Sonntagsspiele Hoffenheims Volltreffer

Ibisevic, Obasi, Ba: Der Hoffenheimer Traum-Sturm (Foto)
Offensives Duo: Demba Ba (l.) und Chinedu Obasi. Bild: dpa

Von Ulrike John
Auf dieses Spiel freut sich ganz Bundesliga-Deutschland: der Tabellenführer trifft auf den Verfolger. Anders gesagt, der HSV ist zu Gast in Hoffenheim. Ein guter Anlass, die Tormaschine des Neulings mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Sie treiben ihre Gegner zur Verzweiflung, ihren Marktwert in die Höhe und die Fans scharenweise ins Stadion: Demba Ba, Vedad Ibisevic und Chinedu Obasi, die Angriffs-Formation des Bundesliga-Neulings Hoffenheim, gilt als der derzeit beste Sturm im deutschen Profi-Fußball.

Der Erfolg der Kurpfälzer aus dem 3300-Einwohner-Dorf liegt in der mannschaftlichen Geschlossenheit. Zu den treffsicheren Stürmern gesellen sich auch die angriffslustigen Mittelfeld-Akteure Carlos Eduardo, Luiz Gustavo und Sejad Salihovic.

«Wir haben viele Spieler, die torgefährlich sind. Unsere drei Stürmer sind zur Zeit unglaublich effektiv und wir haben einfach Freude, nach vorne zu spielen», sagt der bosnische Freistoßspezialist Salihovic. Nur Werder Bremen war mit 22 Treffern bisher erfolgreicher als die Hoffenheimer (21). Ibisevic steht zudem mit neun Saisontreffern an der Spitze der Torjägerliste. Der Landsmann von Salihovic führt auch die Scorerliste an, hat schon vier Treffer vorbereitet.

Auf vielen Umwegen ist der 24-Jährige im Nordbadischen gelandet. Er wurde im bosnischen Vlasenica geboren, seine Familie dann nach Tuzla vertrieben. Später zog sie in die Schweiz, dann nach St. Louis in die USA. Die furchtbaren Kriegserlebnisse und die Odyssee haben Ibisevic stärker werden lassen: «Man weiß besser, mit irgendwelchen Kleinigkeiten im Alltag umzugehen, weil man härtere Sachen gesehen hat.»

Ibisevic wollte in Amerika unbedingt zurück in den europäischen Fußball, landete 2004 bei Paris St. Germain und zwei Jahre später bei Alemannia Aachen. Von dort holten ihn die Hoffenheimer - sehr zum Ärger des damaligen Trainers Guido Buchwald - für 1,2 Millionen.

Über den norwegischen Club Lyn Oslo kam der Nigerianer Chinedu «Edu» Obasi (22) für eine Ablöse von 5,5 Millionen Euro nach Deutschland. Der in Frankreich geborene Senegalese Ba (23) wechselte von Excelsior Mouscron in Belgien für knapp drei Millionen nach Hoffenheim. Obasi fehlte zum Saisonstart, weil er mit Nigeria Silber in Peking gewann. Rangnick hatte ihn zu den Olympischen Spielen ziehen lassen, weil er und seine Familie in seiner Heimat massiv unter Druck gesetzt worden waren.

Aus China brachte Obasi noch eine Verletzung mit, doch allmählich kommt der neunmalige Nationalspieler richtig in Schwung. Obasis Vertrag läuft wie der von Ba bis 2011. «Wenn einer für Obasi zehn Millionen bietet, würde ich nur lachen», sagte Hoffenheims Manager Jan Schindelmeiser der Rhein-Neckar-Zeitung. «Wir wollen unsere junge Mannschaft zusammenhalten.»

Spektakulärster Angreifer ist Ba, der auf seinen dünnen Beinen die gegnerischen Abwehrreihen nur so durcheinanderwirbelt. «Er ist ein richtig geiler Typ. Es macht aber keinen Spaß, gegen ihn zu spielen», sagte Rangnick über den gläubigen Moslem, dem sein Konkurrent Ibisevic bei der Eingewöhnung geholfen hatte. Ba will, so kündigte er fröhlich an, «der beste Stürmer in der Bundesliga werden».

Lesen Sie auf Seite 2, was der Tabellenführer aus Hamburg über Hoffenheim sagt

Die Vorfreude auf das Spitzenspiel ist beim HSV durch die schlimme Verletzung von Thimothee Atouba getrübt. «Das ist sehr tragisch für uns und ihn», sagte Sportchef Dietmar Beiersdorfer nach dem 2:1 bei MSK Zilina angesichts des an Krücken durch die Hotelhalle humpelnden Kameruners, der die Achillessehne heute in Hamburg untersuchen lassen will. Bestätigt sich der Verdacht auf einen Anriss, droht dem Spieler ein halbes Jahr Pause.

«Uns gehen langsam die Leute aus», sagte Torhüter Frank Rost gestern in Zilinia. Und fügte im Hinblick auf die Partie am Sonntag in Hoffenheim hinzu: «Wir müssen dort eine Schippe drauflegen, denn es wartet größere spielerische Qualität auf uns als hier in der Slowakei.»

«Es wird einerseits schwer in Hoffenheim, die ausgeruht auf uns warten», befürchtete Trainer Martin Jol, «und natürlich hat dieses Auswärtsspiel viel Kraft gekostet.» Der starke Aufsteiger habe einen exzellenten «Mannschaftsspirit und fühlt sich fast unschlagbar». Andererseits hat auch der HSV einen Lauf: «Wir haben jetzt 13 Pflichtspiele hinter uns, davon nur eins in Wolfsburg verloren», führte der ruhige Holländer an.

Torgarant Mladen Petric, der in seiner kurzen Zeit für die Hanseaten bereits acht Treffer erzielt hat, erklärte seine persönliche Lockerheit mit der Geburt seiner Tochter: «Ich habe gemerkt, dass viele Sachen nebensächlich sind.» Vor dem nächsten Gegner, auf den sich die Hamburger bereits in Zilina noch in der Nacht auf den mitgebrachten Fahrrad-Ergometern einstimmten, hat der Kroate allerhöchsten Respekt: «In Hoffenheim ist eine ganze Stadt im Rausch, sie sind auf dem emotionalen Höhepunkt und haben nichts zu verlieren.»

Der VfB Stuttgart will nach der Schlappe im Uefa-Cup Wiedergutmachung betreiben. Zu Gast ist der VfL Bochum. Gästetrainer Marcel Koller will dennoch in seinem 100. Spiel in der Bundesliga «etwas mitnehmen» und eine lange Serie beenden: 1987 gewann der VfL das letzte Mal bei den Schwaben.

Kollers Schweizer Landsmann Lucien Favre plagen vor dem Gastspiel in Dortmund ganz andere Sorgen: Gleich zwölf Spieler stehen bei Hertha BSC Berlin auf der Verletztenliste, unter anderem Kapitän Friedrich, Dardai, Stein, Simunic und Woronin. Für den Ukrainer dürfte Pantelic in die Startelf rücken. Der BVB hofft auf die Rückkehr von Mittelfeldmotor Hajnal nach einem Muskelfaserriss und eine schnelle Genesung des erkälteten Schweizers Frei.

sbe

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