Robert Förster Deutsche Fahrer im Ausland nicht beliebt

Sprintass Robert Förster wagt in der kommenden Saison einen Neuanfang im Team Milram. Im Interview mit news.de spricht der 30-jährige ehemalige Gerolsteiner-Profi über Ziele, das Kontrollsystem und die letzten Überlebenden im Radsport.

Robert Förster (Foto)
Robert Förster ist trotz allem optimistisch. Bild: dpa

Der Radsport in Deutschland ist tot, erheben Sie gegen diese Aussage Einspruch?

Förster: (nippt nachdenklich an seinem Latte Macchiato) Es gibt zumindest nicht viele Überlebende. Von ehemals drei deutschen ProTour-Teams existiert nur noch eins, die zweite Kategorie gibt es überhaupt nicht mehr und selbst die Teams der dritten brechen reihenweise weg. Es gibt wirklich nicht mehr viele Optionen für einen guten Radprofi und auch kaum noch Rennen. Dadurch sind bereits viele Talente auf der Strecke geblieben.

Zwei ihrer ehemaligen Teamkollegen sind die Hauptschuldigen an dieser Misere. Wären Stefan Schumacher und Bernhard Kohl nicht beide bei der Tour de France des Dopings überführt worden, könnte man noch von einem Neuanfang durch die junge Generation sprechen. Fühlen Sie sich betrogen?

Förster: Das kann man sagen. Noch letztes Jahr um die Zeit habe ich gedacht, wir haben die Situation unter Kontrolle. Unser Teamchef Hans-Michael Holczer hat versucht, uns unsere Werte zurückzugeben. Er hat immer gesagt: «Jungs, ihr seid die Zukunft». Auch ich bin für Kohl im Wind gefahren, habe für ihn meine Siegchancen geopfert. Der Lohn dafür war ein Arschtritt. Mittlerweile muss man bei Trainingsfahrten aufpassen, dass man nicht von einem Auto umgefahren wird, weil man ein Gerolsteiner-Trikot trägt.

Und trotzdem wollen Sie hier bleiben und für ein deutsches Team starten. Warum gehen Sie nicht ins Ausland? Da haben es Radprofis noch leichter.

Förster: Deutsche nicht. Außer Sebastian Lang und Fabian Wegmann ist mir auch keiner bekannt, der von einem ausländischen Rennstall ein Angebot erhalten hätte, obwohl durch die Auflösung des Teams Gerolsteiner mit einem Schlag 23 Topfahrer zum Schnäppchenpreis zu haben waren. Deutsche Fahrer sind im Ausland nicht allzu beliebt.

Warum ist das so?

Förster: Holczer hat sich in den Augen der anderen Radsportler zu weit aus dem Fenster gelehnt. Sie glauben, es sei illusorisch, das Doping aus dem Radsport zu verdrängen. Die Teams würden mit den deutschen Fahrern außerdem die deutsche Presse ins Haus holen. Das schreckt ab. Bei der Tour de France hat die ARD in diesem Jahr beispielsweise mehr über das Thema Doping berichtet, als über den Sport. Das kommt bei den Veranstaltern und natürlich auch bei den Teams nicht gut an.

Lesen Sie auf Seite 2, warum sich Förster abmelden muss, wenn er ins Kino geht

Der Radsport gibt den Medien aber auch immer wieder Anlass zu dieser Art der Berichterstattung. 2006 wurde das Idol schlechthin, Jan Ullrich, in die Operacion PuertoBei dieser Razzia wurden Blutbeutel und eine Liste mit Codenamen von Radrennfahrern bei dem spanischen Arzt Eufemiano Fuentes beschlagnahmt. verwickelt, dann kam heraus, dass im Team Telekom jahrelang systematisches Doping praktiziert wurde. Immer weitere Deutsche wurden seitdem überführt, zuletzt Schumacher. Was tut der deutsche Radsport also gegen das Problem?

Förster: Mehr als andere Sportarten.

Inwiefern?

