen will und bewegen wird als beim Afrika-Cup – gerade, weil die WM unter dem Dach der Fifa stattfindet. Südafrika ist letztlich nur der Veranstaltungsort für die WM und der Veranstalter ist die Fifa. Und die wird alles dafür tun, dass so etwas wie in Angola eben nicht passiert.

Gibt es dennoch Parallelen zwischen WM und Afrika Cup?

Middendorp: Nein, man muss ganz klar unterscheiden zwischen Turnieren die von der Caf (Confederation of African Football , Anm. d. Red.) organisiert werden und den Turnieren des Weltverbandes Fifa. Das sind, auch was die Sicherheit anbelangt, zwei komplett verschiedene Welten. Das ist so, als würden wir in Deutschland Bundesliga und die fünfte Liga vergleichen. Das muss ich so deutlich sagen.

FOTOS: WM 2010 Diese Teams sind in Südafrika dabei

War eine solche Guerilla-Aktion absehbar?

Middendorp: Wer sich mit der Thematik beschäftigt, weiß, dass bis zu Beginn des Jahrtausends in Angola Bürgerkrieg herrschte. Die ganzen rebellischen Aktivitäten an der Grenze zum Kongo haben jedoch bis heute nicht aufgehört. Das ist bekannt. Insofern wundert es mich, dass man die Sicherheitsbestimmungen in dieser Region nicht schon im Vorfeld des Anschlags verstärkt hat.

Hätte man die Tragödie verhindern können?

Middendorp: Zumindest möchte ich das Handeln der Verantwortlichen in Togo infrage stellen. Wieso reist man mit einem Bus ohne größere Sicherheitsmaßnahmen zu beanspruchen? Es geht doch auch nicht, dass die Nationalmannschaften im Juni per Bus über Namibia, Simbabwe oder Botswana - um einige Nachbarländer Südafrikas zu nennen – zur WM anreisen, ohne alle Sicherheitsbestimmungen abzurufen. Sorry, da habe ich kein Verständnis.

VIDEO: Gefährliches Spiel
Video: news.de

Sie arbeiten mit Unterbrechungen seit 1999 in Afrika. Sind Sie oder Ihre Mannschaften jemals in eine gefährliche Situation geraten?

Middendorp: Nein, nicht ein einziges Mal.

Das heißt, man kann in Afrika sicher reisen, wenn man die Sicherheitsregeln einhält?

Middendorp: Ich musste 2001 mit Asante Kotoko (ghanaischer Klub, Middendorps damalige Mannschaft) mit dem Bus durch ganz Angola reisen – im übrigen ein wunderschönes Land. Dazu war ich in vielen weiteren Ländern Afrikas unterwegs. Man muss die «rules of regulation», die Sicherheitsbedingungen einhalten, und dann kann man auch weitgehend gefahrlos zu den Spielen reisen.

Wie bewerten Sie die Sicherheitsbedingungen in Südafrika aktuell?

Middendorp: Es ist ein großer Unterschied, ob ich in Angola oder in Südafrika unterwegs bin. Wir sind hier auf einem sehr guten Weg. Es gibt hier viel ausländisches Know-how, nicht nur beim Bau der Stadien, sondern auch, was die Sicherheit angeht. So wurden beispielsweise Sicherheitsfirmen aus Deutschland und England engagiert. Sie können also davon ausgehen, dass die Security hier mehr als in Ordnung sein wird.

Welche Verbesserungen sind noch bis zum Beginn der WM notwendig?

Middendorp: Noch einmal: Falls es Verbesserungen geben muss, betreffen die nicht den afrikanischen Kontinent, sondern die Fifa. Es wird zwar immer behauptet, dass bei der WM 2006 alle Sicherheitsfragen im Verantwortungsbereich Deutschland gelegen haben. Bullshit, dem war nicht so. Die Fifa hat bestimmt, wer, wo, wie und warum reinkommt. So tut der Weltverband auch für die WM in Südafrika alles, um die Sicherheit zu gewährleisten.

Wir können uns Ihrer Meinung nach also auf eine gelungene Weltmeisterschaft freuen?

Middendorp: Selbstverständlich.

Hat die bevorstehende WM eine Rolle dabei gespielt, dass Sie im November vergangenen Jahres wieder in Südafrika angeheuert haben?

Middendorp: Ich wurde ja nach sieben Spielen mit nur einer Niederlage bei Anorthosis Famagusta auf Zypern entlassen. Das war reine Schikane und ich befinde mich noch heute in juristischer Auseinandersetzung mit dem Klub. Eigentlich hatte ich mich danach damit abgefunden, die Saison zur Weiterbildung zu nutzen. Als das Angebot hier aus Südafrika kam, spielte natürlich auch die Überlegung eine Rolle, dass ich hier in dem Stadion spielen kann, wo später möglicherweise das WM-Endspiel Deutschland gegen Italien stattfindet. Das ist ohne Zweifel richtig.

Haben Sie Ihr Herz denn an Afrika verloren, oder können Sie sich wieder ein Engagement in Deutschland vorstellen?

Middendorp: Jederzeit. Ich habe hier die Aufgabe übernommen, meinen Klub aus dem Tabellenkeller rauszuhauen. Ich bin mir sicher, dass wir das schaffen werden. Nach der Saison, die hier schon im Februar zu Ende ist, finden noch zwei Pokalwettbewerbe statt. Danach endet mein Vertrag und wir sehen weiter. Um das ganz deutlich zu sagen: Wenn eine Mannschaft in Deutschland Hilfe braucht, bin ich jederzeit dazu bereit zu helfen. Wenn ich weiter in Südafrika oder anderswo auf der Welt arbeite, ist das auch kein Problem. Ich habe Spaß an meinem Job, und das ist entscheidend.

 

Ernst Middendorp arbeitet seit November 2009 für den südafrikanischen Klub Maritzburg United. Zuvor war der Weltenbummler bereits für die ghanaischen Klubs Asante Kotoko und Hearts of Oak sowie den bekannten südafrikanischen Klub Kaizer Chiefs tätig. Einen Namen machte sich der 51-Jährige, der hierzulande auch unter den Spitznamen «Power-Ernst» bekannt ist, als langjähriger Bundesligatrainer von Arminia Bielefeld.

hem/kru/news.de

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