Bundesliga HSV mit Labbadia einig

Der Hamburger SV und Wunschtrainer Bruno Labbadia sind sich einig, doch Noch-Arbeitgeber Bayer Leverkusen sträubt sich vehement. Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser kritisiert das offensive Werben und das aktuelle Job-Hopping scharf: «Es ist mir zuwider.»

Germany Soccer Hamburg Labbadia (Foto)
Bruno Labbadia diktiert die Konditionen seiner Tätigkeit. Bild: ap

«Der Herr Labbadia hat bei uns noch für ein weiteres Jahr einen Vertrag. Und ich habe den HSV aufgefordert, die Vertragslage zu respektieren», sagte Holzhäuser: «Ich bin verstört über Meldungen, dass er sich mit dem HSV schon einig sein soll.» Außerdem wetterte er grundsätzlich gegen das aktuelle Job-Hopping der Fußball-Trainer: «Es ist mit zuwider.»

Für Holzhäuser ist dies ein Zeichen für einen Sittenverfall. «Ich bin verärgert über die Situation im deutschen Fußball, dass Trainer Verträge eingehen, sie dann kurzfristig beenden - ohne finanzielle Entschädigung für den betroffenen Club», kritisierte er und betonte, er sei soweit, «ein Exempel zu statuieren.» Damit machte er deutlich, dass der sich abzeichnende vorzeitige Ausstieg von Labbadia aus seinem Kontrakt den HSV teuer zu stehen kommen wird.

Dem Vernehmen nach war sich der HSV mit dem Trainerkandidaten Nummer 1 schnell einig über einen längerfristigen Vertrag, einzig die Verhandlungen mit dem Werksclub um eine Ablöse von bis zu einer halben Million Euro gestalteten sich schwierig. Labbadia soll sich aber entschieden haben, seinen Vertrag ein Jahr vor Ablauf bei dem Werksclub zu beenden. Nach einer schlechten Rückserie mit Rang neun, dem gegen Werder Bremen (0:1) verlorenen DFB-Pokalfinale und dem belasteten Verhältnis zwischen Coach und Mannschaft schien eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses als wenig erfolgversprechend.

«Dass es Problemfelder gibt, ist bekannt. Doch das sind interne Dinge, die intern zu besprechen sind», sagte Holzhäuser, der einmal mehr betonte: «Bruno Labbadia ist ein guter Trainer.» Vor allem Hauptsponsor Bayer hat Labbadias Klage gegen eine «Komfortzone» für Spieler, einer vereinsinternen Kampagne und einem gestörten Verhältnis zu Manager Michael Reschke ernst genommen und nach einer Lösung mit Labbadia gesucht. Der Bayer-Vorstandsvorsitzende Werner Wenning soll nach Informationen der Süddeutschen Zeitung dem Coach, der zu Saisonbeginn vom Zweitligisten Greuther Fürth gekommen war, sogar die Doppelfunktion von Traineramt und Managerposten offeriert haben.

«Es gibt noch Dinge zu klären mit Leverkusen», räumte der HSV-Aufsichtsratsvorsitzende Horst Becker ein, «grundsätzlich wäre die Lösung ideal, weil Labbadia Stallgeruch hat und ein junger und ehrgeiziger Trainer ist.» Damit hätten die Norddeutschen nicht einmal zwei Wochen nach dem überraschenden Abschied des Niederländers Martin Jol zu Ajax Amsterdam einen Nachfolger. Mit dem 43-Jährigen war schon vor einem Jahr verhandelt worden, als Huub Stevens den Verein verlassen hatte. Der Hesse soll sich hervorragend präsentiert haben.

«Man sollte immer sehr vorsichtig sein in der Beurteilung von Differenzen zwischen Trainer und Mannschaft», sagte Becker über die Situation bei Bayer. Eine schnelle Einigung mit dem ehemaligen Stürmer, der für die Norddeutschen zwischen 1987 und 1988 41 Bundesliga-Spiele bestritt, bezeichnete er als «ideal». Nach Darmstadt, Fürth und Leverkusen wäre Hamburg die vierte Trainerstation von Labbadia.

«Wir sind ja auch unter Zeitdruck», sagte Becker mit Blick auf die Spielersuche für die kommende Saison. Besonders für den zu Bayern München wechselnden Angreifer Ivica Olic muss Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer in Absprache mit dem neuen Übungsleiter zügig eine Alternative einkaufen. Zudem besteht nach dem Abschied von Bastian Reinhardt und Michael Gravgaard auch in der Abwehr Handlungsbedarf.

hem

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