Der Sportler, der aus der Kälte kam
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Von news.de-Mitarbeiter Holger Heitmann
Artikel vom 16.07.2009
Kältekammern kosten viel Geld und konfrontieren Sportler mit Bedingungen, die in der Natur nie vorkommen. Dennoch hat die Bundesregierung dem deutschen Sport eine solche Kältekammer spendiert - zu Recht.
Drei Minuten bei minus 110 Grad, das klingt genauso unnatürlich wie ungesund. Temperaturen, die abseits der Kältekammer nie auftreten und denen sich Leistungssportler auch noch halbnackt in Badehose oder Bikini aussetzen: Da denkt man schnell an die Doper-Gemeinschaft mit ihren mal futuristisch, mal alchimistisch anmutenden Methoden wie Eigenblut-Transfusionen oder Hormon-Behandlungen.
Und tatsächlich geht es dem Athleten in der Kältekammer darum, dem Körper ein Schnippchen zu schlagen und dessen wohlverdiente Regeneration nach hartem Training zu verkürzen. Nur um ihm am nächsten Tag wieder hartes Training zuzumuten. Und am Tag darauf wieder. Das Ganze wird auch noch mit 320.000 Euro finanziert vom Staat, nur damit die deutschen Sportfans ihre Helden im gebührenfinanzierten Fernsehen feiern dürfen. Soweit vielleicht die Sicht des steuerzahlenden Stammtisch-Bruders - falls er nicht selbst Sportfan ist.
Der entscheidende Unterschied zu Epo und Co.: Die extrem kühle, aber auch extrem trockene Luft der Kältekammer ist eben kein Gesundheitsrisiko für ehrgeizige Sportler, die mithalten wollen, sondern eine von Medizinern anerkannte und angewandte Methode. Nicht nur für Profis, sondern auch für Patienten mit Neurodermitis oder Arthrose.
Die Kältetherapie kann nicht wie Wachstumshormone oder Transfusionen missbraucht werden. Auch Steuergelder werden nicht über Gebühr missbraucht. Bei Millionen Euro, die ARD und ZDF als Sender und Sponsoren jahrelang für die Tour de France ausgaben und Milliarden Euro, die der Staat vor der WM 2006 in Fußballstadien steckte, sind die sechsstellige Summe und die Stromkosten, pardon, Peanuts.
Zumindest, wer dem Wesen des Leistungssports inklusive Professionalisierung und internationalem Konkurrenzkampf nicht gänzlich abgeneigt ist, kann nichts gegen die Kältekammer haben. Sie kann dafür sorgen, dass Sportler sich seltener fitspritzen lassen müssen, wollen oder sollen.
Und sie ersetzt das archaische Eiswasserbad, das tatsächlich öfter - wie anfangs bei der Kältekammer befürchtet - zu Schwellungen und Erfrierungen führt. Drei Minuten bei minus 110 Grad sind nicht angenehm für den Athleten. Aber auch nicht unangenehmer als ein Ausdauerlauf in 4000 Metern Höhe - und noch dazu schneller vorbei.
hav/reu/news.de
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