Titel, Triumphe und ein Trauerfall
Wollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?Wir informieren Sie gerne kostenlos.
Die Weltrekorde von Supersprinter Usain Bolt oder der Triumph von Paul Biedermann über Schwimmstar Michael Phelps: Auch ohne Olympische Spiele, Fußball-Welt- und Europameisterschaften war das Sportjahr 2009 voller faszinierender Momente.
Die traurigsten Augenblicke lieferte die Tragödie um Robert Enke. Der Selbstmord des 32 Jahre alten Nationaltorwarts, der seit Jahren an Depressionen litt, schockierte nicht nur die Fußballwelt, er bewegte das ganze Land. Der Auftritt seiner Frau Teresa vor der Presse einen Tag nach Enkes Tod am 10. November, die erschütterten Menschen vor dem Stadion in Hannover, die Trauerfeier mit mehr als 40.000 Menschen - das waren die wohl eindringlichsten Bilder des Jahres. «Fußball ist nicht alles», sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger bei der Gedenk-Veranstaltung - ein zentraler Satz dieses Jahres.
Nur wenige Tage später sah sich Zwanziger mit einer weiteren Schattenseite des Fußballs konfrontiert: Mehr als 200 Spiele sollen seit Anfang des Jahres in neun Ländern manipuliert worden sein, berichtete im November die Staatsanwaltschaft Bochum. Allein 32 Begegnungen von der 2. Bundesliga an abwärts seien in Deutschland betroffen. In den folgenden Wochen kamen immer mehr Details zutage. Das Ausmaß ist noch immer nicht absehbar. Nur eines ist sicher: Es ist der größte Skandal in der europäischen Fußball-Geschichte.
Doch es gab auch Erfreuliches für den deutschen Fußball: Ein Jahr vor der WM zeigte sich die Nationalmannschaft im richtigen Moment hellwach. Mit dem 1:0 beim schärfsten Rivalen in Russland schaffte das Team von Bundestrainer Joachim Löw die Qualifikation für die Endrunde in Südafrika. Dort trifft sie in der Gruppenphase auf Australien, Ghana und Serbien. «Schwierig, aber machbar», sagt Löw.
Messi wird Fußballer des Jahres
Bayern München scheiterte derweil mit dem Experiment Jürgen Klinsmann. Nach nur zehn Monaten wurde der ehemalige Bundestrainer entlassen. Ihm folgte Altmeister Jupp Heynckes, der immerhin noch die Teilnahme an der Champions League sicherte. Den VfL Wolfsburg konnten die Bayern aber nicht mehr abfangen. Die Niedersachsen wurden dank Trainer Felix Magath erstmals deutscher Meister.
Magath verabschiedete sich anschließend Richtung Schalke 04. Werder Bremen rettete seine Saison mit dem DFB-Pokalsieg im Finale gegen Bayer Leverkusen. Im Uefa-Pokal-Endspiel scheiterten die Hanseaten jedoch an Schachtjor Donezk. Der FC Barcelona war international der überragende Klub und wurde Champions-League-Sieger, sein argentinischer Star Lionel Messi zum Europas Fußball des Jahres gewählt.
Ein-Mann-Shows und zahlreiche Medaillen
Das größte Sportereignis des Jahres in Deutschland wurde zur Ein-Mann-Show: Die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin waren wie schon die Olympischen Spiele 2008 in Peking Usain-Bolt-Festspiele. Drei Titel, zwei Weltrekorde lautete die Bilanz des immer wieder mit Dopinggerüchten konfrontierten Sprinters aus Jamaika. In 9,58 Sekunden gelang ihm über 100 Meter eine Fabelzeit, auch über 200 Meter lief er in Weltbestzeit von 19,19 Sekunden allen davon. Das Staffel-Gold war die Zugabe.
