Leichtathletik-WM Heidler hofft auf Hammer-Heimspiel

Hammerwerferin Betty Heidler träumt von einer Goldmedaille in Berlin. (Foto)
Hammerwerferin Betty Heidler träumt von einer Goldmedaille in Berlin. Bild: dpa

Sieben Medaillen holten die deutschen Leichtathleten bei der Weltmeisterschaft 2007. News.de stellt in loser Reihenfolge jene Sportler vor, auf denen diesmal bei der WM im eigenen Land die größten Hoffnungen ruhen. Heute: Betty Heidler.

Ein schmuckloser Sportplatz zwischen Hochhäusern und Bäumen versteckt, ein Kraftraum in einem etwas heruntergekommenen Vereinsheim. Hier trainiert Betty Heidler, die deutsche Hammerwerferin, die bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin ihren Titel verteidigen will.

Die Anlage in Frankfurt-Fechenheim glänzt nicht gerade weltmeisterlich - und doch ist der Ort genau der richtige für die Athletin, die zu den größten Hoffnungen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) zählt. «Sieht ein bisschen alt aus alles hier», sagt Betty Heidler. «Aber wir haben unsere Ruhe und außerdem wohne ich nur zwei Minuten entfernt.»

Als sich die 25-Jährige aufwärmt, dreht nur ein einsamer Rentner in einem Trikot seine Runde. Wenn die Weltmeisterin von Osaka 2007 und ihre Kolleginnen Kathrin Klaas und Andrea Bunjes, die ebenfalls für Berlin nominiert sind, die vier Kilo schweren Metallkugeln am Stahldraht auf den Rasen hinausschleudern, fragen sich oft ein paar Zaungäste, was die jungen Frauen da treiben und lassen sich die Hammer zeigen. «Manchmal kommt die Straßenreinigung vorbei und macht besonders sauber», sagt Heidler und lacht.

Mit knapp 18 Jahren kam die heutige deutsche Rekordhalterin (76,55 Meter) an den Main zu Trainer Michael Deyhle, «weil mich seine Philosophie überzeugt hat». Manchmal plagte sie Heimweh, aber sie machte ihr Abitur - und Karriere im Hammerwurf-Käfig. In Berlin hat sie ein Heimspiel, schließlich ist sie im Stadtteil Marzahn aufgewachsen. Für Verwandte und Bekannte hat sie deshalb schon jede Menge WM-Tickets besorgt: 25 für die Qualifikation, 50 fürs Finale.

Dass sie bei der Medaillenvergabe am 22. August dabei ist, steht für sie außer Frage. Obwohl sie bei den Olympischen Spielen in Peking den Endkampf verpasst hatte und als Neunte bitter enttäuscht war. «Ich bin wesentlich stabiler als im Vorjahr, bewege mich konstant auf einem höheren Level», sagt Heidler. Und, das bestätigt auch ihr Trainer, sie ist lockerer geworden, sieht mehr die Herausforderung als den Erfolgsdruck. «Das ist das Ergebnis knüppelharter Arbeit, vieler neuer Gedanken und Diskussionen», erklärt Deyhle.

Mit 75,83 Meter liegt Heidler an fünfter Stelle in der diesjährigen Weltbestenliste, nur einen knappen Meter hinter der führenden Slowakin Martina Hrasnova. Eine heiße Konkurrentin ist erst vor ein paar Wochen wieder hinzugestoßen: Weltrekordlerin Tatjana Lysenko aus Russland hat ebenso wie Ekaterina Tschoroschich ihre Dopingsperre abgesessen.

«Ich habe keine andere Wahl, als das zu akzeptieren», sagt Heidler. «Ich könnte auch sagen, ich gehe auf die Barrikaden, wenn die werfen. Aber das interessiert doch niemanden.» Für Berlin hat sie nur ein Ziel: «Ich will meinen Titel verteidigen. Ich stand schon mal auf dem Treppchen ganz oben, das ist natürlich was anderes, als wenn man als WM-Fünfte oder -Sechste da hinfährt.»

Alles ist fokussiert auf Berlin, und doch dreht sich Heidler nicht nur im Kreis, um ihr Wurfgerät in Medaillennähe zu schleudern. Die ausgebildete Polizeimeisterin studiert seit Herbst noch Jura, das dritte Semester hat sie hinter sich. Abends und am Wochenende heißt es pauken. Manchmal ein Balance- und Kraftakt. «Aber wenn ich vom Training kaputt bin, dann lege ich mich auch mal auf die Couch und gucke Fernsehen.»

Weiterführende Links:

Leichtathletik-WM: Traumpaar auf Titeljagd
Leichtathletik-WM: Aus der Disco zur Weltspitze
Leichtathletik: «Schlechte Generalprobe - gute WM»
Leichtathletik: Tragische Ausfälle vor WM
Leichtathletik-WM: 92 Deutsche bei weltgrößtem Sportereignis

Aus dem Netz:

Im Interview mit der «Frankfurter Rundschau» spricht Heidler über Glück, Doping und Träume

mas/hem/news.de/dpa

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Anzeige
++ Fußball-Liveticker ++
 

Live-Ticker powered by live-ticker.com

Fußball im Überblick
news.de auf Facebook
Follow us on Facebook!
News.de auf Twitter
Follow us on Twitter!
Anzeige