Handball-WM Ein versöhnlicher Abschluss

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat das Spiel um Platz fünf gegen Ungarn mit 28:25 (16:13) gewonnen. Damit hat das Team einen Schlussstrich unter das turbulente Turnier gezogen. News.de zieht ein Fazit - samt Einzelkritik der deutschen Spieler.

Michael Müller und Martin Strobel (Foto)
Michael Müller (l.) und Martin Strobel liegen sich nach dem Sieg in den Armen. Bild: ap

Heiner Brand hatte nach dem Schlusspfiff einen entspannten Gesichtsausdruck und auch die Spieler konnten auf dem Siegerfoto wieder lachen. Kurzum, der Spaß ist zurückgekehrt ins deutsche Team, nachdem es sich zuletzt über die Schiedsrichterleistungen und das verpasste Halbfinale geärgert hatte.

Auch Abwehrspieler Oliver Roggisch war mit dem gelungenen Abschluss hochzufrieden: «Wenn man sieht, mit wie viel Begeisterung die Mannschaft gespielt hat, muss man sagen, dass wir alles richtig gemacht haben.»

«Mit dem fünften Platz kann ich gut leben. Man muss der Mannschaft ein großes Kompliment machen, dass sie noch einmal bis an ihre Grenzen gegangen ist», lobte Brand das Team für seine Einstellung. «Langsam ist auch die Enttäuschung über das verpasste Halbfinale weg.»

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft: Mission Titelverteidigung gescheitert

Das Platzierungsspiel gegen Ungarn um Platz fünf geriet bei all dem Trubel zuvor etwas ins Hintertreffen. Doch wie versprochen zeigten die Deutschen ansatzweise, wie gut sie trotz neuer Zusammensetzung als Team funktionieren. Einziger Spaßverderber auf Seiten der Ungarn war Laszlo Nagy. Der 2,09 Meter große Rückraumspieler war der Mann der Anfangsphase und traf nach Belieben.

Auf deutscher Seite war Rückraumspieler Lars Kaufmann bester Werfer zu Beginn der Partie. Er erzielte fünf der ersten elf Tore für die deutsche Mannschaft. Teilweise aus dem Stand und auf gut Glück. Diese Aktionen aber fanden nicht das Wohlwollen des Bundestrainers. Deshalb nahm Heiner Brand eine Auszeit und appellierte an seine Schützlinge, die Angriffe besser vorzubereiten.

Das gelang in der Folge auch. Bei der deutschen Mannschaft entwickelte sich ein flüssiges Angriffsspiel, bei dem Gefahr von allen Positionen ausging. Kurz nach der Pause schlich sich dann wieder etwas Nachlässigkeit ein und die Angriffe verloren an Kreativität. Ungarn profitierte davon und kam bis auf 15:16 heran.

Doch die deutsche Mannschaft erinnerte sich an ihre Vorgabe, auch das letzte Spiel bei dieser WM für die Fans zu spielen und zog auf 23:16 davon. Dies war der Zeitpunkt, an dem der ungarische Trainer Laszlo Skaliczky entnervt von der Überlegenheit des deutschen Teams eine Auszeit nahm. Zu spät jedoch, um dem Spiel noch einmal eine Wende zu geben.

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Johannes Bitter: Der Torwart vom HSV Hamburg hat eine überzeugende WM gespielt mit vielen Glanzpunkten. Lediglich im Spiel gegen Tunesien hatte der Schlussmann einen rabenschwarzen Tag erwischt.

Carsten Lichtlein: Lichtlein war lange Zeit die Nummer drei hinter Henning Fritz und Johannes Bitter. Bei dieser WM konnte er endlich aus dem Schatten heraustreten. Wann immer er kam, bot er eine gute Leistung. Sein bestes Spiel machte er gegen Polen.

Silvio Heinevetter: Eine Bereicherung im deutschen Team, weil er als kleinster unter den drei deutschen Torleuten einen ganz anderen Bewegungsablauf hat als seine beiden Teamkollegen. Heinevetter zeigte überragende Reflexe und ein tolles Stellungsspiel. Gegen Ungarn setzte er noch einmal ein Ausrufezeichen für die Zukunft in der Nationalmannschaft.

Christian Sprenger: Bereits im Auftaktspiel gegen Russland erlitt Sprenger einen Innenbandriss im rechten Knie und musste die Heimreise antreten.

