Echtpelz an Kleidung: Blutiger Fake! Für vermeintliches Kunstfell sterben Millionen Tiere

Wer sich eine neue Winterjacke mit Fellkragen kauft, sollte genauer hinschauen: Denn nicht selten ist das Kunstfell tatsächlich Echtpelz von Nerz, Marderhund oder Kaninchen - auch wenn sich keine Hinweise darauf an der Kleidung finden.

Echtpelz ist immer noch in Mode trotz Warnungen von Tierschützern. Bild: dpa

Auch wenn viele Modemarken inzwischen auf Pelz verzichten, Fell ist aus der Wintermode kaum wegzudenken. Das betrifft weniger Nerzmantel und Fuchsstola, wie sie noch zu Omas Zeiten getragen wurden, sondern Fellbommeln oder Pelzkragen an Winterkleidung und -accessoires.

Kunstfell an Winterkleidung ist oft Echtpelz

Fell an Handschuhen, Winterjacken oder als Bommeln an Mützen - ein Blick in die aktuelle Winterkollektion macht deutlich, dass der Fell-Look nach wie vor im Trend ist. Dass es sich dabei aber keineswegs immer um Kunstfell handelt, macht ein Bericht der Tierschutz-Koalition Fur Free Alliance (FFA) deutlich, der Ende September 2017 im Europäischen Parlament vorgelegt wurde. Die FFA führte in zehn EU-Ländern Recherchen zur Kennzeichnung von Echtpelz in der Textilproduktion durch. Das Ergebnis: mangelhaft! In Deutschland beispielsweise waren 51 Prozent der Pelzwaren nicht korrekt gekennzeichnet, in Großbritannien sogar 93 Prozent, berichtet "Vier Pfoten Deutschland".

Kein Hinweis auf Echtpelz an Kleidung trotz EU-Kennzeichnungspflicht

Dass Echtpelz an Kleidung nicht ausreichend gekennzeichnet wird, ist aber nicht neu. Der NDR deckte bereits 2014 im Rahmen von Recherchen auf, dass es bei zahlreichen Winterjacken und Strickwaren mit Fellbesatz, die im Handel erhältlich sind, keinen Hinweis auf Echtfell gab - obwohl eine Kürschnerin diese als Kaninchen- und "hundeähnliche" Pelze identifizierte. Auch die Stiftung Warentest kam 2016 zu ähnlichen Ergebnissen, nachdem sie Stichproben im Labor untersuchen ließ. Die Kleidungsstücke, an denen tatsächlich Echtfell nachgewiesen wurde, waren entweder gar nicht oder falsch deklariert.

Dabei muss seit 2012 laut EU-Verordnung zur Textil-Kennzeichnung Echtpelz mit dem Vermerk "Enthält nicht-textile Bestandteile tierischen Ursprungs" deutlich ausgewiesen werden. Tierschützer fordern deshalb unter anderem, dass Echtpelzprodukte besser etikettiert werden - und zwar mit Vermerk von Tierart, der Tierhaltung sowie Art der Gewinnung, so der NDR.

Tiere leiden für die Pelz-Herstellung nicht nur in China, sondern auch in Europa

Doch warum halten sich die Produzenten nicht daran? Die traurige Wahrheit hinter dem Etikettenschwindel klingt paradox: Echtpelz ist viel billiger als Kunstfell (Fake Fur). Als größter Hersteller stammt die Hälfte aller Pelzprodukte aus China, wie "stern.de" berichtet. Da es keine Tierschutzgesetze gibt, werden Waschbären- und Marderhunde, aber auch Nerze, Füchse, Hunde und Katzen unter katastrophalen Bedingungen gehalten und getötet. Pelzbommeln aus den verarbeiteten Fellen kosten umgerechnet vier bis fünf, Pelzkragen elf bis 13 Euro.

Aber auch die Pelzproduktion in Europa ist nicht viel tierfreundlicher, wie beispielsweise Recherchen in Finnland ergaben. Das Schweizer Magazin "Kassensturz" recherchierte mit einem Team vor Ort beim finnischen Pelzfarmer "Saga Furs". Dort werden Polarfüchse auf das Fünffache ihres normalen Gewichts gemästet, damit sie mehr Fell geben. Diese "Monsterfüchse" werden zudem in viel zu kleinen Gitterkäfigen gehalten.

Welche Marken verzichten auf echten Pelz?

Für die Pelzmode sterben jährlich unzählige Tiere. Etwa eine Milliarde Kaninchen werden jedes Jahr für Kleidung getötet,wie Peta informiert. Allein die Europäischen Pelzfarmer töten laut Fur Europe etwa 44 Millionen Tiere im Jahr. Wer das blutige Geschäft nicht mehr unterstützen möchte, sollte nur Kleidungsstücke von Herstellern kaufen, die auf echte Tierfelle verzichten. Im Fur Free Retailer sind zahlreiche pelzfreie Modemarken versammelt, wie zum Beispiel Esprit oder das Luxus-Label Gucci, das seit Herbst 2017 Echtfell aus seinem Sortiment gestrichen hat.

  • Seite:
  • 1
  • 2
Empfehlungen für den news.de-Leser