Löws Ring der Nibelungen
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Von news.de-Redakteur Michael Heinrich
Artikel vom 04.09.2009
Vier Stürmer – drei Problemfälle: Außer Mario Gomez hat keiner der von Bundestrainer Joachim Löw berufenen Angreifer in der neuen Bundesligasaison getroffen. Das Vertrauen ist dennoch grenzenlos. Nibelungentreue hat in der Nationalelf Tradition.
Man steht zusammen, lässt sich durch rationale Einsicht nicht in seiner Treue beirren – so wie die Nibelungen am Hof des Hunnenkönigs Etzel. Ihre sprichwörtlich gewordene Nibelungentreue ist ein Begriff, der Tragik in sich trägt - eine Form bedingungsloser, emotionaler und potenziell verhängnisvoller Treue. Auch bei der Nationalelf ist das bisweilen zu beobachten.
Wenn es ernst wird, schenkt der Deutsche Fußball-Bund bei Nominierungen verdienten Spielern das Vertrauen, auch wenn andere bessere Leistungen zeigen: Die Nationalelf handelt stets nach diesem Muster. Stefan Kießling, der bislang doppelt so viele Saisontore erzielte hat wie alle vier für das Länderspiel gegen Südafrika nominierten Stürmer zusammen, ist längst kein Präzedenzfall.
Martin Max musste 2002 einen viel härteren Schlag verkraften. Der Torschützenkönig der Saison wurde von Teamchef Rudi Völler nicht für die Weltmeisterschaft nominiert – dafür aber der gänzlich torlose Carsten Jancker. Auch an den altgedienten aber wenig dynamischen Kämpen wie Marko Rehmer, Jens Jeremies oder Christian Wörns hielt Völler damals fest. Deutschland wurde nicht Weltmeister.
Lothar Matthäus kam 20 Jahre nach seinem Debüt und zehn Jahre nach dem Karriere-Höhepunkt, dem WM-Titel, noch zu seinem 150. Länderspiel. Es war kein unwichtiges. Das 0:3 im Gruppenspiel besiegelte das Ausscheiden der Nationalelf bei der EM 2000 in Belgien und den Niederlanden. Für Matthäus hielt Deutschland sogar an einem archaischem System fest: Der Libero war längst nicht mehr zeitgemäß, international setzte man auf die dynamische Viererkette.
Neben Matthäus standen damals übrigens Jens Nowotny und Thomas Linke in der Abwehrreihe. Nowotny vergeigte auch die Euro 2004 in Portugal und war dennoch und trotz geringer Spielpraxis – er hatte seinem Klub Leverkusen verklagt und war daraufhin lange nicht mehr berücksichtigt worden – von Jürgen Klinsmann ins WM-Aufgebot für 2006 berufen worden. Er war keine Verstärkung.
Joachim Löw knüpfte nahtlos an dieses Handlungsmuster an: Vor der Europameisterschaft 2008 gehörten Marko Marin und Patrick Helmes zum erweiterten Kader, machten sich Hoffnungen auf einen Einsatz in Österreich und der Schweiz. Doch Löw gab schließlich den WM-erprobten Oliver Neuville und David Odonkor den Vorzug. Nun gegen Südafrika spielen die Altgedienten: Miroslav Klose und Lukas Podolski. Beide sind in der Bundesliga noch ohne Tor, teils sogar fern jeder Form, während Kießling bislang in jedem Spiel getroffen hat, rennt und ackert.
Die Sportpsychologie kennt dieses Phänomen. «Das ist eigentlich eine durchaus rationale Strategie. Sie basiert auf der Annahme, dass ältere Spieler gerade in kritischen Situationen aufgrund ihrer Erfahrung eher die Übersicht behalten», erklärt Professor Jürgen Beckmann von der TU München. Und Professor Jens Kleinert von der Sporthochschule Köln sieht darin sogar eine generelle Handlungsmaxime: «Wenn es eng oder schwierig wird, greifen wir auf Routinen zurück. Alles was neu oder anders ist, erzeugt ein gewisses Grad an Unsicherheit und wird daher eher gemieden.» Ein Glück für Klose, Pech für Kießling.
kab/news.de
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Die Frage müsste eher heißen, warum denn Cacau dabei ist?? Is doch eh n Brasilianer. :)
jetzt antwortenKommentar meldenSo a Schmarn! Fußball ist ein Mannschaftssport und zeichnet sich auch durch eine gewisse Hierarchie aus. Warum sollte man 2 der besten Stürmer die Deutschkand je hatte (siehe Statistik) aussortieren, nur weil Kießling mal ein paar Tore schießt? Außerdem haben diese Spieler ein hohes Standing in der Mannschaft. Wenn es komplett nach Leistungen gehen würde, dann würden wir uns ja nie einspielen können, weil jedes mal andere dabei wären.
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