«Er gleicht einem jungen Kriegsgott»
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Von news.de-Redakteurin Mara Schneider
Artikel vom 25.12.2009
Ob auf dem Rasen oder auf der Leinwand, wenn der Ball rollt, schlagen die Herzen von Millionen von Fans höher. News.de erinnert an Fußball-Streifen von damals und heute, an Emotionen, an Helden und Träume.
Fußball ist Deutschlands Volkssport Nummer eins. Der Fußball hat Legenden geschrieben – und nicht selten wurden diese auch verfilmt. Der in Deutschland wohl bekannteste Film über Fußball ist Sönke Wortmanns Das Wunder von Bern.
Der Streifen erzählt die Geschichte von Deutschlands unerwartetem Sieg bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 in Bern. Unter Sepp Herberger gelang es dem Außenseiter damals, bis ins Finale einzuziehen und dort gegen Ungarn mit einem 3:2-Sieg den ersten WM-Titel in der deutschen Fußballgeschichte zu erkämpfen.
Obwohl - oder gerade weil - Das Wunder von Bern kein reiner Sportfilm ist, sondern auch ein gelungenes Porträt von Nachkriegsdeutschland, wurde der Film 2003 mehr als 3,6 Millionen Kinobesuchern zum zweiterfolgreichsten deutschen Kinofilm des Jahres. Das Besondere an Wortmanns Verfilmung: Alle Schauspieler, die im Film die deutschen und ungarischen Fußballer darstellen, haben auch im richtigen Leben in der Oberliga und höher Fußball gespielt.
Doch Fußballfilme haben in Deutschland eine viel längere Tradition. Schon 1927 flimmerten mit Der König der Mittelstürmer und Die elf Teufel die ersten Streifen dieses Genres - wenn auch noch ohne Ton - über die Kinoleinwände. Vor allem Die elf Teufel traf zur damaligen Zeit auf große Begeisterung, spiegelte er doch das uralte Thema David gegen Goliath - in diesem Fall armer Amateurklub gegen reiche Berufsfußballer – wider.
«Es gibt Aufnahmen voller Tempo und Schmiß, wütendes Kämpfen um den Ball, Bravourleistungen erstklassiger Spieler», schrieb ein Filmkritiker 1927 in seiner Rezension und fügte über den Hauptdarsteller hinzu: «Gustav Fröhlich ist stark, liebenswürdig und mannhaft, ein echter Sportsheld [...] Wenn er mit windzerzausten Haaren im Spielfeld steht und wütend sich ins Gedränge stürzt, gleicht er einem jungen Kriegsgott.»
«An der Grenze zwischen Genialität und Wahnsinn»
Auch andere Nationen, darunter vor allem Großbrittannien, das Mutterland des Fußballs, haben in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Filme auf den Markt gebracht, die sich mit dem runden Leder befassen. Im Fußball-Kriminalfilm The Arsenal Stadium Mystery (1940), in dem ein Spieler auf dem Rasen stirbt, weil er vergiftet wurde, waren sogar etliche Spieler des britischen Traditionsvereins FC Arsenal auf der Leinwand zu sehen.
Eine weitere Produktion von der Insel ist Kick it like Beckham (2002) mit Parminder Nagra (Emergency Room), Keira Knightley (Fluch der Karibik) und Jonathan Rhys Meyers (Die Tudors). Hauptfigur ist die 16-jährige indischstämmige Jess, deren Eltern sie traditionell erziehen wollen und ihr das Fußballspielen verbieten. Sie trainiert heimlich, und als sie sich auch noch in ihren Trainer verliebt, ist das Chaos perfekt. Neben der positiven Werbung für Frauenfußball thematisiert Regisseurin Gurinder Chadha dabei zahlreiche gesellschaftliche Probleme wie Ausländerfeindlichkeit und Homosexualität.
Aus Hongkong stammt der Streifen Shaolin Kickers (2001): Der einstige Fußballstar Fung, nun gescheiterte Existenz, trifft den mittellosen ehemaligen Shaolinmönch Sing und will ihm helfen, mit Hilfe des Fußballspiels andere Menschen zu erleuchten. «Stephen Chow ist ein rasanter Genre-Mix gelungen, der hart an der Grenze zwischen Genialität und Wahnsinn wandelt, aber trotzdem für recht kurzweilige Unterhaltung zu sorgen weiß», urteilte Filmkritiker Jürgen Armbruster bei filmstarts.de. Bei den 21. Hong Kong Film Awards wurde Shaolin Kickers unter anderem in den Kategorien bester Film, beste Regie, bester Darsteller und beste visuelle Effekte ausgezeichnet.
«Ein heimeliges Gefühlegemenge aus Nostalgie und Amüsement»
Nicht immer wurde das Thema Fußball nur fiktional umgesetzt. Mit Profis - Ein Jahr Fußball mit Paul Breitner und Uli Hoeneß brachten Christian Weisenborn und Michael Wulfes 1979 eine der ersten Fußballdokumentationen ins Kino. Das Duo begleitete Breitner und Hoeneß eine ganze Spielzeit lang - ausgerechnet in jener Saison, als der ruhmreiche Branchenprimus FC Bayern München in einer Schaffenskrise steckte.
«Schon die ersten Minuten der Dokumentation wecken angesichts der tendenziell zu kurzen und engen Trikots und Hosen und der fiesen Scheitel ein heimeliges Gefühlegemenge aus Nostalgie und Amüsement beim Betrachter», heißt es dazu auf dem Internetportal fussball-freund.com.
Die wohl bekannteste Fußballdokumentation hierzulande ist unter der Regie von Sönke Wortmann entstanden. Der 50-Jährige hat die deutsche Nationalelf während der Vorbereitung auf die WM 2006 begleitet, wich Spielern und Trainern auch während des Turniers vor heimischer Kulisse nicht von der Seite. Das Ergebnis Deutschland. Ein Sommermärchen schaffte auf Anhieb den Sprung auf Platz eins der deutschen Kinocharts.
Ein Jahr später wurde auch die DFB-Elf der Frauen bei der WM in China auf dem Weg zum Titelgewinn begleitet. Die besten Frauen der Welt - Wortmann trat diesmal als Produzent in Erscheinung - lief jedoch nicht im regulären Kinoprogramm, sondern wurde nach der Uraufführung im Dezember 2007 von der ARD im Fernsehen ausgestrahlt.
kru/news.de
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