Hinten weniger Ärger, vorne hilft Pizarro
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Von news.de-Redakteur Michael Kraft
Artikel vom 23.12.2009
Die Renaissance bei Werder hat gleich mehrere Namen: Wiese, Frings, Özil, Hunt, Pizarro. Doch entscheidend für die gute Vorrunde war die endlich funktionierende Abwehr, wie eine news.de-Analyse zeigt.
Das Team: Bremen kann zufrieden sein mit der Hinrunde: Nach der verkorksten Vorsaison gehört Werder wieder zur Spitzengruppe der Bundesliga. Nach 17 Spieltagen rangiert die Mannschaft von Thomas Schaaf auf Platz sechs – zwei Niederlagen zum Abschluss gegen Schalke und Hamburg kosteten eine bessere Platzierung und zeigen womöglich auch, dass es für den Sprung ganz nach oben noch nicht reicht.
Trotzdem: Von Diego redet in Bremen niemand mehr. Mit Özil und Marin hat man neue Stars selbst gemacht, Naldo und Hunt blühen auf, Spieler wie Bargfrede haben sich schnell im Team und in der Liga etabliert. Zwischenzeitig war Bremen in dieser Saison quer durch alle Wettbewerbe 23 Spiele lang ungeschlagen. Das zeigt: Mit Werder ist wieder zu rechnen.
Die Torhüter: Tim Wiese hat großen Anteil am Aufwärtstrend bei Werder. Der Kampf um einen Platz im WM-Kader scheint ihn zusätzlich zu motivieren. Mit einer Durchschnittsnote von 2,78 ist er der zweitbeste Keeper der Liga und hängt die DFB-Kollegen Adler und Neuer ab. Mit starken Leistungen wie am 2. Spieltag beim FC Bayern rettete er für Werder manchen Punkt. Und wenn er, wie beim Gastspiel in Köln, einmal fehlt, hat er in Sebastian Mielitz einen guten Vertreter (Notenschnitt 2,75).
Der Beste: Tim Wiese, 16 Spiele, Note 2,76 (Kicker: 2,69, Sportal: 2,88)
Die Abwehr: Dass es für Werder wieder besser läuft, liegt vor allem an der besseren Defensivarbeit. In der vergangenen Saison hatte Bremen zur Winterpause schon 28 Gegentore kassiert. In dieser Spielzeit konnte man diese Quote beinahe halbieren. Das liegt sicher daran, dass das Team nach dem Weggang von Diego defensiver denkt. Aber auch daran, dass Bremen in 15 von 17 Spielen mit dem festen Duo Naldo/Mertesacker in der Innenverteidigung beginnen konnte. Beide spielen bärenstark, Naldo steuerte zudem schon vier Treffer für Bremen bei. Eine Baustelle bleibt die linke Außenbahn. Dort ist Sebastian Boenisch der einzige Werder-Verteidiger, dessen Noten unter dem Liga-Durchschnitt liegen.
Der Beste: Naldo, 15 Spiele, Note 3,05 (Kicker: 3,03, Sportal: 3,07)
Der Schlechteste: Sebastian Boenisch, 14 Spiele, Note 3,80 (Kicker: 3,68, Sportal: 3,93)
Das Mittelfeld: Hier lässt sich die Bilanz in einen Satz fassen: Die offensiven Spieler überzeugen, bei den defensiven gibt es Luft nach oben. Das befürchtete kreative Vakuum haben Marin, Özil und Hunt mit starken Leistungen verhindert. An der Schnittstelle zur Abwehr fehlt aber neben dem wieder erstarkten Torsten Frings (Notenschnitt 3,07) eine zweite feste Größe. Jensen läuft seiner Form verletzungsbedingt hinterher, auch von Rückkehrer Tim Borowski (3,98) hatte man bei Werder sicher mehr erwartet.
Der Beste: Mesut Özil, 14 Spiele, Note 2,82 (Kicker: 2,89, Sportal: 2,75)
Der Schlechteste: Daniel Jensen, 4 Spiele, Note 4,00 (Kicker: 4,13, Sportal: 3,88)
Der Angriff: Pizarro – und dann lange nichts. Das Problem der Vorsaison scheint sich bei Werder zu wiederholen. Doch wie schon 2008/09 springen auch diesmal die «halben Stürmer» ein: Özil erzielte schon sechs Tore, Marin zwei, und Hunt trifft ebenfalls, wenn er aus dem Mittelfeld kommt. Trotzdem: Weder Almeida noch Rosenberg oder Moreno haben gute Argumente geliefert, um den Platz neben Pizarro für sich beanspruchen zu können.
Der Beste: Claudio Pizarro, 10 Spiele, Note 3,13 (Kicker: 3,06, Sportal: 3,20)
Der Schlechteste: Markus Rosenberg, 7 Spiele, Note 4,10 (Kicker: 4,00, Sportal: 4,14)
Die Neuen: Wieder einmal hat Werder auf dem Transfermarkt ein gutes Händchen bewiesen. Die fünf Millionen Euro, die für Pizarro an den FC Chelsea gingen, sind bestens angelegt. Auch Marin zeigt schon in seiner ersten Saison, dass er die hohe Ablöse (8,5 Millionen Euro) rechtfertigen kann. Dritter Gewinner ist Philipp Bargfrede, der aus der Werder-Reserve kam und immerhin in 13 der 17 Hinrunden-Spiele eingesetzt wurde. Als Flop erwies sich Tim Borowski, der nach seiner Rückkehr aus München noch längst nicht wieder in der Form ist, die ihn einst zum Nationalspieler machte. Auch Marcelo Moreno war bisher ein Fehlgriff. Immerhin zwei Millionen Euro Leihgebühr wurden für den Bolivianer fällig – ein stolzer Preis für einen Stürmer, der noch kein Spiel über 90 Minuten bestritten und kein Tor erzielt hat.
Der Beste: Claudio Pizarro, 10 Spiele, Note 3,13 (Kicker: 3,06, Sportal: 3,20)
Der Schlechteste: Tim Borowski, 13 Spiele, Note 3,98 (Kicker: 3,86, Sportal: 4,08)
Für den Teamcheck hat news.de die Daten von mehr als 400 Spielern ausgewertet, die an den ersten 17 Spieltagen der Fußball-Bundesliga eingesetzt wurden. Zugrunde liegt die Benotung im Fachmagazin Kicker und auf der Internetseite www.sportal.de. Errechnet wurde der Durchschnitt aller Noten, Kicker und Sportal wurden dabei gleich gewichtet, Tore und Vorlagen spielten keine Rolle. Für die Rubrik «Der Beste/Der Schlechteste» wurden nur Spieler berücksichtigt, die mindestens auf drei benotete Einsätze kamen.
mik/kru/news.de
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