Fromlowitz tritt Enkes Erbe in Hannover an
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Florian Fromlowitz steht vor der schwersten Herausforderung seines Fußballer-Lebens. Er folgt Robert Enke im Tor des Bundesligisten Hannover 96.
Bei Hannover 96 steht der Nachfolger von Robert Enke fest, in der Nationalmannschaft wird die Last des ersten Spiels zunächst auf den Schultern von zwei Torhütern verteilt. Tim Wiese und Manuel Neuer werden am Mittwoch im Länderspiel gegen die Elfenbeinküste im Tor der DFB-Auswahl stehen. Zuerst spielt der Bremer Keeper, nach der Pause der Schalker.
Allein im Fokus wird hingegen Florian Fromlowitz stehen, der am Samstag vor der schwersten Herausforderung seines Fußballer-Lebens steht. «Ich weiß, er schaut von oben zu», sagte Fromlowitz am Mittag über seinen verstorbenen Vereinskollegen Enke.
In der Nationalmannschaft ist die Torhüter-Frage noch unbeantwortet, nur die Reihenfolge für das erste Spiel nach dem Selbstmord von Enke hat Trainer Joachim Löw festgelegt. «Tim hatte noch kein Spiel von Anfang an», sagte Teammanager Oliver Bierhoff: «Wir wollen ihm das Gefühl geben, von Beginn an zu spielen, die Hymne zu erleben.» Ursprünglich sollte Wiese 90 Minuten gegen Chile im Tor stehen, doch die Partie war auf Wunsch der Nationalspieler nach dem Suizid von Enke abgesagt worden.
Als Nummer eins in der Rangfolge der möglichen WM-Torhüter gilt nach wie vor René Adler. Der Torhüter von Bayer Leverkusen fehlt derzeit wegen einer Augenentzündung. Löw hat sich bisher allerdings noch nicht konkret festlegt.
Vom Schreihals zum Teamplayer
In Hannover ist das einfacher. Fromlowitz tritt das schwere Erbe an. Der früher als vorlaut verschriene Nachwuchsmann fand angemessene Worte bei seinen ersten öffentlichen Aussagen nach Enkes Tod. «Ich habe keinen Konkurrenten verloren, sondern einen Freund», sagte der 23 Jahre alte Profi: «Er war für mich wie ein Lehrer. Er hat mir viel mitgegeben, auch ohne viele Worte.»
Fromlowitz steht nun unfreiwillig in einem besonderen Fokus und unter einem enormen psychischen Erfolgsdruck - an dem Enke am Ende zerbrach. Dieser Ausnahmesituation will sich der aus Kaiserslautern stammende Keeper stellen: «Ich muss das ausblenden, auch wenn ich weiß, dass jetzt viele Menschen auf mich schauen. Robert will auf jeden Fall, dass wir weiterspielen. Das werden wir für ihn tun, das werde ich für ihn tun», sagte Fromlowitz.
Dass er sich viel von Enke abgeschaut hat, hat Fromlowitz bereits mehrmals bewiesen. Als das Idol wegen einer offiziell als mysteriöse Bakterieninfektion angegebenen Erkrankung pausieren musste - in dieser Zeit kehrten die Depressionen zurück - hütete Fromlowitz den 96-Kasten sechsmal. Und zeigte, dass er im Schatten Enkes zu einem Klasse-Torhüter gereift ist. Als Enke zurückkam, rückte Fromlowitz ohne zu murren wieder ins zweite Glied.
Auch abseits des Fußballplatzes machte Fromlowitz eine Wandlung - vom Keeper mit Hang zur Selbstdarstellung zum Teamplayer. Bereits in der vergangenen Saison war Fromlowitz für neun Spiele als Enke-Ersatz eingesprungen, dabei aber mehr mit Sprüchen aufgefallen. Das ist nun nicht mehr so. Vielleicht, weil Enke ihm gezeigt hat, wie es anders geht. Er habe dank Enke «die Mitte gefunden», so Fromlowitz: «Ich habe ihn immer geschätzt, nicht nur als Torwart, auch als Helfer in der Mannschaft.»
oro/mas/reu/news.de/dpa
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