Geheimsache Doping
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«Es gibt saubere Athleten - werden wir aber auch saubere Siege sehen?», fragt Angel Heredia, einst einer der größten Doping-Dealer im Weltsport. Vor Beginn der Leichtathletik-WM macht sich Angst breit, dass Berlin eine große Bühne für Betrüger werden könnte.
«Ich hatte 45 Athleten, von denen 32 zur Weltklasse zählten», berichtete der Mexikaner Heredia den ARD-Reportern Hajo Seppelt und Rolf Kempe. Heredia ist einer der Insider, der im Film Geheimsache Doping, der heute gegen Mitternacht im Ersten ausgestrahlt wird, erzählt, was hinter der schillernden Fassade der olympischen Kernsportart und in der vermeintlich effektiven Dopingbekämpfung geschieht: Wie Athleten bis zur Perfektion gedopt, Dopingkontrolleure ausgetrickst, kriminelle Netzwerke gesponnen werden, das große Geld verdient wird - und die Sünder dabei jahrelang nicht erwischt werden.
Heredia lieferte seinen Kunden nicht nur verbotene Mittel von Anabolika bis zum Wachstumshormon, sondern auch detaillierte Wochenpläne für Anwendung und Medikation - mit dem Ziel, dass sie stärker wurden und nicht positiv getestet werden konnten. «Es ist ein Kinderspiel», sagte Heredia, der vor laufender Kamera Doping-Mittel mixte. Der Mexikaner belastet unter anderem den österreichischen Athletenmanager Robert Wagner, der den Kontakt zu dem Mittelamerikaner in den Jahren 2004/05 gesucht hatte. «Wir haben über nichts anderes als Doping geredet», sagte Heredia. Wagner habe Doping-Mittel bei ihm gekauft und bezahlt: «Ja, in bar.»
Ausführlich schilderte auch der österreichische Sportmanager Stefan Matschiner, zu dessen Schützlingen der Radprofi Bernhard Kohl zählte, seine Doping-Aktivitäten. «Ich habe meine Athleten mit bestem Wissen und Gewissen versorgt, dass sie zur rechten Zeit das Richtige hatten und nicht positiv wurden», sagte Matschiner, der neben Radfahrern und Triathleten auch Leichtathleten managte. «Ich hatte auch einen deutschen Leichtathleten, einen Topläufer, den ich nie getroffen habe, aber über einen Mittelsmann mit einer Designerdroge versorgte», berichtete er.
Nach ARD-Recherchen soll dieser Läufer in diesem Jahr deutscher Meister geworden sein. «Ich finde so etwas nicht produktiv, sondern auch dem Athleten gegenüber unfair», sagte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). «Wenn man so einen Verdacht äußert, sollte man auch Ross und Reiter nennen.»
Matschiner will seine Athleten aber nicht nur mit Doping-Mitteln beliefert haben, sondern will auch Urinproben von seinen Sportlern durch von ihm bezahlte Mitarbeiter in von der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) akkreditierten Doping-Analyselabors illegal testen haben lassen. «Die Mitarbeiter haben 150 oder 300 Euro bekommen. So konnten Athleten perfekt eingestellt werden», sagte Matschiner. «Es hat einige Jahre funktioniert und es funktioniert immer noch.» Die Wada reagierte empört. «Wenn das stimmt, wäre das skandalös und eine der schlimmsten Regelverletzungen», sagte Wada-Generalsekretär David Howman.
Ungereimtheiten deckten die ARD-Reporter zudem über die Arbeit der jamaikanischen Anti-Doping-Agentur (Jadco) auf. Nach Angaben des Jadco-Verantwortlichen Herb Elliot testet die Agentur, die 2008 ihre Kontrolltätigkeit aufnahm, die Topathleten um Superstar Usain Bolt «alle fünf Tage». Die Wada überraschte diese Aussage. «Ich sehe nicht, dass sie mit dem Programm angefangen haben», erklärte Howman.
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