Förster (krempelt seinen linken Ärmel hoch und zeigt einen Einstich in der Vene): Die Kontrolleure waren gerade erst da. Es war die 35 Kontrolle in diesem Jahr. Wir werden häufiger kontrolliert als alle anderen, und wir legen alle Daten offen: Blutwerte, Aufenthaltsorte, wann und wo wir trainieren, alles. Wir müssen jede Bewegung, die länger als zwei Stunden dauert, an das so genannte Adamssystem melden.

Wie funktioniert das?

Förster: Wenn ich spontan etwas unternehmen möchte, beispielsweise mit meiner Freundin ins Kino gehe, muss ich das melden, damit die Kontrolleure wissen, wo sie mich für den Fall eine unangemeldeten Trainingskontrolle finden. Ich kann das per SMS machen. Trifft mich der Kontrolleur nicht an dem genannten Ort an, versucht er noch zirka eine Stunde mich telefonisch zu erreichen und ich habe zwei weitere Stunden Zeit, mich bei ihm zu melden. Danach gilt der Test als verpasst. Beim zweiten verpassten Test droht bereits eine Sperre. Außerdem gibt es verschiedene Kontrollen durch NADA, UCI und so weiter. Meinem Teamkollegen Volker Ordowski ist es einmal passiert, dass er innerhalb von 24 Stunden dreimal kontrolliert wurde.

Diese Richtlinien für Trainingskontrollen wurden auch in der letzten Saison schon angewendet. Schumacher ist trotzdem durch das Netz geschlüpft.

Förster: Richtig. Ich weiß aber nicht, ob die Mediziner auffällige Blutwerte nicht bemerkt haben oder ob das CeraEPO der dritten Generation, baut sich schneller im Körper ab, als seine Vorgänger. , das Schumacher verwendete, die Werte nicht verändert hat.

Wenn man sich also nicht einmal auf die Test verlassen kann, wem soll man noch glauben? Ich kann mich übrigens noch gut an ein Gespräch mit Schumacher am Rande der Sachsen-Tour 2006 erinnern. Er beteuerte, er sei sauber, würde vom Doping schon aus Sorge um seine Gesundheit die Finger lassen. Er stand für die so genannte neue Generation.

Förster: Für die Glaubwürdigkeit des Radsports war seine Überführung natürlich der Todesstoß. Allerdings wäre das Team Gerolsteiner auch so aufgelöst worden. Holczer hatte uns schon vorher die Freigabe gegeben, weil er keinen Sponsor fand. Und wenn mich jemand fragen würde, warum sich eine deutsche Firma im Radsport engagieren sollte, wüsste ich auch keine Antwort.

Lesen Sie auf Seite 3, was man in der kommenden Saison vom Team Milram erwarten kann

Nordmilch wagt sich dennoch als Sponsor in den Radsport, auch wenn das Engagement nach der Entlassung von Marketing-Vorstand Martin Mischel auf tönernen Füßen steht. Mischel galt als Unterstützer des Radsports. Milram steht also 2009 auf dem Prüfstand. Wie beschreiben Sie Ihre Mission?

Förster: Wir sind die letzten Überlebenden. Wir müssen alle die Verantwortung begreifen, die wir für unseren Sponsor und auch für die nächste Generation haben. Was wir verbocken, muss der Nachwuchs ausbaden. Es gibt keine Toleranz mehr.

Welche sportliche Rolle kommt Ihnen zu?

Förster: Entweder wir fahren zweigleisig und ich sorge für Sprintsiege oder ich mache für Gerald Ciolek den letzten Mann, ziehe ihm den Spurt an. Es sind viele neu im Team. Das muss sich erst einmal einspielen.

Also kann man sportlich gar nicht so viel erwarten?

Förster: Doch, es sind die mit Abstand besten deutschen Fahrer, die in diesem Team stehen. Ich erwarte von vielen einen riesigen Sprung nach vorne. Gerolsteiner haben die anderen Fahrer immer schon gehasst, weil wir so schwer auszurechnen waren. Es konnten immer mehrere aus unserem Team gewinnen. Zu Milram sind viele Topleute dazu gekommen. Das gibt allen einen Kick. Ich hoffe, dass wir das neue Hass-Team werden. In jedem Fall wird man uns Blaue oft vorne sehen.

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