Der Blut-Detektiv klagt an
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Von news.de-Redakteurin Mara Schneider
Artikel vom 29.07.2009
Im Radsport werden Glanzzeiten gefahren. Das böse Wort Doping hängt nach der Tour de France wie ein Damoklesschwert in der Luft. Doch der Nachweis gerade neuer Substanzen ist häufig Sisyphosarbeit, sagt Dopingexperte Fritz Sörgel.
Gehen Sie davon aus, dass die Tour de France 2009 sauber war?
Sörgel: Wer auch immer in der Vergangenheit geglaubt hat, da wäre mal was clean, ist immer eines Besseren belehrt worden. Das zeigen die Statistiken. Wenn man jetzt sagt, die Tour war clean, dann muss man das definieren. Clean heißt immer nur, dass mit den Standardmethoden des Anti-Doping-Kampfes noch nichts gefunden wurde. Das, was getestet wird, ist aber immer nur ein Bruchteil von dem, was technisch möglich ist.
Bei der Tour 2008 wurde bei vier Fahrern das neue Epo-Mittel Cera gefunden. Worin besteht der Unterschied zum normalen Epo?
Sörgel: Es hat genau die gleiche Wirkung, aber über einen längeren Zeitraum hinweg. Wenn man sich in der Vergangenheit mit Epo gedopt hat, und so wird das sicher auch heute noch gemacht, dann musste man alle paar Tage kleine Mengen nachspritzen. Beim Cera hatte man die Hoffnung, man gibt einmal eine Spritze und ist dann über Wochen hinweg optimal gedopt, ohne dass man etwas nachweisen kann. Aber das zu glauben war einfach nur dumm. Für Fachleute war klar, das Cera innerhalb kürzester Zeit wie Epo auch nachweisbar sein würde. Außerdem war Cera als neues Epo in der Wissenschaft so unvollständig beschrieben, dass es für die Betroffenen schwer war, die Dosis so fein zu tunen, dass sie zwar den Dopingeffekt noch haben, es aber nicht nachweisbar ist.
Die französische Anti-Doping-Agentur will nachträglich die alten Proben von 15 der 20 damals besten Fahrer untersuchen. Wird die Zahl der Dopingsünder 2008 noch steigen?
Sörgel: Wenn die Methode wesentlich verfeinert worden ist und man jetzt empfindlicher messen kann, glaube ich, dass wir noch weitere Dopingfälle erwarten können.
In diesem Jahr fand man in Mülleimern einiger Teams offenbar verbotene, bisher sogar unbekannte Substanzen. Angeblich handelt es sich um Diabetesmittel.
Sörgel: Sportler experimentieren heute mit allem. Aber ich wüsste jetzt nicht, was ein Diabetesmittel bewirken sollte. Man muss aber auch vorsichtig sein. Vielleicht hat da jemand von den Betreuern, ein älterer Mann, wirklich Diabetes und die Schachtel mit dem Mittel da reingeschmissen. So einen Fall hatten wir schon einmal bei einer Schwimmmeisterschaft in Schweden mit dem immer schnell verdächtigten russischen Team. Da ist am Ende auch übers Ziel hinaus geschossen worden. Ich will die ganzen professionellen Betrüger nicht schützen, aber man muss aufpassen, was sich in diesem Fall herausstellt.
Wie entdeckt man neue Substanzen?
Sörgel: Wenn man Stoffe suchen muss, die man nicht kennt, ist das eine Sisyphosarbeit. Es wird leichter, wenn man einen Hinweis hat. Ich habe gelesen, dass bei den jetzt verdächtigten jamaikanischen Sprintern ein Methylxanthin im Spiel gewesen sein soll. Das ist eine Substanz, die in der Asthmatherapie zum Einsatz kommt. Die gibt es nur auf Rezept, sie ist aber besonders leicht erhältlich und vor allem billig. Ich kann mich nicht erinnern, dass das in den vergangenen vier oder fünf Jahren ein nennenswerter Sportler genommen hat. Aber es bestätigt meine Hypothese, dass man in immer dunklere Nischen geht, wo man meint, nicht entdeckt zu werden. Man ist offensichtlich auch bereit, Arzneistoffe zu nehmen, die den klinischen Prüfungsprozess bis hin zur Zulassung noch gar nicht durchlaufen haben. Das ist wie Russisches Roulette. Aber es kann klappen.