Auch für die lange Zeit nicht gerade verwöhnten deutschen Fans gab es zweimal Grund zum Jubeln: Steffi Nerius holte in ihrem letzten großen Wettkampf Gold im Speerwurf. Der wegen seinen verhöhnenden Aussagen zu Dopingopfern umstrittene Berliner Robert Harting schleuderte den Diskus am weitesten.
Triumphe feierten auch die deutschen Schwimmer: Britta Steffen und Paul Biedermann krönten sich bei der WM in Rom mit jeweils zwei Titeln. Doppel-Olympiasiegerin Steffen gewann wie in Peking über 50 und 100 Meter Freistil. Biedermann siegte erst über 400 Meter in Weltrekordzeit, über 200 Meter stellte er mit seiner Bestzeit Rekord-Olympiasieger Michael Phelps in den Schatten. Das Schwimmen erlebte 2009 mit weit mehr als 100 Bestzeiten dank High-Tech-Anzügen eine Weltrekordflut. 2010 ist Schluss damit. Die Anzüge werden verboten.
Ab auf die Piste
2009 war für die Formel 1 ein Jahr des Umbruchs: Honda zog sich zurück. Das Nachfolge-Team Brawn GP holte sich durch Jenson Button nicht nur den Fahrer-, sondern auch den Konstrukteurstitel. BMW stieg am Saisonende aus, ebenso Toyota. Mercedes wagt indes einen neuen Schritt: Die Marke übernahm Brawn GP und fährt 2010 mit einem eigenen Werksteam.
Auch auf der Piste ging es heiß her. Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel verpasste den WM-Titel und musste dem Briten Button den Vortritt lassen. Ein Comeback von Rekord-Weltmeister Michael Schumacher scheiterte. Der 40-Jährige wollte den verunglückten Ferrari-Piloten Felipe Massa ersetzen. Eine Nackenverletzung stoppte ihn. Nun ist Schumacher erneut im Gespräch - diemal bei Mercedes.
In der Saison vor den Olympischen Winterspielen in Vancouver zeigten sich die deutschen Schnee- und Eis-Asse in bester Form. Bei der alpinen Ski-WM in Val d'Isere holten sich Kathrin Hölzl im Riesenslalom und Maria Riesch im Slalom die Titel. Riesch gewann später auch den Weltcup in ihrer Paradedisziplin.
Kati Wilhelm wurde die Königin der Biathlon-WM im südkoreanischen Pyeongchang. Erst ließ sie die Konkurrenz im 7,5-Kilometer-Sprint hinter sich, dann war sie über 15 Kilometer nicht zu schlagen. Nur der Norweger Ole Einar Björndalen war noch erfolgreicher: Er gewann vier Titel und avancierte mit insgesamt 14 WM-Siegen zum erfolgreichsten Biathleten der Geschichte.
Dauerbrenner Doping
Den spektakulärsten Dopingfall des Jahres lieferte Claudia Pechstein. Im Januar wurde sie mit 37 Jahren älteste Eisschnelllauf-Europameisterin. Im Juli folgte der Schock: Die fünfmalige Olympiasiegerin wurde wegen auffälliger Blutwerte für zwei Jahre gesperrt. Sie kämpfte gegen die Strafe. Doch der Internationale Sportgerichtshof Cas wies ihren Einspruch im November zurück. Pechstein will noch immer nicht aufgeben. Der Rechtsstreit geht 2010 weiter.
Auch der Pferdesport kommt nicht zur Ruhe. Dressur-Olympiasiegerin Isabell Werth wurde gesperrt, weil bei ihrem Pferd Whisper eine verbotene Substanz gefunden wird.
Der Radsport blieb 2009 hingegen von großen Dopingskandalen verschont. Erstmals seit Jahren gab es bei der Tour de France keinen positiven Befund. Der Verdacht fährt aber weiter mit - auch bei Tour-Sieger Alberto Contador und Rekordgewinner Lance Armstrong, der beim Comeback Dritter wurde.
mas/news.de/dpa
Zum Thema
Thema verfolgen »
Artikel kommentieren