Zum letzten Länderspiel wollte keiner mehr kommen
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Von Jens Mende
Artikel vom 27.02.2009Die Proficlubs aus Cottbus und Rostock kämpfen gegen den Abstieg. Doch insgesamt ist es um den Fußball im Osten nicht schlecht bestellt. Auch 20 Jahre nach dem Mauerfall bringen die neuen Länder noch viele Spitzenfußballer hervor.
Inzwischen gibt es 27 deutsche Nationalspieler von Andreas Thom über Ulf Kirsten und Bernd Schneider bis hin zu Robert Enke und Michael Ballack, die ihr Fußball-ABC noch in der DDR gelernt hatten.
Auf genau 627 Länderspiele für das wiedervereinte Deutschland haben es die prominenten Grenzgänger gebracht. «Der FCK hieß eines Tages Chemnitzer FC. Und die KJS plötzlich Sportgymnasium», erinnert sich DFB-Kapitän Ballack, im sächsischen Görlitz geboren, in Karl-Marx-Stadt aufgewachsen und jetzt in London zuhause, an die Wende-Monate.
Die 15 sportbetonten Fußballschulen, die seit 1996 vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) gefördert werden, liegen allesamt auf dem Gebiet der neuen Bundesländer und sind als Nachfolger der Kinder- und Jugendsport-Schulen (KJS) inzwischen wieder anerkannt. Im Wendejahr 1989 war auch Ballack als 13-Jähriger Schüler der KJS geworden. «Die Einführung der Eliteschulen ist ein weiterer konsequenter Schritt in der Nachwuchsförderung», erklärt Matthias Sammer, der inzwischen maßgeblich das Konzept der DFB-Talente-Projekte prägt. Sammer selbst hatte die Dresdner Fußballschule durchlaufen und steht heute als Symbol für die Vereinigung.
11. September 1990 - das 293. und letzte Länderspiel der DDR-Auswahl in Belgien: Von 36 Kandidaten wollten nur noch 12 mitmachen, einer davon war Matthias Sammer. «Es war ein Länderspiel. Da wäre es nicht fair gewesen, einfach zu kneifen», sagte der zweifache Torschütze damals. Das 2:0 in Brüssel war für den Sachsen «vielleicht auch eine Trotzreaktion auf die vielen fadenscheinigen Absagen». Zum damaligen Zeitpunkt konnte der gerade von Dynamo Dresden zum VfB Stuttgart gewechselte Profi noch nicht wissen, dass er weiter deutsch-deutsche Geschichte schreiben würde.
Denn am 19. Dezember 1990 durfte Sammer in seiner schwäbischen Wahlheimat im Spiel gegen die Schweiz (4:0) als erster Ossi das Trikot mit dem Bundesadler überstreifen. 23 Spiele für die DDR, 51 für das wiedervereinte Deutschland absolvierte Sammer.
Als vor fast 20 Jahren, am 9. November 1989, der eiserne Vorhang fiel, hatten sich die Top-Manager der Bundesliga im Eiltempo auf die besten Ost-Stars gestürzt. Rund 150 ehemalige DDR-Spieler gingen bereits in den ersten fünf Jahren nach der Wende in die alten Bundesländer und unterschrieben Verträge in der 1. oder 2. Bundesliga.
Das WM-Qualifikationsspiel der DDR in Österreich (0:3) nur sechs Tage nach dem Mauerfall wurde zum ersten offiziellen Schaulaufen, schon kurz vor Weihnachten 1989 war der 2,8-Millionen-Mark-Deal zwischen dem DDR-Serienmeister BFC Dynamo und Bayer Leverkusen über den Transfer von Andreas Thom perfekt. «Manchmal denke ich, ich hätte mir gewünscht, dass die Mauer nur ein Vierteljahr später aufgegangen wäre», erinnerte sich Eduard Geyer, der letzte DDR-Auswahltrainer. Für Geyer und sein Team war der WM-Traum nach dem Österreich-Spiel geplatzt.
Am 19. Juli 1990 verabschiedeten die Fußball-Verbände DFV und DFB die Modalitäten der Vereinigung: Zwei Ost-Teams (Hansa Rostock und Dynamo Dresden) durften in der Bundesliga ran, sechs in der 2. Liga. Inzwischen gibt es nur noch einen Erst- und einen Zweitligisten aus den neuen Ländern. Doch der Fußball im Osten lebt weiter.
mik/ruk