Wenn es für Trainer Zeit wird, zu gehen
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Von news.de-Redakteurin Mara Schneider
Artikel vom 25.09.2009
Bundesligist Hertha BSC steckt tief in der Krise, doch der Verein schwört seinem Trainer die Treue. Wie lange noch, ist fraglich. Das sagt auch der ehemalige DDR-Nationaltrainer Eduard Geyer. Auch er wurde schon von Vereinen in die Wüste geschickt.
Wenn es im Fußball mal nicht so läuft, wird meistens zuerst der Trainer entlassen. Sie mussten zuletzt in Dresden sogar die Koffer packen, obwohl sie das Saisonziel, die Qualifikation zur 3. Liga erreicht, hatten. Hertha wiederum steckt mächtig in der Krise, trotzdem bekennt sich der Verein zu Lucien Favre...
Geyer: Dass ein Trainer entlassen wird, wenn er keinen Erfolg hat, das ist doch normal. Hertha bekennt sich zu seinem Trainer, weil sie mit ihm in der vergangenen Saison am Ende fast hätten Meister werden können. Aber die Mannschaft hatte in der Sommerpause drei schwerwiegende Abgänge, die nicht ersetzt worden sind. Da hat man als Trainer Pech gehabt. Auf Dauer wird es Favre bei Hertha schwer haben. Man hat schon oft gehört, dass ein Trainer bleiben soll, obwohl die Ergebnisse nicht mehr stimmten. Da sollte man nicht zu viel drauf geben. Wenn die Mannschaft noch ein oder zwei Spiele verliert, wird man irgendwann die Reißleine ziehen.
Warum wird die Schuld immer zuerst beim Trainer gesucht? Am Ende sind es doch die Spieler, die auf dem Platz das Tor schießen müssen...
Geyer: Einen Spieler loszuwerden, ist schwer. Der müsste schon den Trainer erschlagen, damit man ihn aus der Gehaltsliste streicht. Es ist wesentlich leichter, einen Trainer zu opfern, als vier oder fünf schwächere Spieler oder solche, die Unruhe stiften.
Wann ist der Zeitpunkt gekommen, wo sich ein Verein von seinem Trainer trennen sollte?
Geyer: Das kann man nicht pauschalisieren. Mehr als zwei bis fünf Jahre am Stück ist ein Trainer heute sowieso kaum noch bei ein und demselben Verein. Das war früher nicht viel anders, nur zieht man heute viel eher die Reißleine, weil mehr dran hängt. Wer nicht international spielt, dem gehen Gelder verloren. Und schließlich wollen ja auch die Sponsoren in einem guten Licht stehen.
Aber sollte man nicht versuchen, den Karren gemeinsam aus dem Dreck zu ziehen, wie es bei Hertha zurzeit versucht wird?
Geyer: Ich wünschte mir manchmal, dass man kollegialer miteinander umgeht und den Trainer eine Zeit lang unterstützt, auch wenn es mal nicht so läuft. Manchmal hilft es, die Reißleine zu ziehen, aber das bringt nicht immer so viel. Das hängt aber auch viel vom Umfeld ab, wie jemand zum Trainer steht. Wenn die Mannschaft erste Auflösungserscheinungen mitbekommt, weil in den Medien zum Beispiel über die Entlassung des Trainers spekuliert wird, dann wird man irgednwann unglaubwürdig.
Wann sollte man sich denn als Trainer eingestehen, dass seine Zeit abgelaufen ist?
Geyer: Es geht nicht immer darum, ob man als Trainer gut oder schlecht ist. Man kann bestimmte Dinge nicht beeinflussen. Nicht immer stehen alle 100-prozentig hinter einem, so dass man sich auch durch Schwächephasen gemeinsam durchboxen kann. Es gibt viele Traumtänzer, die einem im Fußball reinreden wollen. Man braucht als Trainer vor allem Unterstützung.
sgo/news.de
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