Der Michael Jordan des Kneipensports
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Von news.de-Redakteur Timo Nowack
Artikel vom 04.01.2010
In Deutschland ist Darts für viele ein miefiger Spelunkensport - in England feiern Tausende Fans Phil «The Power» Taylor, der jetzt etwas schier Unglaubliches vollbracht hat: Er ist zum fünfzehnten Mal Weltmeister geworden.
Es ist nicht nur ein Sieg, es ist ein weiterer Schritt in Richtung Unsterblichkeit: Als die Fans im Londoner Alexandra Palace jubelnd aufspringen, hat Phil «The Power» Taylor den Australier Simon Whitlock bei der Darts-WM mit 7-3 nach Sätzen bezwungen und sich seinen fünfzehnten Weltmeistertitel gesichert.
Der 49-jährige Taylor sieht zwar aus wie ein normaler Thekenstammgast eines englischen Pubs - schütteres, dunkelgraues Haar, nicht sonderlich groß, dafür untersetzt, tätowierte Unterarme. Doch für die Darts-Welt ist er in etwa das, was Michael Jordan für den Basketball war. «The Power» setzt ganz eigene Maßstäbe in seinem Sport, dominiert ihn seit fast zwei Jahrzehnten. Mit 15 WM-Titeln ist er mit Abstand der beste Spieler der Geschichte und bis heute der unangefochtene Superstar der Szene. Und die ist in England groß, Darts ein Volkssport. Bei den WM-Spielen sitzen 2500 Fans in der Halle und feiern.
Bei dem Spiel mit den Pfeilen geht es zwar um Präzision, doch das Publikum ist dabei nicht etwa leise wie beim Snooker. Darts ist auch auf der großen Bühne das geblieben, was es immer war - ein typisch englischer Kneipensport. Der Alexandra Palace, Ally Pally genannt, im Norden Londons, sieht während des Turniers ein wenig aus wie ein Oktoberfestzelt von innen: Lange Biertischreihen ziehen sich durch die Halle, Zuschauer trinken Bier, gröhlen und tanzen auf den Tischen. Manche haben Superman-Kostüme an oder tragen Plastikhühner auf dem Kopf.
Auf der Bühne vor ihnen stehen zwei Kontrahenten 2,37 Meter vor einer Dartsscheibe, daneben ein Kommentator, der die Punkte lautstark ins Publikum ruft. «Oooonneeeehundered and Eeiiighty» - wirft ein Spieler mit seinen drei Pfeilen jeweils die dreifache 20 und damit die höchstmögliche Punktzahl von 180, johlt das Publikum, reckt Hunderte Schilder mit 180-Schriftzug in die Höhe.
«Walking in the Taylor Wonderland»
Wenn Phil Taylor dann zum Lied The Power der 1990er-Jahre Band Snap wie ein Boxer in die Halle einläuft, wenn seine Fans während des Warmwerfens in Fußball-Stadion-Manier «There is only one Phil Taylor» und «Walking in the Taylor Wonderland» singen, scheitern seine Gegner an dieser Atmosphäre reihenweise. Im Halbfinale etwa der 24-jährige Adrian Lewis. Dabei hatte der zuvor drei Jahre lang zusammen mit Taylor trainiert. Bis er abbrach. Neben «The Power» sei es nicht möglich, Selbstbewusstsein aufzubauen, sagte der Nachwuchsspieler.
Trotzdem kündigte Lewis dieses Jahr vor dem Viertelfinale an, er fühle sich in der Lage, seinen Meister zu besiegen. Auch die Werte stimmten. Im Turnier hatte er bis dahin doppelt so viele 180er geworfen wie Taylor. Doch es half nichts. «The Power» vernichtete Lewis regelrecht mit 5-0. Ebenso wie danach im Halbfinale den Waliser Mark Webster mit 6-0.
Erst im Finale wurde Taylor wirklich gefordert. Simon «The Wizard» Whitlock, der am Tag bis zu acht Stunden trainiert, ließ sich nicht von der Atmosphäre beeindrucken, hielt in den ersten Sätzen gut mit, ging sogar mit 2-1 in Führung. Doch dann spielte Taylor seine ganze Erfahrung aus. Während sein Gegner aus Australien immer wieder schwache Runden warf, zeigte Taylor Konstanz und gewann diesmal durch gutes Darts, am Ende deutlich mit 7-3. Im gesamten Turnier hat er damit nur vier Sätze verloren.
«The Power» nimmt nach diesem Sieg 200.000 Pfund (rund 220.000 Euro) Preisgeld mit nach Hause. Doch das wird für Taylor wesentlich weniger bedeuten als der 15. Titel. Denn der gelernte Maschinenschlosser ist durch Darts bereits Multimillionär.
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Sehr geehrter Fred, danke für Ihre Hinweise. Sie haben recht: Bei der Umrechnung Pfund in Euro ist mir ein unnötiger Fehler unterlaufen - das ist jetzt korrigiert. Bei der Zuschauerzahl bin ich von rund 2500 ausgegangen, da die Spiele meines Wissens nach in der West Hall des Ally Pallys stattgefunden haben, die etwa 2500 Besucher fasst (http://www.alexandrapalace.com/For_Exhibitors/Conferences_&_banqueting/West_Hall.html). Sollten Sie aber einen Beleg haben, dass es 7000 waren, lasse ich mich natürlich gerne eines Besseren belehren. Viele Grüße Timo Nowack
jetzt antwortenKommentar meldenHallo, ich verstehe nicht wie ihr mit Zahlen umgeht, gerade " IHR " solltet Bescheid wissen, nicht 2.500 sondern an die 7.000 Zuschauer haben die im Saal, das Umrechnen von engl.Pfund zu € scheint mir auch nicht richtig zu sein, Gruß und good Dart's,Fred.
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