Diegos Tragödie bei Bremens Sieg
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Von news.de-Redakteur Michael Heinrich
Artikel vom 07.05.2009Ein überragender Diego hat Werder Bremen ins Finale des Uefa-Cups geführt. Nach dem 3:2 (1:1) beim Hamburger SV winkt Bremen der erste große Titel auf europäischer Bühne seit 1992. Diego ist dann allerdings gelbgesperrt zum Zuschauen verdammt.
Bedanken kann sich Diego, dessen Wechsel zu Juventus Turin nach einem Bericht der italienischen Sport-Tageszeitung La Gazzetta dello Sport feststehen soll, bei seinem brasilianischen Landsmann Alex Silva. Nach einer eher harmlosen Szene - Diego hatte im Zweikampf an der Seitenausslinie seinen Gegenspieler attackiert - gerieten die beiden Nationalmannschaftskollegen verbal aneinander. Der belgische Schiedsrichter Frank de Bleeckere zeigte beiden die Gelbe Karte (41.).
«Das ist ein Alptraum, wenn man im Finale nicht dabei sein kann», bedauerte Werder-Trainer Thomas Schaaf seinen Star. Bremens Manager Klaus Allofs sprach sogar von einem Skandal: «Diego wird in jedem Spiel provoziert. Es ist schade, dass so ein Spieler auf diese Weise um ein Finale gebracht wird. Das ist auch nicht gut für den Fußball.»
Zuvor hatte Diego im Stile eines klassischen Spielmachers das Match an sich gerissen und sogar selbst für den Ausgleich gesorgt. Nach einem lehrbuchhaften Doppelpass mit Claudio Pizarro lupfte Diego (29.) den Ball ins Tor und setzte kurz darauf mit einem Schuss (37.) ein weiteres Ausrufezeichen. Hamburgs Torwart Frank Rost lenkte den Ball mit den Fingerspitzen gerade noch an die Latte.
Hamburg war bereits in der 13. Minute durch Ivica Olic in Führung gegangen. Joris Mathijsen hatte den quirligen Kroaten freigespielt. Pizarro (66.) erzielte nach der Pause die Bremer Führung. Beim Schuss des Peruaners aus rund 22 Metern sah Rost alles andere als gut aus. Frank Baumann (83.) machte nach einer Ecke von Diego alles klar. Der zweite Treffer von Olic (87.) konnte daran nichts mehr ändern.
«Wir haben zwei, drei Fehler zuviel gemacht. So kannst du das Spiel nicht gewinnen», bemerkte HSV-Sportdirektor Dietmar Beiersdorf, während die Bremer auf dem Hamburger Rasen tanzten. «Wir haben immer daran geglaubt, immer nachgesetzt, ein Riesenkompliment», gratulierte Schaaf seiner Mannschaft.
Vor 51.000 Zuschauern in der Arena Hamburg hielt das dritte Aufeinandertreffen der Nordrivalen, was die beiden Duelle zuvor versprochen hatten. Im DFB-Pokal hatte Bremen (3:1 i.E.) Hamburg bereits den ersten K.o.-Schlag versetzt. Das Hinspiel im Uefa-Cup hatte dagegen der HSV 1:0 gewonnen. Man kannte sich also bestens. Entsprechend ohne langes Abtasten gingen beide Mannschaften sofort voll zur Sache und lieferten sich streckenweise einen packenden Kampf.
In einem körperlich harten Spiel mit vielen Fouls und aufgeheizten Emotionen hatte Hamburg die besseren Chancen, zog sich aber nach der Führung zu weit zurück. Bremen kam durch Diego zum Ausgleich. Nach der Pause hätte Hamburg jedoch wieder in Führung gehen müssen. In der 61. Minute setzte sich Marcell Jansen auf der rechten Seite durch und passte quer in die Mitte. Der Ball lief parallel zur Torlinie durch den Strafraum. Jonathan Pitroipa rutschte vorbei. Den Nachschuss von Piotr Trochowski parierte Wiese mit dem Fuß.
Spätestens nach dem Rückstand durch Pizarro wurde aus der zu keiner Zeit taktischen Partie ein offener Schlagabtausch. Alex Silva scheiterte mit einem strammen Schuss aus 20 Metern an Wiese. Auf der anderen Seite hatte Pizarro (71./76.) bereits zweimal das 3:1 auf dem Fuß. Rost reagierte jedoch mindestens so stark wie sein Gegenüber Wiese. In den letzten Minuten beim Stande von 2:3 aus Hamburger Sicht ging dann sogar Rost mit nach vorn.
Im Finale am 20. Mai in Istanbul wartet auf Bremen der ukraninische Verein Schachtjor Donezk, der sich Stunden zuvor gegen Dynamo Kiew mit 2:1 (1:0) durchgesetzt hatte. «Ob wir da mit Diego gewinnen oder ohne ihn. Wir sind reif für diesen Titel», erklärte Wiese.
Die Aufstellungen:
Hamburger SV: Rost - Demel (63. Boateng), Gravgaard, Mathijsen, Jansen (77. Aogo) - Jarolim, Alex Silva (72. Benjamin) - Pitroipa, Trochowski - Olic, Petric
Werder Bremen: Wiese - Fritz, Mertesacker (53. Prödl), Naldo, Boenisch - Baumann - Frings, Özil - Diego - Pizarro (90. Niemeyer), Rosenberg (62. Hugo Almeida)
Schiedsrichter: De Bleeckere (Belgien)
Zuschauer: 51.000
Tore: 1:0 Olic (13.), 1:1 Diego (29.), 1:2 Pizarro (66.), 1:3 Baumann (83.), 2:3 Olic (87.)
Gelbe Karten: Boateng, Jarolim, Alex Silva / Hugo Almeida, Naldo, Diego