Reitsport Neuer Dopingskandal mit Psychopharmaka

Dem deutschen Reitsport droht ein neuer Dopingfall: Bei der fünfmaligen Dressur-Olympiasiegerin Isabell Werth liegt für das Pferd Whisper eine positive A-Probe vor. Die Reiterin wurde suspendiert und darf nicht beim Chio in Aachen starten.

Isabell Werth Doping (Foto)
Ein Pferd der fünfmaligen Dressur-Olympiasiegerin Isabell Werth wurde positiv getestet. Bild: dpa

Wie die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) mitteilte, wurde bei Werths zehnjährigem Wallach beim Internationalen Pfingstturnier in Wiesbaden das Psychopharmaka Fluphenazine gefunden. Am Donnerstag soll es eine Anhörung durch den Internationalen Reitverband (FEI) geben. Werth will nach FN-Angaben die Öffnung der B-Probe beantragen.

«Ich bin erschüttert», sagte FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau: «Das ist eine Katastrophe für den Pferdesport.» Auch DOSB-Präsident Thomas Bach hat betroffen auf den drohenden weiteren Dopingfall im deutschen Reitsport reagiert. «Das ist äußerst bedauerlich», sagte er. «Aber es zeigt eben auch, dass der Verband die richtigen Schritte eingeleitet hat.»

Der Verband kämpft seit Monaten gegen Doping und Manipulation im Reitsport. Vor wenigen Wochen hatte die FN die Kader der drei olympischen Disziplinen aufgelöst und eine unabhängige Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) mit der Befragung der Reiter beauftragt. Auslöser waren der Dopingfund bei Christian Ahlmanns Pferd Cöster während der Olympischen Spiele und Aussagen von Springreiter Ludger Beerbaum über den Umgang mit Medikamenten.

Der Fall Ahlmann: Bei den olympischen Reiterwettbewerben in Hongkong wird Ahlmanns Pferd Cöster positiv auf die verbotene Substanz Capsaicin getestet. Der Internationale Verband sperrt den Springreiter aus Marl wegen verbotener Medikation im Wettkampf für vier Monate.

Der FN, die das Vergehen als Doping wertet und den Reiter für zwei Jahre für das Nationalteam ausschließt, genügt das nicht. Sie reicht Einspruch vor dem Internationalen Sportgerichtshof (Cas) in Lausanne ein. Die Richter geben dem deutschen Verband Recht, Ahlmanns Strafe wird um acht Monate bis zum 20. April dieses Jahres verlängert. Der Reiter selbst hatte argumentiert, das Mittel Equi-Block benutzt zu haben, um den Rücken des Pferdes Cöster einzureiben.

Der Fall Kutscher: Das Pferd Cornet Obolensky erhielt nach der ersten Runde des olympischen Teamwettbewerbes eine Injektion mit den Mitteln Arnika und Lactanase. Diese Medikation durch eine Pflegerin war nicht angemeldet. Die Fei will Kutscher nun suspendieren. Ein entsprechender Antrag an das Sportgericht des Verbandes wurde gestellt, nachdem eine Untersuchung des Vorfalls eingeleitet wurde. Die verbotene Medikation war bei keiner Probe nachgewiesen worden, sondern durch Medienberichte bekannt.

Der Fall Beerbaum: Der viermalige Ludger Olympiasieger Beerbaum sagt über den Umgang mit Medikamenten bei seinen Pferden: «In der Vergangenheit hatte ich die Haltung: Erlaubt ist, was nicht gefunden wird.» Und: «Im Laufe der Jahre habe ich mich darin eingerichtet, auszuschöpfen, was geht.»

FN-Chef Breido Graf zu Rantzau reagierte entsetzt und geschockt und kündigte eine Untersuchung an. Brisant: Die deutsche Springreiter-Mannschaft hatte nach den Olympischen Spielen 2004 in Athen die Goldmedaille verloren, weil bei Beerbaums Pferd Goldfever Spuren von Betamethason gefunden worden war, was zwar nicht als Doping, aber als verbotene Medikation eingestuft wurde.

mas/hav

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Kommentar 1
  • 28.06.2009 15:05

Der Reitsport krankt an Undurchsichtigkeit.Aber wo genau dazwischen die Grenze verläuft, ist nicht klar. Das ist – schlimmer noch – auf nationaler und internationaler Ebene überall dieselbe Vorgehensweise. Jahrelang hat das niemanden gestört. Es war wie eine stille Vereinbarung! „Erlaubt ist, was nicht gefunden wird?“ Erlaubt ist alles, was rasch unter den Teppich gekehrt werden kann. Und erlaubt ist einfach alles! So einfach ist das. Der internationale Verband der Reiter (FEI) und die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) ist nur ein "Geheimbund" von Scheinheiligen, zusammengehalten von alten Männern und Geldsäcken. http://www.premier-thoroughbred-deals.li/ Und die Null-Toleranz-Lösung der FN ist illusorisch, weil keiner diese Symbiose auflösen will. Die Überzeugung - morgen ist alles vergessen - steht in deren "Zuchtbuch" zuoberst! Die Guten kommen in den Himmel, die Bösen in die Hölle, und wo kommen all die Pharisäer hin? Ganz einfach: Zum Reitsport!

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