Torsten Jansen: Eine Bank im deutschen Team - auch wenn er bei dieser WM seinem Ruf als eiskalter Torschütze bei Siebenmetern nicht gerecht werden konnte. Mit 38 Toren einer der erfolgreichsten Torjäger der DHB-Auswahl.

Dominik Klein: Der Linksaußen vom THW Kiel bot stets eine solide Leistung und gefiel auch in der Abwehr. Ein mitreißender Spieler mit viel Talent.

Pascal Hens: In den ersten beiden Spielen Leistungsträger und Torjäger im deutschen Team, der im Turnierverlauf aber immer häufiger in Einzeldeckung und damit aus der Partie genommen wurde. Auffälliger Schwachpunkt: Hens ist wurfgewaltig, zielt aber zu oft - und damit berechenbar - auf die linke Torhälfte. Sein Ausfall durch eine Oberschenkelverhärtung wurde durch das Team gut abgefangen.

Lars Kaufmann: Der Mann mit dem härtesten Wurf im Team - leider allzu oft auch zu ungenau im Abschluss. Taktisch hat er noch viel Nachholbedarf, allerdings hat sein Drang zum Tor und sein Selbstbewusstsein auch viel Spaß bereitet. Nach Hens' Verletzung drehte er mächtig auf und glänzte auch gegen Ungarn.

Martin Strobel: Ein großes Talent, das zusammen mit Michael Kraus ein starkes Duo im Spielaufbau bildet. Strobel ist teilweise noch zu zögerlich, wenn es darum geht, selbst den Abschluss zu suchen, aber er hat geniale Ideen, wie er den Ball an seine Mitspieler verteilen kann.

Holger Glandorf: Zwei Spiele brauchte der Rückraumspieler der HSG Nordhorn, um ins Turnier zu finden, dann aber war er einer der Leistungsträger. Mit enormem Durchsetzungsvermögen und großer Treffsicherheit ist Glandorf einer der Gewinner bei der WM. Zudem war er Deutschlands bester Werfer mit 43 Toren.

Michael Müller: Im halbrechten Rückraum eingesetzt kam mit Müller jederzeit frischer Wind ins deutsche Spiel. Der Großwallstädter rechtfertigte seine Nominierung durch eine konstant gute Leistung.

Stefan Schröder: Der Hamburger kam gut ins Turnier, wurde dann aber von einer Grippe ausgebremst. Schade, von ihm hätten wir gerne etwas mehr gesehen.

Sebastian Preiß: Viele hatten sich gefragt, wie Kreisläufer Christian Schwarzer ersetzt werden könnte. Die Antwort heißt Sebastian Preiß. Der 26-Jährige war immer eine treffsichere Option.

Christian Schöne: Dass der Rechtsaußen von Frisch Auf Göppingen seinen Einstand gegen Mazedonien im Turnierverlauf nicht mehr steigern würde, war nach diesem grandiosen Auftritt klar. Dass es mit der Treffsicherheit im nächsten Spiel gegen Polen allerdings so rapide bergab ging, bremste die Euphorie. Mit mehr Konstanz hat er eine aussichtsreiche Zukunft vor sich.

Jens Tiedtke: Die Nummer zwei hinter Preiß am Kreis und gegen Ungarn zweitbester Werfer. Tiedtke hat bei dieser WM trotz seiner Reservistenrolle überzeugt.

Oliver Roggisch: Niemand schaut so unschuldig und ist so knallhart in der Verteidigung. Roggisch ist der Fels in der Defensive.

Michael Kraus: Der deutsche Spielmacher konnte aufgrund einer Wadenverletzung ins zweite Spiel des Turniers eingreifen. Das Verletzungspech blieb ihm treu - Kraus musste sich bald mit einer Sprunggelenksverletzung von der WM verabschieden. Dazwischen leitete er die Angriffe seines Teams sehr überzeugend. Und strahlte mit 27 Treffern auch eine enorme Torgefahr aus.

Sven Sören Christophersen: Als letzter Nachrücker hinzugekommen, konnte er wenig von sich zeigen. Aber mit seinen 23 Jahren hat er dafür auch noch einige Turniere Zeit.

Heiner Brand: Der Bundestrainer hat bestimmt einige graue Haare mehr auf dem Kopf und im Schnurrbart: Verzweiflung, Wutattacke mit erhobener Faust und die Verletzung seines Spielmachers. Brand hat wieder einmal ein tolles Team zusammengestellt und Handball-Deutschland bestens unterhalten. Wir freuen uns schon auf die EM 2010 in Österreich.

Die Fotostecke mit dem deutschen Team bei der WM in Kroatien gibt es hier.

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