Wenn Stars als Deppen dastehen
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Von news.de-Redakteur Michael Heinrich
Artikel vom 29.10.2009
David gegen Goliath – im deutschen Fußball heißt dieses Duell DFB-Pokal. Hier siegen regelmäßig die Kleinen gegen die Großen, manchmal sogar Amateurklubs gegen den Meister. Bayern München kann ein Lied davon singen.
Das Trauma der Bayern trägt den Namen eines kleinen Ortes, idyllisch gelegen zwischen Schornweisach und Breitenlohe: Vestenbergsgreuth. Weil ein Stadion in dem fränkischen Dorf nicht existent und für die 1700 Einwohner wohl auch nicht nötig war, zog man anno 1994 ins Nürnberger Frankenstadion, um sich in der ersten Runde des DFB-Pokals dem FC Bayern München zu stellen.
Roland Stein, von dem man weder vorher noch nachher etwas gehört hatte, erzielte in der 43. Minute ein Tor für den Amateurklub. Es blieb der einzige Treffer des Abends, die Sensation war perfekt: der deutsche Meister gescheitert in der ersten Runde. «Jetzt müssen wir mit der Schmach leben», stellte Lothar Matthäus richtig fest. Wann immer Bayern seitdem derartiges widerfährt, ist das eine Erinnerung an Vestenbergsgreuth wert.
2000 hieß Vestenbergsgreuth Magdeburg. Der 1. FC, traditionsreich (Europapokalsieger 1974) zwar, aber mittlerweile in den Niederungen der Oberliga untergegangen, tauchte mit einem 5:3 n.E. gegen Bayern München wieder auf. Bayern war immerhin in die zweite Runde gekommen und damit besser als 1990 - als nach 90 Minuten beim FV Weinheim für den Rekordmeister Schluss war. Damals standen gar vier frisch gebackene Weltmeister im Bayern-Kader.
Immerhin können sich die Bayern trösten. Es passiert auch anderen Teams - und das nicht nur ein Mal. Mit sechs Pokal-Pleiten in der Rangliste führend ist der Hamburger SV. Die Hanseaten leisteten sich gleich 1974/1975 zum ersten Mal beim 1:2 gegen den Drittligisten VfB Eppingen einen Ausrutscher. Und sie gehörten auch in der vergangenen Saison zu den gescheiterten Favoriten, als es 3:4 nach Verlängerung beim Regionalliga-Team der Stuttgarter Kickers hieß. Dieses Jahr kegelte sie der VfL Osnabrück in der zweiten Runde mit einem 2:4 im Elfmeterschießen aus dem Wettbewerb.
Dortmund und Trainer Jürgen Klopp sind daher in guter Gesellschaft. Auch die Borussen verloren schließlich am Dienstag gegen Osnabrück (2:3). Fürth warf zwar den VfB Stuttgart mit 0:1 aus dem Wettbewerb, ist aber anders als 1990, als Fürth als Viertligist den BVB mit 3:1 bezwang, kein Kleiner mehr. Der Kleinste überhaupt, der einen Erstligisten aus dem Pokal warf, war 2001 der SSV Ulm. Der Fünftligist blamierte den 1. FC Nürnberg (2:1).
Dass die Kleinen den Großen ein Schnippchen schlagen, ist letztlich ein Mythos: Als einziger Regionalligist schaffte Kickers Offenbach 1970 das Kunststück. Sonst stehen nur die Namen von Erst- und Zweitligisten in der Siegerliste des Wettbewerbs. Denkmäler setzt man allerdings den wackeren Amateueren: In Vestenbergsgreuth sind die Helden und das glorreiche Ereignis mit einem Gedenkstein verewigt.
sgo/news.de
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