25.08.2018, 08.03 Uhr

Hadsch 2018: Haddsch 2017 vom Bauboom in Mekka überschattet?

Tausende Menschen begeben sich jedes Jahr auf Pilgerreise nach Mekka. Bild: dpa

Es ist die heilige Kaaba im Hof der großen Moschee - das Zentrum der großen Wallfahrt, etwas mehr als zehn Meter hoch. Hinter ihr ragt ein Luxushotel mit 601 Metern in den Himmel: der Uhrenturm des Komplexes ist eines der höchsten Gebäude der Welt. Der Bauboom hat Mekka verändert. Aus Sicht vieler Gläubiger lenkt er vom eigentlichen Sinn der Pilgerfahrt ab.

Denn die religiöse Einkehr und spirituelle Wiedergeburt haben es angesichts des Mekka-Massenspektakels in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend schwer. In der Erinnerung Sami Angawis jedenfalls ist der Mittelpunkt des Islam noch immer jener legendär nostalgische Ort, der heute nur noch auf alten Fotos existiert. Nun, sagt der einflussreiche Architekt, dominierten die großen Türme das Bild der Stätte. Umkehrbar sei die Entwicklung nicht mehr. "Man kann verschüttete Milch nicht mehr einsammeln", sagt er resigniert.

Angawi, der ein Hadsch-Forschungszentrum gegründet hat, sitzt in seinem Haus in Dschidda, der großen saudi-arabischen Metropole am Roten Meer, und erklärt zehn Studentinnen seine Philosophie anhand der Architektur seiner Wohnung: Es ist grün und offen, durch das Haus scheint ein geradezu kosmopolitischer Wind zu wehen.

Massenpanik bei Pilgerfahrt in Mekka

Angawi wohnte einst dauerhaft nur ein paar Dutzend Kilometer entfernt, in Mekka. Doch das ist vorbei. Auch, weil der heiligenStätte die Balance abhanden gekommen ist, sagt er. Balance, das ist Angawis Hauptmotiv bei seiner heutigen Lehrstunde. Sie müsse gewahrt bleiben, um etwas Gutes zu erzeugen. Auch bei der Pilgerfahrt. "Es ist wie mit dem Blut, das zum Herzen kommt:Ist es zu viel, wird derDruck zu hoch."

Und der Druck in Mekka bringt selbst die moderne Infrastruktur angesichts von bis zu drei Millionen Pilgern an ihre Grenzen. Immer wieder gab es Massenpaniken an den Nadelöhren der mehrtägigen Pilgerreise. Zuletzt wurden 2015 um die 2000Menschen nahe einer Fußgängerbrücke totgetrampelt.

Bedeutung der Pilgerfahrt Haddsch nach Mekka

Für jeden gläubigen Muslim ist es eine Pflicht, einmal in seinem Leben nach Mekka zu pilgern. Zu der Wallfahrt in die heilige Stadt der Muslime reisen jedes Jahr Millionen Menschen an. Trotz scharfer Spannungen mit dem sunnitischen Königreich werden in diesem Jahr auch Pilger aus dem schiitischen Iran an der Wallfahrt teilnehmen.

Mekka als Zentrum des Islam wird zum Produkt der Globalisierung

Mekka, so überfüllt wie es in den nächsten Tagen sein wird, ist auch ein Produkt der Globalisierung. Während vor 100 Jahren noch Karawanen aus der gesamten arabischen Welt wochenlang gen Mekka zogen, ist das Zentrum des Islam heute nur eine kurze Flugreise entfernt. Die Pilgerzahlen explodierten - und die heilige Stätte wuchs und wuchs und wuchs.

Der saudi-arabische Künstler Ahmed Mater hat die Veränderung Mekkas mit der Kamera dokumentiert. Seine Aufnahmen zeigen den riesigen Uhrenturm und die gläsernen Gänge, die die Wolkenkratzer verbinden. Wer genau hinschaut, entdeckt zwischen ihnen die Kaaba. Im Inneren hielt er vollgestopfte Einkaufszentren fest. Dort kaufen sich Gläubige in traditionellen Gewändern bei Starbucks Kaffee.

"Viele finden, dass das einzige Symbol die Kaaba sein sollte.Sie empfinden die Türme als Ablenkung", sagte Mater einst. "Wenn Du in Mekka bist, siehst Du all die iPhones auslösen, wenn der Uhrenturm zu sehen ist. Es wird zu einer kapitalistischen Großstadt."

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