Rechtsirrtümer: So ist die Rechtslage bei Urlaubsfotos

Urlaubsfotos sind nicht nur dauerhafte Erinnerungen, manchmal auch ein Fall für den Richter. Bild: Fotolia / lassedesignen

News.de hat mit einem Anwalt über die Thematik gesprochen. Markus Mingers ist Rechtsanwalt und Inhaber der Kanzlei Mingers & Kreuzer in Köln. Als Experte für Verbraucherfragen vertritt er zahlreiche Klienten auf unterschiedlichsten Rechtsgebieten.

Gibt es europaweit eine einheitliche Regelung, wie Personen oder Sehenswürdigkeiten geschützt sind?

Derzeit gibt es noch keine einheitliche Regelung zum Urheberrecht bei Urlaubsfotos und Selfies vor Sehenswürdigkeiten. In verschiedenen Ländern gelten verschiedene Gesetze. "In Deutschland gibt es die sogenannte Panoramafreiheit, die das Urheberrecht einschränkt. Fotografiert man hierzulande also die Reichstagskuppel, sind keine rechtlichen Konsequenzen zu befürchten, da diese sich bleibend und sichtbar im öffentlichen Raum befindet", erläutert Mingers. Vorsicht ist allerdings bei Personen geboten: Gemäß Kunsturheberrecht darf jeder selbst bestimmen, ob er fotografiert werden möchte und die Aufnahme öffentlich zugänglich gemacht werden darf. Prinzipiell ist also eine Zustimmung der betreffenden Person einzuholen. "Dies ist bei öffentlichen Veranstaltungen mit vielen Menschen zu vernachlässigen", so der Rechtsanwalt.

Warum sind auch Sehenswürdigkeiten durch das Urheberrecht geschützt?

"Auch Sehenswürdigkeiten und Bauwerke können dem Urheberrecht unterliegen" weiß Mingers. "Dadurch soll ihr Schöpfer vor unerlaubter Nutzung anderer geschützt und eine Vergütung gesichert werden." Nutzt jemand beispielsweise nächtliche Aufnahmen des Eiffelturms zu kommerziellen Zwecken, kann das schnell zu Ärger führen. Die Illumination ist seit 1985 als Kunstwerk urheberrechtlich geschützt und darf nicht mit finanziellen Absichten verbreitet werden. Fotos können unter anderem auch aus Sicherheitsbedenken verboten sein.

Greift das Urheberrecht weltweit?

In jedem Land gelten unterschiedliche Regelungen zum Urheberrecht. Reisende können sich beim Auswärtigen Amt zu den jeweiligen Bestimmungen erkundigen. "Beim Fotografieren von Menschen ist es allerdings allgemein ratsam, die betroffene Person um Erlaubnis zu fragen", so der Rechtsanwalt.

Welche Strafen drohen im Falle einer Verletzung?

"Im Falle einer kommerziellen Verbreitung, wie im Beispiel des nächtlich beleuchteten Eiffelturms, drohen Unterlassungserklärungen oder sogar Schadenersatzforderungen", warnt Mingers. Das gleiche gilt für das Fotografieren von Kunstinstallationen. Vorab ist eine Genehmigung des Künstlers einzuholen – ohne seine Einwilligung kann die Verbreitung untersagt werden.

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koj/gea/news.de

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