Tour Down Under Armstrongs letztes Gefecht

12 Uhr Mittags – high noon, wie es in Texas heißt: Lance Armstrong hält Audienz im noblen Hilton Hotel in Adelaide. Ganz in Wildwestmanier stehen vor der Tür ein paar Revolverhelden. Am Gürtel sieht man ihre Waffen blitzen. Hier beginnt das letzte «Gefecht» des Lance Armstrong.

Australia Cycling Tour Down Under (Foto)
Lance Armstrong will wieder angreifen. Bild: ap

Die Sicherheitsvorkehrungen sind enorm, wie sonst nur, wenn ein ausländischer Staatschef zu Gast ist. Auch im Rennen wird sich das nicht ändern, neben Materialwagen, Kameramotorrädern und Jurywagen wird Armstrong extra einen Motorradpolizisten und zwei Streifenwagenbesatzungen als Begleitschutz erhalten. Irgendwo fährt zudem noch ein Beamter in einem Zivilfahrzeug, und vom Veranstalter bekommt Armstrong für die restliche Zeit einen Bodyguard.

Angst hat der 37-Jährige trotzdem. Zur großen Überraschung der versammelten, riesigen Journalistenschar äußert der siebenmalige Gewinner der Tour de France sportliche Zweifel. Sollte er als erster Fahrer ausscheiden, wäre das eine Katastrophe, räumt der imagebewusste Texaner ein. Das erste mögliche Horrorszenario auf dem nicht in die Gesamtwertung einfließenden Nachtkriterium hat er immerhin gestern schon abgewendet.

Auf der nur 1,7 Kilometer langen Runde in Adelaides Innenstadt im Renntempo über den Asphalt zu donnern, hätte für ihn leicht fatal enden können. «Auf der Karte sieht der Kurs leichter aus, aber das ständige harte Bremsen vor den Kurven, das Beschleunigen danach in einem Pulk von 60, 70 Fahrern macht es gefährlich», bemerkt Armstrong, der sich aus allem heraushielt und 64. von 133 Startern wurde. Noch fehlt ihm, was die Fahrer Rennhärte nennen.

1274 Tage sind seit Armstrongs letztem Auftritt vergangen. Dennoch sieht er braun und fit aus. Sollte er die erste Etappe morgen überstehen und nicht ein Defekt oder ein Sturz dazwischen kommen, gibt es keinen Zweifel: Armstrong wird nicht nur mitrollen. «Wenn sich die Gelegenheit bietet, werde ich angreifen. Ich werde mich zeigen», beteuert er. Eines solchen Liebesbeweises bedarf es hier jedoch nicht einmal.

Ohnehin feiern die Australier Armstrong. Der Hype um den Star ist riesig und bricht alle Rekorde. Gestern kamen nach offiziellen Angaben 138.000 Zuschauer an die Strecke. Schon seine eigentlich geheime Ankunft geriet zum Spektakel, und sogar der südaustralische Premier Mike Rann sonnte sich im Glanze Armstrongs, sprach vom wichtigsten Sportereignisses in der Geschichte seines Bundesstaates. Kritische Töne, wie sie den mehrmals in seiner Karriere des Dopings verdächtigten Radprofi in Frankreich bei der Tour erwarten werden, hört man Down Under nicht.

Es ist Armstrong selbst, der die Dopingkontrollen anspricht. Seine Zusammenarbeit mit dem anerkannten Experten Don Catlin soll für Glaubwürdigkeit sorgen, möglichen neuen Triumphen jeden Schatten nehmen. «Es ist das umfassendste Anti-Dopingprogramm der Geschichte des Sports. Darauf bin ich stolz», betont Armstrong, der nach eigener Auskunft bisher zwölf Mal kontrolliert wurde. Noch ist keines der Testergebnisse im Internet zu sehen.

Armstrong kann sicher sein, dass mindestens eine der 200 angekündigten Dopingkontrollen während der sechstägigen Rundfahrt ihn treffen wird. Genauso sicher ist er, dass seine Proben negativ sein werden – schließlich arbeitet Catlin in seinem Auftrag. Ob es sich tatsächlich um das größte Anti-Dopingprogramm der Geschichte handelt oder um den größten Schwindel, das wird, wenn überhaupt, erst die Zukunft zeigen. Die Proben werden acht Jahre lang aufbewahrt.

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Kommentar 1
  • 20.01.2009 07:45

Hallo ! Ich finde Lance Armstrong ist super,er zieht die Massen an und seine Leistung wird noch lange unerreicht bleiben. Sein Ehrgeiz ist so stark das er alles im griff hat, super. Ich glaube nicht das Lance mit Doping was zu tun hat, das ist doch nur der Neid. Reini

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig