Olympia-Entscheidung Südamerika besiegt Nordamerika

Barack und Michelle Obama verabschieden sich von der olympischen Hoffnung (Foto)
Barack und Michelle Obama verabschieden sich von der olympischen Hoffnung. Bild: dpa

Rios Sieg beim Kampf um die Spiele 2016 hat die olympische Welt um einen Kontinent erweitert. Das Beben bekam auch Barack Obama zu spüren. Die Pleite seiner Heimatstadt Chicagos galt nun im IOC-Kongress als Autonomiegewinn gegen die USA.

Selbst der mächtigste Mann der Welt, US-Präsident Barack Obama, konnte Chicagos Debakel nicht verhindern und musste mit einer sportpolitischen Ohrfeige das Kongresszentrum «Bella Center» verlassen. «Das IOC muss die Dritte Welt mehr miteinbeziehen. Das Votum für Rio war ein Schritt in die richtige Richtung», erklärte Jacques Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, bei der Eröffnung des Olympischen Kongresses.

Für die Münchner Bewerbung um die Winterspiele 2018 war die Erkenntnis von Kopenhagen, bis zur Entscheidung 2011 in Durban muss dringend eine Kernbotschaft gefunden und mit Überzeugung und Leidenschaft präsentiert werden. Bis zum 15. Oktober läuft die Bewerbungsfrist beim IOC. IOC-Vizepräsident Thomas Bach wünscht sich auch von der neuen Regierung «eine starke Unterstützung des nationalen Projekts».

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Gelebte Leidenschaft
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Bach setzte auch den Schwerpunkt des Kongresses. Er regte eine Neuaufstellung des Parlaments des IOC an. «Ich habe erkennbar gemacht, dass ein IOC aus unabhängigen Mitgliedern ohne bindendes Mandat stärker wäre, weil es besser in der Lage wäre, die verschiedenen legitimen Interessen auszugleichen», sagte Bach. Die Athletenvertreter sorgten für Aufsehen mit ihrer Forderung, künftig schwere Doping-Vergehen mit lebenslangen Sperre zu bestrafen.

An der Copacabana wurde unterdessen der Olympia-Karneval mit einer Strandparty fortgesetzt. Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva hat der Traumstadt nach jahrelangem Niedergang durch Investitionen von 14 Milliarden Dollar eine Renaissance prophezeit. Die Doppel-Verantwortung Fußball-WM 2014 und Olympia 2016 soll das fünftgrößte Land der Welt zu einer politischen und wirtschaftlichen Großmacht aufsteigen lassen.

«Die Entscheidung hat die Welt des Sports enger zusammenrücken lassen. Das gibt den Schwellenländern mehr Hoffnung», analysierte Bach. Afrika bleibt der einzige weiße Fleck auf der olympischen Landkarte. Fünf Tage vor seiner Wiederwahl hat Rogge mit Rio sein zweites Vermächtnis neben den Jugendspielen geschaffen. Mit 66:32 Stimmen hatte Rio im finalen Votum Madrid düpiert. Chicago war sogar gleich in der ersten Runde ausgeschieden.

Ohne ein Entgegenkommen des amerikanischen Olympia-Verbandes USOC im jahrelangen Dauerstreit um eine gerechtere Verteilung der IOC-Marketing-Milliarden sind Spiele in den USA laut IOC unwahrscheinlich. «Wir wollen, dass die Amerikaner wieder ein vollständiger Teil der olympischen Bewegung sind, und dafür müssen sie sich ein bisschen bewegen», erläuterte Denis Oswald, Mitglied der IOC-Exekutive.

Obama riskierte als Gesicht der Chicagoer Bewegung viel für seine Heimatstadt und kehrte mit einem Gesichtsverlust zurück. Von den US-Medien musste er sich auch noch vorrechnen lassen, die Steuerzahler durch seinen 21-Stunden-Trip knapp eine Million US-Dollar gekostet zu haben. Die Weltpresse reagierte mit teilweise hämischen Kommentaren. Italiens «La Repubblica» urteilte: «No, they can't. Eine Ohrfeige für Obama. Geh nach Hause Amerika.»

Im IOC geht die Sorge um, das Verhältnis zum stärksten Markt der Welt könnte durch Chicagos Demontage dauerhaft belastet sein und sogar Sponsorengelder gefährden. Aber auch aus dem exotischen Rio können Bilder zur besten Sendezeit in den USA angeboten werden. Das IOC kann erneut mit mindestens 1,2 Milliarden Dollar - wie für London 2012 - aus dem Verkauf der US-TV-Rechte rechnen.

heh/car/news.de/dpa

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