Kann man mit Asthma realistisch betrachtet überhaupt Leistungssport auf diesem Niveau betreiben?
Sörgel: Das passt natürlich nicht zusammen, aber so läuft es halt seit Jahren. Früher hatten 70 Prozent der Leute bei der Tour de France Belastungsasthma. Jan Ullrich hatte eine Allergie, da hatte er natürlich auch einen Grund, Steroide zu bekommen. Da hat man sich fast dran gewöhnt, so selbstverständlich ist das schon geworden. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen. Was soll man denn machen, wenn ein Arzt Belastungsasthma diagnostiziert? Bei 180 Radprofis der Tour de France kann man das schlecht kurz vor der Tour von unabhängigen Medizinern überprüfen.
Wann ist für Sie der Zeitpunkt gekommen, wo sie skeptisch werden?
Sörgel: Es gibt wissenschaftlich entwickelte Modelle, die vorhersagen, was der Mensch überhaupt schaffen kann. Dann rennt da jemand 100 Meter in 9,69 Sekunden mit offenen Schuhen und hört schon vor der Ziellinie auf zu laufen (Usain Bolt im Finale der Olympischen Spiele 2008, Anmerkung der Redaktion). Da sagen wir aufgrund von dem, was wir wissen, das kann eigentlich nicht sein. Aber wenn man keinen Hinweis aus seinem Umfeld bekommt, in welche Richtung man suchen muss, dann muss man leider ehrlich sagen, dann hat man keine Chance, jemandem etwas schnell nachzuweisen.
Wie lange dauert es, Tests zu entwickeln, um neue, bisher unbekannte Substanzen bei Sportlern nachzuweisen?
Sörgel: In Spielfilmen bringt man das Blut vormittags ins Labor und nachmittags kommt schon der Befund, das sei dieser oder jener Stoff. Das ist aber nicht die Realität. Das kann ein Jahr dauern, bis man da einen Fortschritt macht. Man fragt im Sport immer, warum die Ergebnisse so lange dauern. In der Kriminalistik, zum Beispiel im Fall Michael Jackson, beschäftigen sich mindestens zehn Leute mit einer Probe, also einem Menschen. Das ist im Sport relativ schwer, betrachtet man die vielen Disziplinen und die Gesamtzahl der Spitzensportler. Da bräuchte man das Hundertfache oder mehr an Personal. Es werden immer wieder neue Dopingsubstanzen eingesetzt, aber um die zu finden, dafür wird nicht genug Personal und nicht genug Geld zur Verfügung gestellt.
Fritz Sörgel (58) leitet seit 1987 das Institut für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung (IBMP) bei Nürnberg. Das erste Mal befasste er sich in den 1990er Jahren mit Doping, als der Fall Dieter Baumann publik wurde. Seitdem wird das IBMP immer wieder in Sachen Doping zu Rat gezogen.
mik/news.de
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jetzt antwortenKommentar meldenGRUNDSÄTZLICH . WO LIEGT DER BETRUG?? ES WIRD NIEMAND GESCHÄDIGT UND WENN; DER GEDOPTE SELBST SPECIALISTEN : (FRANKE u CO) NIEMAND VON DENEN HAT JE SELBST GEDOPT ODER HAT JEMANDEN DURCH MEDICAMENTE ZU HÖHEREN LEISTUNGEN GEFÜHRT (NUR DAS LESEN KÖNNEN VON BEIPACKZETTELN BESCHRÄNKT AUF NEBEN WIRKUNGEN ) IST NOCH KEIN DOPINGFACHMANNIN ES STIMMT DASS ES GRENZEN GIBT (IM PHYSIKALISCHEN UND PHYSIOLOGISCHEN WERTEN (WARUM WIRD DANN DER "FREIE FALL IN GARMISCH ZUGELASSEN??) VON DEN DOPINGSPECIALISTEN ODER WOLLEN SIE ZUERST DIE TOTEN UDER DIR KRÜPELN SEHEN???? AS EX RADFAHRER (2x TOUR DEL AVENIR)
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